Pinneberg
Neues Bauprojekt

Die Altenheim-Ruine in Kummerfeld wird abgerissen

Erika Koll, Bürgermeisterin von Kummerfeld, vor zweieinhalb Jahren an dem leerstehenden Pflegeheim. Nun ist klar: Es wird abgerissen.

Erika Koll, Bürgermeisterin von Kummerfeld, vor zweieinhalb Jahren an dem leerstehenden Pflegeheim. Nun ist klar: Es wird abgerissen.

Foto: HA

Regio Klinik verkauft 31.000 Quadratmeter großes Areal. Investor plant betreutes Wohnen, Pflegeheim, Tagesklinik und Wohnungen.

Kummerfeld.  Aus der Ruine soll ein Vorzeigequartier werden: Das seit 2017 leerstehende Altenzentrum in Kummerfeld hat neue Eigentümer und soll einem Wohnpark weichen, bei dem pflegerische Angebote im Mittelpunkt stehen. Geplant sind ein Pflegeheim, eine Tagespflege, ein Betreutes Wohnen, aber auch Familienwohnungen, eine Kita und Wohnangebote für die Mitarbeiter des Pflegeheims. Verantwortlich dafür sind die Senectus GmbH aus Hamburg sowie die Specht-Gruppe aus Bremen, die zusammen das 31.000 Quadratmeter große Areal von den Regio Kliniken erworben haben.

Die Freude darüber ist groß bei Kummerfelds Bürgermeisterin Erika Koll. Sie hatte sich mehrfach öffentlich über die Ruine in bester Lage beklagt und den bisherigen Eigentümer aufgefordert, die Immobilie abzugeben. „Ich bin sehr froh, dass jetzt endlich etwas passiert ist“, so die Bürgermeisterin. Künftig habe man wieder einen Ansprechpartner für das Gelände. „Das Konzept geht auch in die Richtung dessen, was uns vorschwebt“, sagt Koll.

Ersatzbau für das bestehende Pflegeheim soll eher losgehen

Die Gemeinde habe stets auf dem Schwerpunkt Pflege bestanden, sodass dieser Ansatz unterstützt werde. „Wir müssen aber genau gucken, welche Auswirkungen die Pläne auf unsere Infrastruktur haben“, so die Bürgermeisterin weiter. Schließlich sei auch ein größerer Anteil Wohnbebauung vorgesehen. „Uns ist auch klar, dass es ein Wunschtraum bleiben wird, dort ein reines Altenheim zu bauen und drumherum einen Park anzulegen.“

Die Gemeinde hoffe auf konstruktive Gespräche mit den Investoren und werde versuchen, an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen. Koll rechnet mit einer Dauer von zwei Jahren, bis für das Areal ein rechtskräftiger Bebauungsplan besteht. Möglicherweise könne aber schon eher mit einem Ersatzbau für das bestehende Pflegeheim begonnen werden.

Noch 2010 hatten die Regio Kliniken fünf Millionen Euro in die Renovierung des Komplexes Haus Elbmarsch gesteckt, der aus einem Hauptgebäude und angebauten Flachdachpavillons besteht. Dennoch galt das Heim als Verlustbringer – und wurde im Februar 2017 trotz heftiger Proteste geschlossen. Das ehemalige Schwesternwohnheim, das sich ebenfalls auf dem Areal befindet, steht schon mehr als acht Jahre leer.

Erhalt der alten Bausubstanz sei unwirtschaftlich

Anfang 2019 hatte der bisherige Eigentümer einen Makler mit dem Verkauf des Areals beauftragt. „Wir sind auf das Angebot aufmerksam geworden und sind von dem Standort überzeugt“, sagt Torsten Rieckmann, geschäftsführender Gesellschafter der Senectus GmbH. Der Kaufvertrag sei Freitag beurkundet, über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart worden. Rieckmann: „Uns liegt viel daran, mit dem Projekt zügig zu beginnen.“

Ein Erhalt der alten Bausubstanz sei unwirtschaftlich, allein schon aus energetischen Gründen. Es biete sich nun die Chance, die alten Bauten abzureißen und das Areal in Gänze neu zu entwickeln. „So eine Gelegenheit, ein ganz neues Quartier zu kreieren, haben wir selten“, so Rieckmann. Und er sagt weiter: „Die Begegnung von Jung und Alt ist der Leitgedanke für die Planung des neuen, generationenübergreifenden Quartiers.“

Senectus ist lateinisch und bedeutet übersetzt passenderweise hohes Alter. „Wir sind spezialisiert auf Senioren“, so Rieckmann. So baue sein Unternehmen momentan ein Pflegeheim in zentraler Lage in Kaltenkirchen – ebenfalls mit der Specht-Gruppe, die nun auch in Kummerfeld als Partner gewonnen werden konnte. „Wir sind seit mehr als 30 Jahren am Markt, unser Kerngeschäft ist Erwerb, Sanierung und Bau von Einrichtungen für Senioren“, sagt Frauke Meyenberg. Sie ist die Sprecherin der Bremer Firma Specht.

Investoren haben bereits Vorstellung vom neuen Wohnquartier

In Kummerfeld, das betont Projektpartner Rieckmann, stehe man noch ganz am Anfang. „Die Abstimmung mit der Gemeinde läuft, wir befinden uns in Gesprächen.“ Ziel sei es, Anfang 2020 die Detailplanung für das Grundstück vorzulegen, für das es keinen Bebauungsplan gebe. Der geschäftsführende Gesellschafter hofft, mit der Gemeinde zügig die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das Projekt zu schaffen. Ein erster Schritt soll der Bau eines Pflegeheims mit etwa 100 Pflegeplätzen werden, das im vorderen Teil des Areals entstehen soll. Auch eine Reihenhauszeile für Familien sei geplant, ebenso wie Geschosswohnungsbau, der sich vorwiegend an Senioren richten soll. „Pflegeleistungen könnten dort bei Bedarf flexibel dazu gebucht werden.“

Eine Tagespflege, eine sogenannte Mobilitätsstation („Wir denken an Car-Sharing“) sowie ein gewisser Anteil von öffentlich gefördertem Wohnraum runden das Quartier nach Vorstellung der Investoren ab. Es soll auch Wohnmöglichkeiten für das Pflegepersonal geben. „Wir haben viele Ideen, wollen aber auch die Wünsche und Bedürfnisse vor Ort abfragen und aufnehmen“, so der Investor. So seien bisher keine Eigentumsobjekte geplant, dies könne sich jedoch bei einem bestehenden Bedarf noch ändern. Rieckmann rechnet mit einer Investition im zweistelligen Millionenbereich.

Die Geschichte des Kummerfelder Altenheims

1974 errichtete der Zweckverband Altenheim Kummerfeld die Gebäude direkt an der damaligen B 5. Ihm gehörten Quickborn, Halstenbek, Tornesch, Borstel-Hohenraden, Prisdorf, Tangstedt und Kummerfeld an. Im Jahr 2000 verkaufte der Zweckverband Altenheim die komplette Liegenschaft für zehn Millionen D-Mark an die Düsseldorfer Alloheim-gruppe. Damals verfügte die Einrichtung über insgesamt 170 Betten und 80 Mitarbeiter. Am 1. März 2008 erwarben die Regio Kliniken das Pflegeheim, das über 158 Plätze verfügte. 98 waren damals belegt. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden 2016 die Verträge mit 100 Bewohnern gekündigt.