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Kreis Pinneberg

Der Uerdinger Schienenbus auf letzter Fahrt

Die letzte Fahrt der Uerdinger für die AKN beginnt am ersten Advent für Lokführer Jörg Wienhold (links) und Geschäftsführer Wolfgang Seyb am Bahnhof in Henstedt-Ulzburg.

Die letzte Fahrt der Uerdinger für die AKN beginnt am ersten Advent für Lokführer Jörg Wienhold (links) und Geschäftsführer Wolfgang Seyb am Bahnhof in Henstedt-Ulzburg.

Foto: Anne Dewitz / Anne Dewitz / HA

AKN sucht einen Eisenbahn-Verein. Sonderzug fuhr am ersten Advent noch einmal auf der A3-Strecke zwischen Barmstedt und Elmshorn.

Kreis Pinneberg. In Nebelschwaden gehüllt tauchen am Feldrand dunkle Gestalten auf, die Kamera im Anschlag, den Finger am Auslöser. Es sind Trainspotter. Die Zugliebhaber nehmen den Uerdinger Schienenbus in den Fokus. Der fährt am ersten Advent wohl zum letzten Mal auf der Strecke A3 der AKN zwischen Barmstedt und Elmshorn.

Die AKN Eisenbahn GmbH hat sich dazu entschlossen, die beiden Oldtimer-Fahrzeuge, genannt Uerdinger nach der Waggonfabrik Uerdingen, abzugeben – idealerweise an einen Eisenbahn-Verein aus Schleswig-Holstein, der sich auf Sonderfahrten spezialisiert hat. „Der Schritt ist uns sehr schwergefallen“, erläutert der Geschäftsführer Wolfgang Seyb. Wer die AKN kenne, könne sich vorstellen, dass das Unternehmen so eine Entscheidung nicht leichtfertig treffe. Verschiedene Aspekte hätten letztlich zu diesem Beschluss geführt. „Wir haben den personellen Aufwand, die Werkstatt- und Abstellkapazitäten für alle unsere Züge und auch die Wirtschaftlichkeit gegen Nostalgie abwägen müssen, was immer schwierig ist“, erläutert Seyb. Als kleineres Unternehmen müsse sich die AKN letztlich jedoch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Die letzte Fahrt wollte sich der Lokführer Jörg Wienhold nicht nehmen lassen. Der 58-Jährige kennt die Strecke wie seine Westentasche. Nur eine Handvoll Kollegen haben die Berechtigung, den Oldtimer zu fahren. Die ersten vier Jahre als Lokführer fuhr er den Uerdinger noch im regulären Fahrbetrieb. „Das ist für mich eine nostalgische Fahrt“, sagt Wienhold, der bei der AKN für die Aus- und Weiterbildung der Lokführer zuständig ist. Die Tachonadel steht bei 60 Kilometer pro Stunde. „Das ist auf dieser Strecke für uns die Höchstgeschwindigkeit“, sagt Wienhold. Das Fahrzeug würde es aber auch auf 90 Kilometer pro Stunde bringen. Mit der linken Hand bedient er den Gashebel, mit rechts schaltet er. „Das ist wie Autofahren ohne Servolenkung und ABS“, beschreibt Wienhold das Fahrgefühl.

Mit als Gäste an Bord sind auch die Bürgermeisterinnen Heike Döpke aus Barmstedt und Katrin Schrade aus Bokholt-Hanredder. „Ich hatte bislang noch nie die Möglichkeit und wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen“, sagt Heike Döpke. Sie sitzt mit ihrer Amtskollegin im Triebwagen, der 1961 von der Waggonfabrik Uerdingen gebaut wurde. Er wurde bei der EBOE als VT28 in Dienst gestellt und später in VT 3.08 umbenannt. Angehängt ist der Triebwagen VT 3.09 von 1967. Er war der letzte Uerdinger Schienenbus, der für den deutschen Markt gefertigt wurde. Danach produzierte die Fabrik für Spanien.

Mit der Integration der EBOE in die AKN im Jahre 1981 wurde die AKN offiziell Eigentümer der beiden Fahrzeuge. Sie verkehrten auf der nun als AKN-Linie A3 bezeichneten Strecke zwischen Elmshorn und Barmstedt. Nachdem die letzten Uerdinger Schienenbusse auf dieser Strecke 1993 durch VT2E abgelöst worden sind, erhielt der VT 3.08 zusammen mit VT 3.09 seine rote Lackierung zurück. Beide Fahrzeuge wurden gelegentlich für Sonderfahrten genutzt. Sie verfügen über ein WC; das aus dem Jahr 1961 stammende Fahrzeug zusätzlich über einen Bartresen. Die „Uerdinger“ bieten 41 beziehungsweise 56 Sitzplätze.

Die AKN hatte in den vorigen Jahren ihr Angebot an Sonderfahrten bereits stark eingeschränkt und trotz vieler Aktionen jährlich ein Minus feststellen müssen. Dem Unternehmen liegt es am Herzen, dass die Fahrzeuge nicht gänzlich verschwinden. „Wir möchten unsere sehr gut gepflegten Oldtimer an eine Museumsbahn oder einen Verein übertragen, die derartige Sonderfahrten als Kerngeschäft betreiben“, so AKN-Geschäftsführer Wolfgang Seyb. Damit soll gewährleistet werden, dass die „Uerdinger“ eine sichere Zukunft finden und entsprechend weiter fahren können.

Seyb ist zuversichtlich, denn das Interesse scheint groß: „Wir haben mit verschiedenen Vereinen aus Schleswig-Holstein gesprochen. Auch in anderen Bundesländern gibt es Interessenten. Welcher Verein es genau wird, steht jedoch noch nicht fest.“ Bevorzugt würden Vereine aus dem Norden.

Als die beiden „Uerdinger“ in Elmshorn eintreffen, wartet schon eine Traube Menschen. Sie fotografieren den einfahrenden Sonderzug, ehe sie einsteigen. Viele wollen zum Barmstedter Weihnachtsmarkt. Einen Fahrschein braucht niemand für die Abschiedsfahrten zu lösen. Sie sind an diesem Tag für alle offen und kostenfrei.