Kreis Pinneberg

Wedeler Vorzeigefirma Solarnova wird liquidiert

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2002: Bundesumweltminister Jürgen Trittin (r.) und Bundestagskandidat Rainder Steenblock (M.) besuchen Solarnova.

2002: Bundesumweltminister Jürgen Trittin (r.) und Bundestagskandidat Rainder Steenblock (M.) besuchen Solarnova.

Foto: Augener

Einst feierten Minister die innovative Firma aus Wedel, jetzt ist für immer Schluss. Was der letzte verbliebene Solarnova-Manager sagt.

Wedel.  „Photovoltaik ist unsere Kernkompetenz, Zuverlässigkeit und Qualität sind unser Versprechen“, heißt es auf der Internetseite der Wedeler Firma Solarnova. Und weiter: „Darauf sind wir stolz: Solarelemente aus Wedel bündeln Sonnenergie in Australien, den USA, Dänemark, Italien, Frankreich, Mexiko, Zypern, Österreich, Großbritannien, den Niederlanden, Spanien, Norwegen, der Schweiz und natürlich in Deutschland.“

All das ist Vergangenheit: Eines der Vorzeigeunternehmen aus dem Norden in Sachen erneuerbare Energien hat zum Jahresende die Produktion eingestellt. Für immer. „Ab 1. Januar gehen wir in die Liquidation“, sagt Prokurist Bernd Woderich, der Letzte aus dem Management, am Montag gegenüber dem Abendblatt. Die Firma, deren Belegschaft von einst mehr als 30 auf zuletzt zehn Mitarbeiter schrumpfte, wird aufgelöst. Dieser Prozess könne noch ein Jahr oder länger dauern, so Woderich.

Als einen Grund nennt der Manager leere Auftragsbücher. Das Unternehmen, in den letzten Jahren auf Sonderprodukte für Fassaden spezialisiert, habe einfach nicht mehr genug Kunden finden können. Von der Massenproduktion hatte Solarnova schon länger Abstand genommen – die Mitbewerber aus China sind günstiger.

Geschäftsmann aus Mexiko rettete die Firma vor der Insolvenz

In der Firma, die schon für die Energiewende stand, als das Wort noch nicht in aller Munde war, gaben sich gern prominente Politiker die Klinke in die Hand. Im Bundestagswahlkampf 2002 schaute etwa der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) vorbei, sechs Jahre später war sein Amtsnachfolger Sigmar Gabriel (SPD) zu Gast und bezeichnete die Photovoltaikbranche als „kleines deutsches Wirtschaftswunder“.

Im Jahr 2013 dann der Dämpfer: Die 1996 aus dem damaligen AEG-Konzern ausgegliederte Firma war zahlungsunfähig und musste Insolvenz anmelden. Doch mit dem Kaufmann und Branchenkenner John von Frantzius, der in Mexiko lebt, fand sich ein Geldgeber.

2016 wollte Solarnova sogar vom Marienhof in den Businesspark am Tinsdaler Weg umziehen. Auf einem 80 mal 45 Meter großen Grundstück wollte die Firma 2,4 Millionen Euro investieren.

( sul )

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