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Das Töverhuus – einzigartig in Schleswig-Holstein

Ulrike Weers (v. l.), Helmut Hamke, Jens Feddersen, Andrea Grafe, Gisela Hamke, Guntram Gudschun und Thies Früchtnicht freuen sich aufs Programm 2020.

Ulrike Weers (v. l.), Helmut Hamke, Jens Feddersen, Andrea Grafe, Gisela Hamke, Guntram Gudschun und Thies Früchtnicht freuen sich aufs Programm 2020.

Foto: Thomas Pöhlsen

Gemeinde Klein Nordende und das Ehepaar Hamke präsentieren Kultur in Klein Nordende. Das Programm für das Jahr 2020 steht.

Klein Nordende. Für den NDR ist das Töverhuus ein „Hotspot“ der niederdeutschen Szene und „een plattdüütsche Intstitutschoon“. Aus Sicht des Betreibers ist nicht nur das Angebot, sondern auch die Konstruktion des Kulturzentrums in Klein Nordende „einzigartig in Schleswig-Holstein“. Denn Helmut Hamke und seine Frau Gisela leiten das Töverhuus, die Veranstaltungen werden jedoch im Namen der Gemeinde vom Kultur- und Sportausschuss angeboten. Seit einem guten Vierteljahrhundert bereichert diese Kooperation die Kulturlandschaft weit über den Kreis Pinneberg hinaus.

Alles bahnte sich schon in den 80er-Jahren an, als etliche landwirtschaftliche Betriebe aufgaben. Das große Höfesterben. Es ergab sich daraus auch die Frage, was aus den oftmals historischen Bauernhäusern wird. Viele Menschen sahen ein kulturelles Erbe des Lebens auf dem Lande dem Untergang geweiht.

Helmut Hamke übernahm 1993 den Hof an der Dorfstraße von seinem Vater. Der gelernte Kfz-Mechaniker und studierte Sozialpädagoge wollte auch Schluss machen mit der Landwirtschaft und suchte eine neue Nutzung für den Hof, der 1701 erstmals urkundlich erwähnt worden war. Eine Umnutzung als Mehrfamilienhaus war im Gespräch, doch der neue Chef hatte andere Ideen.

Er wollte ein Veranstaltungszentrum daraus machen, denn in dieser Branche kannte er sich aus. Hamke hatte sich bereits seit einigen Jahren als Musiker sowie in der Pflege der niederdeutschen Sprache engagiert. „Damals gab es viele im Dorf, die sagten: Das wird nichts“, erinnert er sich heute. Allein der Name Töverhuus, plattdeutsch für Zauberhaus, irritierte viele. „Das kann sich doch keiner merken“, hörte er. Die Skeptiker sollten sich allesamt gründlich irren.

Termine für das kommenden Jahr vorgestellt

Allerdings wollte Helmut Hamke die Verantwortung für das Veranstaltungszentrum nicht allein auf seinen Schultern tragen. Er suchte Unterstützung und fand sie bei den Klein Nordender Politikern. Der Kultur- und Sportausschuss tritt seit der Eröffnung des Töverhuus’ als Veranstalter auf, was für den Hauseigentümer rechtliche Vorteile hat.

Faktisch werden die Programm gemeinsam zusammengestellt. Hamke kennt sich aus in der Szene, sei es als Gründer und langjähriger Leiter der Gruppe Speelwark oder als Fernsehmoderator. Die Politiker lernten schnell und fanden bald Gefallen an der ehrenamtlichen Arbeit in der quirligen Branche. Aktuell kümmern sich aus dem Ausschuss Andrea Grafe, Ulrike Weers, Susanne Schlüter und Guntram Gudschun um das Programm.

Zusammen mit den Hamkes haben sie nun die Termine für das kommenden Jahr vorgestellt. Einige Veranstaltungen haben sich bewährt und werden immer wieder gern angeboten. Etwa die Reihe „Plattdeutsche Lesungen“, die ein Zuschauermagnet ist. Die in der Regel fünf Termine jährlich sind schon weit im Voraus ausverkauft. Nicht nur bekannte Künstler wie der Ohnsorg-Schauspieler Jasper Vogt mit seinem Programm „Von Ringelnatz und Waterkant“ am 28. Januar tragen in Klein Nordende vor. Es bekommen auch immer wieder hoffnungsvolle Neulinge eine Chance, zum Beispiel Anni Heger und Insina Lüschen alias Die Deichgranaten am 24. März.

Vorträge, Open-Air-Konzerte und Gottesdienste

Es gibt auch viel handgemachte Musik im Töverhuus, von sehr bekannt – der NDR-Fernsehjournalist Reinhold Beckmann mit Band (11. September) – bis weniger bekannt, aber trotzdem lohnenswert, etwa die Band Jukebox 50 mit ihrem Rock’n’Roll (27. März) und die Gebrüder Graf mit norddeutschen Liedern (14. Februar). „Unideologisch und mit Fachwissen“, so Hamke, wird den Themen des globalen Klimawandels auf den Grund gegangen, nämlich mit Vorträgen von Sunke Schmidtko vom Geomar in Kiel (6. März) und Arved Fuchs (5. November). Dem Kulinarischen sind die Klein Nordender ebenfalls verbunden, wenn Michael Pinetzki norddeutsche Tapas zaubert (30. Oktober) oder Christina Rommel & Band ein Schoko-Konzert geben (24. Oktober) – Schokobrunnen inklusive!

Das Töverhuus hat sich auch als ein guter Ort für Open-Air-Konzerte erwiesen. So spielt die Bigband der Erich Kästner Gemeinschaftsschule Elmshorn (21. Juni). Es gibt einen sommerlichen Gottesdienst (Hamke: „Wir haben einen gute Pastor.“) mit anschließendem Frühschoppen und Musik (30. August). Und immer weit im Voraus ist das gemeinsame Weihnachtssingen mit Sören Schröder (11. Dezember) ausverkauft. Für die sommerliche Nacht der Chöre, mit der Geld für das Spendenparlament und den Kinderschutzbund in Elmshorn gesammelt wird, steht der Termin für 2020 noch nicht fest.

Das Töverhuus hat unter der Herrschaft des Ehepaars Hamke noch viel mehr zu bieten. Paare können dort standesamtlich heiraten. Der alte Hof ist für Feste und Seminare zu mieten. Es gibt Ausstellungen, und Volkshochschulkurse finden statt. Während der Märkte „Weihnachtszauber rund ums Töverhuus“ am ersten und zweiten Advent wurden schon viele Eintrittskarten für die Veranstaltungen im kommenden Jahr verkauft.