Pinneberg
Kreis Pinneberg

Quickborns Polizei zieht zurück in die City

Der künftige Nachbar der Polizei, Thomas Tschechne, zeigt das Gelände an der Marktstraße, auf dem die Wache entstehen soll.

Der künftige Nachbar der Polizei, Thomas Tschechne, zeigt das Gelände an der Marktstraße, auf dem die Wache entstehen soll.

Foto: Burkhard Fuchs

Neue Polizeiwache soll im Erdgeschoss eines Komplexes an der Marktstraße entstehen. Investor steht in den Startlöchern.

Quickborn.  Die Quickborner Polizeiwache, die vor rund zehn Jahren in die Ernst-Abbe-Straße nahe der A 7 verlagert worden ist, kommt wieder zurück in die Innenstadt. Und zwar soll die 20-Mann-Station künftig in einen Neubau mit Gewerbe und 65 Wohnungen in die Marktstraße 1–3 auf einem Gelände der Stadtwerke unweit der neuen Feuerwache integriert werden. „Verkehrlich ist dieser Standort ideal“, sagt Bürgermeister Thomas Köppl. Direkt an der L 76 liegend und nicht weit von der B 4 entfernt, könnte die Polizei von dort aus die ganze Stadt gut und schnell erreichen und im Einsatz auch zur Verstärkung rasch nach Pinneberg der Barmstedt beordert werden. „Bis es fertig ist, wird es aber noch gut zwei Jahre dauern“, sagt Köppl.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt machte mit einem einmütigen Votum jetzt den Weg frei für den dafür notwendigen Bebauungsplan. Damit kommt die Stadt einem seit Langem gehegten Wunsch ihrer Bürger nach, die sich vor knapp zwei Jahren bei einer Befragung des Stadtmarketingvereins mit 2250 Unterschriften für die Rückkehr der Polizeistation in die City ausgesprochen hatten.

Auf der Ausschusssitzung bat der direkte Nachbar, der nebenan im ältesten Gebäude Quickborns mit einer rund 500 Jahre alten Eiche im Garten lebt, bei dem Bauvorhaben auf ihn und den alten Baum Rücksicht zu nehmen. „Ich habe nichts dagegen, dass hier gebaut wird und die Polizei wieder in die Stadt soll“, sagt Thomas Tschechne, der mit seiner Frau seit 30 Jahren in der Reetdachkate von 1788 wohnt. Durch die Bebauung würde sich vielleicht sogar die Lärmbelastung für ihn von der stark befahrenen Kieler Straße in der Nähe verringern, hofft Tschechne. Dass aber eine elf Meter hohe Wand zu seiner Südseite geplant sei, die seine Sonnenkollektoren auf dem Dach verschatten würde, störe ihn schon. „Wir sind die letzte grüne Enklave hier“, sagte Tschechne und appellierte an die Stadt- und Bauplaner, „kreativ zu sein“ und Gründächer mit in die Planung aufzunehmen.

Alte Wache war von Schimmelpilz befallen

Quickborns Stadtplaner Felix Thermann brachte das vordringliche Ziel des neuen B-Planes und des Bauvorhabens eines Elmshorner Investors auf den Punkt: „Dieses Projekt bietet die Chance, die Polizeiwache wieder in die Innenstadt zu bekommen. Was wir uns ja alle wünschen würden.“ Die alte Eiche des Nachbarn Tschechne und der andere alte Baumbestand sollten auf jeden Fall erhalten bleiben, versprach Thermann.

Vor gut zehn Jahren musste die Polizeistation aus ihrem Gebäude an der Pinneberger Straße ausziehen, weil darin der Schimmelpilz gewütet hatte. Dann zog sie in eine Sackgasse im Gewerbegebiet Halenberg um, wohin sich aber kaum ein Bürger verirren konnte. Es gibt nicht einmal eine Busverbindung dorthin. Nun soll sie also wieder mitten in die Stadt.

Aber die Stadtplanung will mit dem Bauvorhaben zugleich das Angebot an Wohnungen in Quickborn erhöhen. So sollen auf dem 4000 Quadratmeter großen Gelände, das zurzeit als Parkplatz der Stadtwerke-Mitarbeitern dient, 65 Wohnungen in mehreren dreigeschossigen Gebäuden plus Staffelgeschoss errichtet werden. Die Wohnungen sollen 45 bis 90 Quadratmeter groß sein und 20 davon öffentlich gefördert werden. Sowohl die Stadtwerke als auch die Feuerwehr möchten dort Mitarbeiter in Betriebsnähe unterbringen, erklärt Bürgermeister Köppl ein weiteres Ziel dieser Planung.

Die Politik zeigte sich sehr angetan von diesem Vorhaben. „Die Polizei in die Innenstadt zurückzuholen ist Wunsch der Bevölkerung“, sagte SPD-Ratsherr Gerhard Teepe. „Wir wollen alle, dass sie zurückkommt“, sagte Thomas Beckmann (FDP). Problematisch könnte nur die Verkehrsanbindung zur L 76 sein, wo sich morgens der Pendlerverkehr an der Kreuzung zur B 4 bis weit in die Marktstraße zurück staue, warnte Teepe. Die Polizei soll im Erdgeschoss direkt an der Straße sein, erklärte Stadtplaner Thermann. Die Einzelheiten müssten allerdings noch mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr besprochen werden.

Dafür befinde sich der Investor bereits mit dem Land in konkreten Gesprächen, wie Ministeriumssprecher Tim Radtke auf Nachfrage bestätigt: „Derzeit steht die GMSH (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein, Anm. d. Red.) in Verhandlungen mit einem Investor, der einen Neubau in einer bevorzugten Lage plant. Hier ist angedacht, die Polizei nach den Vorstellungen des Landes mit zu planen.“

Ein Raumbedarf von 350 Quadratmetern zuzüglich Funktionsräume werde benötigt. Entscheidungen seien noch nicht getroffen worden. Aber „an der taktischen Bewertung hat sich nichts geändert, sodass ein Umzug der Polizeistation in Quickborn weiterhin angestrebt wird.“ Solange das Projekt noch nicht realisiert ist, werde die Polizei aber am jetzigen Standort an der Ernst-Abbe-Straße verbleiben, betont der Ministeriumssprecher. „Ein Zwischenumzug ist nicht geplant.“

Der Investor wollte sich auf Nachfrage erst zu dem Projekt äußern, wenn ihm alle politischen Gremien, insbesondere die Ratsversammlung am 16. Dezember, zugestimmt haben.