Pinneberg
Barmstedt

Gemeinschaftsausstellung: Jüdische Dichtkunst in Bildern

Lillemor Mahlstaesdt (v.l.), Karin Weißenbacher, Martina Detjen, Johanna Wunderlich, Jana Osterhus und Katharina Holstein-Sturm stellen aus.

Lillemor Mahlstaesdt (v.l.), Karin Weißenbacher, Martina Detjen, Johanna Wunderlich, Jana Osterhus und Katharina Holstein-Sturm stellen aus.

Foto: Burkhard Fuchs

Ausstellung zum 150. Geburtstag der Künstlerin Else Lasker-Schüler eröffnet im Barmstedter Galerie-Atelier III. Was Besucher erwartet.

armstedt. B Eine ganz ungewöhnliche Gemeinschaftsausstellung zeigt das Galerie-Atelier III auf der Barmstedter Schlossinsel vom 7. Dezember bis 26. Januar. Zum 150. Geburtstag der deutsch-jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler sind dort Bilder, Skulpturen und Installationen zu sehen, die die Lyrik der Dichterin in eine Bildsprache übertragen.

Galeristin Karin Weißenbacher hat dazu fünf befreundete Künstlerinnen aus drei Bundesländern eingeladen, sich auf ihre eigene Art und Weise der Dichtkunst und Wortschöpfung Lasker-Schülers zu nähern. Die Künstlerin wurde 1932 mit dem renommierten Kleist-Preis der Weimarer Demokratie ausgezeichnet und musste ein Jahr später vor den Nazis in die Schweiz flüchten. Themen wie Flucht, Vertreibung und Heimweh hätten Lasker-Schüler in ihrem kreativen Schaffen, das Malerei und Theater umfasste, beschäftigt. Die Dichterin, die 1945 kurz vor Ende des Krieges in Jerusalem starb, sei damit „heute wieder brandaktuell“, findet Weißenbacher.

Am 7. Dezember Sängerin und Schauspielerin Martina Detjen vor Ort

So konfrontiert Johanna Wunderlich ihre Fotografien aus Venedig, eine Stadt, die Lasker-Schüler beeindruckt habe, mit dem Gedicht „Ich suche allerlanden eine Stadt“. Jana Osterhus widmet sich malerisch dem Weltschmerz Lasker-Schülers in deren Gedicht „Weltflucht mit Pablo“. Lillemor Mahlstaedt hat die ersten Verse des „Heimweh“-Gedichts - „Ich kann die Sprache dieses kühlen Landes nicht, und seinen Schritt nicht gehn“ - in eine kunterbunte Vision mit vielen Sternen projiziert. Katharina Holstein-Sturm, die diese Gemeinschaftsausstellung anregte, hat den Seelenschmerz der verfolgten Literatin in ein Liebespaar verwandelt, das sich nackt in den Armen liegt.

Liebe und Seelenschmerz hat auch die Bildhauerin Weißenbacher mit ihren vier „Else“-Figuren aufgegriffen, die jeweils für ein Gedicht Lasker-Schülers stehen. Wie das vom „alten Tibetteppich“, das zwei eng umschlungene Liebende zeigt. Bei Lasker-Schüler heißt es dazu: „Deine Seele, die die meine liebet, ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.“ Bei der Ausstellungseröffnung am Sonnabend, 7. Dezember, wird die Sängerin und Schauspielerin Martina Detjen eine Performance zeigen, die die Dichtkunst Lasker-Schülers klangvoll zu Gehör bringt und sie sprachlich improvisiert.

Die Ausstellung läuft unter dem Titel „Ich will in das Grenzenlose. Zu mir zurück...“ Die Besucher haben die Möglichkeit, nur die Bilder und Installationen auf sich wirken zu lassen oder sich auch in die Texte zu vertiefen, die als „Gedichte to go“ auch mit nach Hause genommen werden können.

Ausstellung: Sechs Positionen zur Dichterin Else Lasker-Schüler, Galerie-Atelier III, Rantzau 11, in Barmstedt. Eröffnung Sonnabend, 7. Dezember, um 15 Uhr. Eintritt ist frei.