Pinneberg
Ellerhoop

Arboretum finanziell am Ende – auch wegen des Wetters

Professor Hans-Dieter Warda inmitten des blühenden Bauerngartens im Arboretum. Der Gartenschau in Ellerhoop gehe das Geld aus, sagt der langjährige Leiter.

Professor Hans-Dieter Warda inmitten des blühenden Bauerngartens im Arboretum. Der Gartenschau in Ellerhoop gehe das Geld aus, sagt der langjährige Leiter.

Foto: HA

Der Norddeutschen Gartenschau blühen harte Einschnitte, warnt Prof. Warda. Das Arboretum musste sogar drei Gärtner entlassen.

Ellerhoop. Es ist mit 18 Hektar die größte Gartenanlage im Kreis Pinneberg und einer der schönsten, gepflegtesten Naturparks Norddeutschlands. Doch jetzt drohen dem Arboretum in Ellerhoop erhebliche Einschnitte in seiner vielfältigen Blütenpracht. Wenn der Kreis Pinneberg nicht handelt.

Prof. Hans-Dieter Warda, der das landschaftsgärtnerische Kleinod seit 40 Jahren leitet, schlägt Alarm: „Wir sind finanziell am Ende“, klagte er jüngst vor dem Wirtschaftsausschuss des Kreistages. Ohne eine Erhöhung des Zuschusses vom Kreis werde der Park nicht mehr so gepflegt werden können, wie es in den vergangenen fast 25 Jahren der Fall war. Das würde zu einem Rückgang der Besucherzahlen und weiteren finanziellen Einbußen führen, warnte Warda.

2017 und 2018 waren "parkunfreundliche" Jahre

Ohnehin musste sich das Arboretum zu Beginn des Jahres von drei Gärtnern trennen, erläutert Warda. „Das war sehr bitter, aber leider nicht zu vermeiden.“ Der Norddeutschen Gartenschau hätten die beiden äußerst parkunfreundlichen Jahre 2017 und 2018 schwer zu schaffen gemacht. Der eine Sommer war verregnet, der andere brütend heiß, was jeweils zu einem erheblichen Rückgang der Besucherzahlen führte. „Bei so einem Wetter kommen die Besucher nicht.“

Statt wie sonst etwa 70.000 Menschen seien in den beiden vergangenen Jahren nur etwa 60.000 Naturfreunde ins Arboretum gekommen.

Kein Geld für Gehälter

Die Folge sei hart und spürbar gewesen. Es fehlten in beiden Jahren jeweils gut 100.000 Euro, rechnete Prof. Warda den Kreispolitikern vor. Blieben am Ende des guten Jahres 2016 noch 284.000 Euro übrig, seien es 2017 und 2018 nur 111.000 Euro beziehungsweise 107.000 Euro gewesen. Doch damit ließen sich nicht mehr die Gehälter von 14 Gärtnern bis zur Parkeröffnung Ende Mai 2019 überbrücken und die notwendigen Anpflanzungen tätigen. Also habe er schweren Herzens drei Gärtnerstellen einsparen müssen, um die fehlenden 100.000 Euro auszugleichen, erläuterte Warda.

Doch mehr Einschnitte seien jetzt nicht mehr möglich, ohne dass diese „im Park sichtbar werden“, warnt er. Zumal wichtige Investitionen dringend notwendig seien: „Der Maschinenpark ist marode.“ Die Brücke und der Steg am See müssten erneuert werden. Das Reetdach des Besucherpavillons ist undicht.

Darum appelliert Warda an die Kreispolitik, den jährlichen Zuschuss wieder auf die alte Fördersumme anzuheben. So habe das Arboretum seit 1996 vom für die landschaftsgärtnerische Unterhaltung des Parks jedes Jahr umgerechnet 148.000 Euro bekommen. Bis 2011.

Dann sei diese Summe auch mit seinem Einverständnis auf 110.000 Euro gekürzt worden, als der Kreis Pinneberg finanziell unter den Rettungsschirm des Landes kriechen musste. „Nun geht es uns nicht so gut. Da hoffe ich, dass der Kreis uns jetzt auch unterstützt.“ Immerhin habe der seit 2011 zusammen rund 300.000 Euro an Zuschüssen an das Arboretum eingespart.

Zusammen mit den höheren Einnahmen dank steigender Besucherzahlen in Sommern mit normaleren Wetterlagen – in diesem Jahr kamen wieder 65.000 Menschen – ließen sich Anpflanzungen, Wegebau und Personal bezahlen. Warda geht sogar davon aus, dass er die drei Gärtner dann wieder beschäftigten könnte.

Personal kostet pro Jahr rund 400.000 Euro

Die Personalkosten, die für 14 Mitarbeiter zurzeit etwa 400.000 Euro ausmachten, würden ohnehin steigen, weil er seit August aus gesundheitlichen Gründen die gärtnerische Leitung im Arboretum an die Agrarökonomin Urte Wurtzel und die Landschaftsarchitektin Matina Buttjes übertragen musste. „Ich habe das jahrelang ehrenamtlich gemacht. Das geht jetzt nicht mehr“, sagt der 78-Jährige, der das Arboretum liebevoll „mein Kind“ nennt.

Die aktuelle Klimaschutz-Debatte und die Hinwendung vieler Menschen zu Natur und Umwelt würden künftig das Arboretum für die Naherholung und als Lernort für Schüler, Studenten und Gartenbau-Lehrlinge immer wichtiger machen, so Warda. „Das Arboretum als Ort der Naherholung, Sehnsucht und Träumerei wird an Bedeutung gewinnen.“

Arboretum: Politik will reagieren

Die Kreispolitiker, alarmiert von diesen Aussagen, würdigten das Engagement Wardas und seines Teams. „Das ist ganz toll, was Sie seit Jahren auf die Beine stellen“, lobte Ausschussvorsitzender Jens Petersen. Zugleich stellte der Ausschuss 20.000 Euro zur Verfügung, damit das Dach des Pavillons repariert werden kann.

Die Sanierung der Brücke und des Steges stellte die Politik zunächst zurück, da die Kostenschätzung der Verwaltung sich von jeweils 30.000 Euro auf 110.000 und 70.000 Euro erhöht habe, wie Fachbereichsleiter Andreas Köhler ausführte. Diese Summen wolle er jetzt noch einmal genau überprüfen, kündigte er an.

Zum von Prof. Warda gewünschten dauerhaft höheren Zuschuss für das Arboretum ließen die Kreispolitiker durchblicken, dass sie dies in den anstehenden Haushaltsberatungen wohlwollend berücksichtigen würden.