Pinneberg
Nahverkehr

Wedels S-Bahnhof soll 450 neue Radparkplätze bekommen

Der Blick auf den Wedeler Bahnhof durch die Speichen eines Fahrrads.

Der Blick auf den Wedeler Bahnhof durch die Speichen eines Fahrrads.

Foto: Nico Binde / HA

Seit drei Jahren stehen die Radboxen in der P&R-Anlage in Wedel unter Wasser. Nun ist Geld da, um Pendlern das Leben zu erleichtern.

Wedel. Fahrradständer? Mangelware. Auf dem Vorplatz äußert sich dieses Manko in einem riesigen Blechknäuel. Wild geparkte Räder. Und zwar überall. Eine Etage tiefer, im Park-and-Ride-Haus am Wedeler S-Bahnhof, sieht es nicht besser aus. Dort ist es düster, nass und schrottig. In den unterirdischen Fahrradkäfigen steht das Wasser knöchelhoch. Seit 2016 hat die Stadt dort ein massives Feuchtigkeitsproblem. Immer wieder gibt es Beschwerden. Kurzum: Für Pendler mit Rad ist die Situation bescheiden. Doch nun gibt es Hoffnung.

Im kommenden Jahr sollen fast 500 neue überdachte Abstellflächen für Räder im Bahnhofsumfeld entstehen. Das bestätigt auf Abendblatt-Anfrage Sven Kamin, Sprecher der Stadt Wedel. Der Bescheid für das Fördergeld in Höhe von 680.000 Euro sei in Wedel angekommen. „Bei der geplanten neuen Bike-and-Ride-Anlage am Bahnhof werden an fünf Standorten etwa 450 Stellplätze gebaut“, so Kamin. Der Baustart sei im Frühjahr oder Sommer 2020 geplant.

Fahrradboxen werden nicht mehr vermietet

Nicht wenige Pendler sind der Meinung, es werde höchste Zeit. Schuldirektor Martin Hinkel aus Holm etwa ärgert sich immer wieder aufs Neue, sein Rad in den dunklen nassen Schacht des Parkhauses schieben zu müssen. „Da will man einigermaßen klimaneutral zur Arbeit“, so der in Hamburg arbeitende Schulleiter. „Aber so wird es einem nicht leicht gemacht, aufs Auto zu verzichten und stattdessen das Rad und die Bahn zu nutzen.“

Die Abstellsituation für Zweiräder ist am S-Bahnhof ein grundsätzliches, schon lange anhaltendes Problem. Seit Jahren wünschen sich Pendler eine spürbare Verbesserung, vor allem mit Blick auf den sicheren Abstellkomfort. Denn momentan sind die nicht überdachten Plätze an den Eingängen selbst im Winter hoffnungslos überfüllt. Eng an eng quetschen sich die Räder in die Fahrradständer. Vor dem Bahnhof bietet sich nicht selten ein chaotisches Bild.

Der Stadt Wedel seien sowohl der Mangel an Fahrradständern, als auch die problematische Situation an den überdachten Fahrradboxen in der Tiefgarage bewusst. „Deshalb werden die Boxen auch schon seit geraumer Zeit nicht mehr vermietet, sondern mit allen Einschränkungen zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung gestellt“, so Stadtsprecher Kamin.

Nachdem das Angebot im Parkhaus lange Jahre ohnehin kostenlos war, wurden von 2015 an Gebühren für Radfahrer erhoben. Die Boxen waren bei einem Preis von 135 Euro im Monat aber nur noch zur Hälfte vermietet. Dann kam das Wasser. Inzwischen sind die überdachten Käfige für Räder zwar wieder kostenlos, aber auch verlässlich überflutet. Denn die Radboxen liegen noch etwas tiefer als die Autostellflächen. Während Autobesitzer auf den 160 Stellplätzen in der arg in die Jahre gekommenen Park-and-Ride-Anlage gerade noch trockenen Fußes ihre Fahrzeuge abstellen können, ist das für Radler fast unmöglich.

Stellplätze entstehen an fünf Standorten am Bahnhof

Die dauerhafte Beseitigung dieses Feuchtigkeitsproblems sei mit einfachen Mitteln nicht zu leisten, so die Stadt. Die Anlage sei zwar mit einer Drainage versehen worden, die Pumpen laufen im Dauerbetrieb. „Aber in Nässeperioden reicht die Leistung nicht aus, um größere Wasseransammlungen zu vermeiden“, sagt Kamin. Das Problem sei das extrem drückende Grundwasser.

Wegen dieser Schwierigkeiten sei es auch den Gedanken nicht wert, noch größere Reparaturen zu planen. Die Kosten dafür seien nicht verhältnismäßig. Bis zum Bau der neuen Anlagen müssten Pendler oder Bahnhofsnutzer, die mit dem Rad kommen, auf andere Stellplätze ausweichen. „An der Auweide befindet sich eine überdachte Fahrradstellplatzanlage“, so der Stadtsprecher. „In der Regel stehen dort auch noch freie Plätze zur Verfügung, wenn die überdachte Anlage an der Villa besetzt ist.“

Die neuen 450 Radparkplätze sollen dezentral gebaut werden. Laut Kamin sind fünf unterschiedliche Standorte im näheren Bahnhofsumfeld vorgesehen. In Wedel wird demnach nicht wie in Pinneberg geplant, wo ein großes Radparkhaus am Bahnhof gebaut werden soll. Sondern eher kleinteilig. Ob das die wilde Räderschau am Bahnhof entzerrt, muss laut Nutzern abgewartet werden. Zuvor hatte sich Wedel mit Erfolg am Förderprogramm des Landes für neue Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen beteiligt. Über den Nahverkehrsverbund Nah.SH könne sowohl die Planung, als auch die Finanzierung der neuen Radparkplätze abgewickelt werden.