Pinneberg
Elmshorn

Die Jürgenstraße gehört dienstags den Kindern

Elke-Maria Lutz (l.), Peter Hölzel und Silke Pahl vom Vorstand des Kinderschutzbundes freuen sich im Juli 2018 über die erste temporäre Spielstraße in der Jürgenstraße.

Elke-Maria Lutz (l.), Peter Hölzel und Silke Pahl vom Vorstand des Kinderschutzbundes freuen sich im Juli 2018 über die erste temporäre Spielstraße in der Jürgenstraße.

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Elmshorn genehmigt Kinderschutzbund feste temporäre Spielstraße zwischen April und Oktober 2020 – einmal die Woche für drei Stunden.

Elmshorn bekommt eine feste temporäre Spielstraße. Die Jürgenstraße soll im kommenden Jahr zwischen April und Oktober immer dienstags für drei Stunden den Kindern gehören. Die Stadtverwaltung stimmt dem Antrag des Kinderschutzbundes Elmshorn zu, der Bescheid ist nur noch eine Formalie. „Wir gehen mal neue Wege und genehmigen die Spielstraße“, sagt Bürgermeister Volker Hatje auf Anfrage des Abendblattes.

„Wir freuen uns sehr“, so Elke-Maria Lutz, Vorsitzende des örtlichen Kinderschutzbundes. Vor dem Büro des Kinderschutzbundes in der Jürgenstraße können Kinder nun einmal die Woche von 15 bis 18 Uhr gefahrlos auf der Straße spielen, denn sie wird für den Durchgangsverkehr gesperrt. Dafür werden von der Verkehrsaufsicht demnächst Schilder fest aufgestellt, die darauf verweisen. Die offenen Angebote des Kinderschutzbundes Elmshorn werden so gut angenommen, dass sich regelmäßig bis zu 50 Kinder und ihre Eltern in dem kleinen Büro aufhalten. „Jetzt können die Kinder auch auf die Straße ausweichen. Das schafft Entlastung“, sagt Elke-Maria Lutz.

Zwischen 55 und 100 Kinder nutzten die Spielstraße

Im Sommer 2018 hatte der Kinderschutzbund eine temporäre Spielstraße probeweise an drei Tagen im Juli, August und September eingerichtet. Ursprünglich waren sieben Termine angesetzt gewesen, aber die Genehmigung durch die Stadt hatte auf sich warten lassen. Der Probelauf glückte. Zwischen 55 und 100 Kinder haben jedes Mal die neue temporäre Spielstraße genutzt. „Es gab keine Beschwerden. Die Anwohner haben ihre Autos für drei Stunden woanders geparkt“, sagt Elke-Maria Lutz und zieht eine positive Bilanz. Mit den Nachbarn habe es keine Probleme gegeben, im Gegenteil. „Sie haben teilweise auch Kinder, die davon profitieren können.“

In Elmshorn biete sich die Jürgenstraße für dieses Projekt an. „Im ganzen Stadtquartier hinter dem Bahnhof gibt es keinen Spielplatz. Der Steindammpark ist für kleinere Kinder nicht geeignet“, so die ehemalige Jugendrichterin. Der Kinderschutzbund musste für jedes Mal Spielstraße 100 Euro zahlen. 50 Euro an Verwaltungsgebühren und 50 Euro für den Betriebshof, der entsprechende Schilder und Absperrungen lieferte, die zu jedem Termin extra aufgestellt werden mussten. Der Kinderschutzbund konnte die Rechnungen aus einer Spende begleichen. Künftig sollen dauerhafte Verkehrsschilder die Autofahrer auf die feste temporäre Spielstraße hinweisen.

In den vergangenen Jahren hat sich der Verein für die Rechte der Jüngsten auf verschiedenen Ebenen stark gemacht. Ein Erfolg seiner engagierten Arbeit wurde am Weltkindertag im September sichtbar. Denn auf Initiative des Kinderschutzbundes richtete Elmshorn vor der Nikolaikirche einen Platz der Kinderrechte ein. Auf einem Metallschild vor dem Platz sind die wichtigsten Rechte der Kinder für alle sichtbar festgehalten, auch das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung gehört dazu. Damit war die Krückaustadt Vorreiter. In Schleswig-Holstein und Hamburg fanden sich zu diesem Zeitpunkt keine vergleichbaren Projekte, deutschlandweit gab es drei solcher Plätze. Mittlerweile zogen andere Städte wie Pinneberg nach.

Öffentliches Zeichen für Kinderrechte

Mit einem Platz für Kinderrechte setzen Städte ein öffentliches Zeichen. Die Idee dahinter: Die Initiatoren fordern, dass Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden. Einen derartigen Gesetzentwurf hat Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) vor wenigen Tagen vorgelegt. Künftig werde das Kindeswohl bei allem staatlichen Handeln mitgedacht werden müssen, so Lambrecht. „Sie sind keine kleinen Erwachsenen, sondern sie haben unsere besondere Berücksichtigung verdient und deswegen die Verankerung im Grundgesetz.“ Die UN-Kinderrechtskonvention ist – außer durch die USA – von allen Staaten ratifiziert worden. Allerdings sind die Rechte noch nicht im Grundgesetz verankert, obwohl Deutschland dazu mehrmals von der UN aufgefordert wurde. Die Kinderrechtskonvention gibt es seit fast 30 Jahren.

Damit Kinder in Elmshorn ihre Rechte durchsetzen können, gibt es drei Stellen, an die sie sich wenden können: den Kinderschutzbund, die Kita Rethfelder Ring und den Jugendbeirat. Auf lange Sicht soll der Platz der Kinderrechte noch einmal umziehen: in das Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen.