Pinneberg
Rellingen

Ex-Mitarbeiter machen Nordsport Konkurrenz

Martin Sellheim (l.) und Michael Kölln vor dem neuen Laden, für den sie nun arbeiten. Sie sind in Rellingen von Nordsport zur Konkurrenz Sportsline übergelaufen.

Martin Sellheim (l.) und Michael Kölln vor dem neuen Laden, für den sie nun arbeiten. Sie sind in Rellingen von Nordsport zur Konkurrenz Sportsline übergelaufen.

Foto: Katja Engler

Michael Kölln und Martin Sellheim eröffnen neues Sportgeschäft in Rellingen. Und das ist schräg gegenüber ihrem alten Arbeitgeber.

Rellingen.  Seit 33 Jahren arbeitet Michael Kölln im Einzelhandel, „15 tolle Jahre“ hat er bei Nordsport erlebt, das Unternehmen mit groß gemacht, vieles dort aufgebaut. Jetzt ist er im Zuge des am Ende doch noch niedergeschlagenen Insolvenzverfahrens abgesprungen, um mit seiner Frau Monika und seinem Kollegen Martin Sellheim, die ebenfalls von Nordsport kommen, mit einem neuen Laden namens Sportsline noch mal voll durchzustarten – auch in Rellingen, auch an der Hauptstraße, schräg gegenüber in Sichtweite des ehemaligen Arbeitgebers.

Wo früher Matratzen Concord war, hängen jetzt Fotos von kernigen Handballerinnen und sehnigen Fußballern im Fenster, drinnen soll unter anderem bald die erst Anlaufstelle für Handballer im Großraum Hamburg zu finden sein. Eröffnung ist diesen Freitag.

Sportsline ist offizieller Ausrüster des Hamburger Handballverbandes

An den Wänden hängen sie schon: die kleinen Bälle in verschiedenen Farben, wie Handballer sie brauchen. Sportsline ist nun offizieller Ausrüster des Hamburger Handballverbandes. Für Handballer gibt’s hier außerdem hochwertige Schuhe, die richtige Backe für die Griffigkeit des Balles und alles andere, was Hand- oder auch Fußballer brauchen. Ein weiteres Sportsline-Geschäft gibt es noch. Es befindet sich in Rosengarten bei Buchholz in der Nordheide. Der dortige Geschäftsführer Fabian Heinzelmann (31) ist gerade vor Ort: „Ich glaube, dass das gut ist, dass wir hier mit Michael und Martin starten, die in der Region gut vernetzt sind“, sagt er. Fußballer fänden in vielen Geschäften, was sie bräuchten, „wir wollen aber auch Handballern eine Anlaufstelle bieten“, sagt Heinzelmann. Er selbst spielt seit 14 Jahren Handball. Die 600 Handballer des Schenefelder HTS/BW 96 hat Sportsline bereits ausgestattet. Heinzelmann: „Wir sind guten Mutes, dass wir das packen.“

Für den Nordsport-Geschäftsführer Thomas Themm muss das ein schwerer Brocken sein, nachdem die Insolvenz gerade erst überstanden ist. Er beginnt diesen Donnerstag in seinem Elmshorner Nordsport-Geschäft mit einem Räumungsverkauf, weil er den dortigen Standort schließen will, um sich voll auf das Geschäft in Rellingen zu konzentrieren. Zu seiner neuen Konkurrenz aus den eigenen Reihen sagt er ratlos: „Was soll ich dazu sagen? Ich kann nichts dazu sagen. Sollen sie ihr Glück probieren. Ob das klug ist, das müssen die wissen.“ Konkurrenz belebe das Geschäft, schiebt er dann noch nach, allerdings „ist die Schnittmenge mit der Konkurrenz gegenüber relativ groß“.

Mitarbeiter Kölln hatte drei Angebote in der Tasche

Das stimmt, denn auch Nordsport hat ein Gutteil seines Geschäfts aus dem Teamsport gezogen. Sportsline wird ein reiner Teamsport-Laden, denn damit kennt sich der 51-jährige Kölln am besten aus: „Das ist ein recht persönliches Geschäft“, sagt er. Er habe auch überlegt, ob er einen Standort etwas weiter entfernt von Nordsport suchen solle, habe sich dann aber dagegen entschieden, denn: „Hier kennt man mich, hier findet man mich.“

Schließlich könnten sich die beiden Sportgeschäfte ja auch „gegenseitig befruchten“, zum Beispiel, wenn Nordsport stärker auf Multisport setze. Er wolle nicht Nordsport in die Pleite treiben. Aber während der Insolvenzverhandlungen habe er „irgendwie die Hoffnung verloren. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass es weitergeht, und wollte dann nicht der Letzte sein, der von Bord geht. Schließlich hatte ich drei Angebote in der Tasche“, sagt Kölln.

Sportsline hat eigene Stick- und Pflockwerkstatt in Nenndorf

Eines davon kam von Sportsline, wo die Geschäftsführung wusste, dass Kölln Teamsportleiter mit Haut und Haaren ist: „Ich erfahre da eine Riesenwertschätzung“, sagt Kölln. Seit „gefühlten 100 Jahren“ spielt er in der Region Fußball. Beim VfL Pinneberg, dann bei Holsatia Elmshorn und schließlich bei Fortuna Glückstadt. „Bis die Knie aufgegeben haben. Nach zwölf OPs.“ War eine vorüber, ist er zwei Tage später wieder arbeiten gegangen und hat die Fäden nach zwei Wochen selbst gezogen. „Fußball ist eben meine Leidenschaft. So ist das. Ich bin hier bekannt wie ein bunter Hund.“

Bei Sportsline will er sich auf das Kerngeschäft mit den Vereinen konzentrieren und „nicht zu viele Baustellen aufmachen. Ich habe alle meine Vereine mitgenommen“, sagt er stolz. Das Unternehmen hat eine eigene Stick- und Pflockwerkstatt in Nenndorf, auch Rellinger Kunden können die Trikots künftig gemeinsam mit dem Sportsline-Team entwerfen. Sie werden dann in Rumänien genäht, und es soll langfristig garantiert werden, dass die einmal gewählten Designs nach Bedarf nachbestellt werden können.

Rellingens Bürgermeister Marc Trampe freut sich, dass auf der Fläche kein Leerstand mehr zu regeln ist, und hofft, dass das neue Angebot weitere Kunden ins Rellinger Ortszentrum zieht.