Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wie Quickborn zu einem Außenposten am Plöner See kam

Die Chemie stimmt, auch wenn der eine der SPD und der andere der CDU angehört: Gastgeber Thomas Menzel (l.) begrüßt Amtskollege Thomas Köppl auf dem Badesteg am Plöner See

Die Chemie stimmt, auch wenn der eine der SPD und der andere der CDU angehört: Gastgeber Thomas Menzel (l.) begrüßt Amtskollege Thomas Köppl auf dem Badesteg am Plöner See

Foto: Burkhard Fuchs

Die Verwaltungsehe mit dem weit entfernten Ascheberg im Kreis Plön ist besiegelt. Es sei ein „Meilenstein in der kommunalen Zusammenarbeit“.

Quickborn/Ascheberg.  Der Antrittsbesuch beim neuen Partner wirkte wie ein Betriebsausflug. Ein halbes Dutzend leitende Mitarbeiter aus dem Quickborner Rathaus nahm Bürgermeister Thomas Köppl mit nach an den Plöner See, um dort den öffentlich-rechtlichen Vertrag für die Verwaltungsgemeinschaft ab 2021 zu unterzeichnen.

Dass dieser formale Akt in der 3000 Einwohner zählenden Gemeinde vollzogen wurde, gebühre der Höflichkeit des größeren dem kleineren Partner gegenüber, hatte Köppl schon angekündigt, als vor einem Monat die politischen Gremien beider Kommunen dieser ersten Verwaltungsgemeinschaft über mehrere Kreisgrenzen hinweg zugestimmt haben.

Chemie der Orte scheint zu stimmen

Nur das Wetter hätte besser sein dürfen, ärgerte sich Köppl, als er bei strömendem Regen auf dem Badesteg am Plöner See in die Kamera lachte. Und frotzelte: „Nächstes Mal suchen wir uns einen Partner, wo es wärmer ist und die Sonne scheint, zum Beispiel an der Adria.“

Es herrschte gute, fast ausgelassene Stimmung zwischen den neuen Verwaltungspartnern. Die Chemie scheint zu stimmen. Als Köppl erklärte, dass Quickborn nur für die Verwaltung zuständig sein und sich nicht in die politischen Belange Aschebergs einmischen werde – „ob Sie ein Schwimmbad bauen wollen oder nicht, geht uns nichts an“ - sagte sein ehrenamtlicher Amtskollege Thomas Menzel (SPD): „Wir haben unser Schwimmbad vor unserer Haustür.“ Dort, wo er wenige Minuten zuvor noch mit Köppl im Regen stand.

Es ist schon die vierte Ehe für Quickborn

Auch wenn es für Quickborn nach Hasloh, Bönningstedt und Ellerau bereits die vierte Verwaltungsgemeinschaft ist: Beide Bürgermeister sind sich im Klaren, dass ihre Partnerschaft mit einer Entfernung der Rathäuser von 70 Kilometern, die zu überbrücken mit dem Auto etwa ebensoviele Minuten Fahrzeit benötigt, recht ungewöhnlich ist. „Was haben die denn geraucht?“, sei bei einigen die erste Reaktion gewesen, als sie davon hörten, dass Quickborn nun nach Pinneberg und Segeberg auch im Kreis Plön aktiv sein will, sagte Köppl.

Doch mit Hilfe von Digitalisierung und elektronischem Aktenverkehr stelle die räumliche Entfernung heute kein Problem mehr dar, sind sich die Beteiligten sicher. Der von Quickborn mit dem Kreis Pinneberg gestartete IT-Zweckverband KommunIT, dem inzwischen drei Kreise, acht Ämter und fünf Städte und amtsfreie Gemeinden angehören, soll für die nötige Infrastruktur des Daten- und Kommunikationsverkehrs sorgen. Dies für die Bürger möglichst reibungslos ablaufen zu lassen ist dann in einem Jahr die Aufgabe seiner Mitarbeiter im Rathaus.

Kein Ascheberger muss nach Quickborn kommen

„Das wird schon eine Herausforderung sein“, ist sich Volker Dentzin, der den Fachbereich Bürgerdienste leitet, bewusst. Das Entscheidende dabei müsse sein, dass Sozialleistungen rechtzeitig an die Betroffenen ausgezahlt werden, sagte Köppl und versprach: „Kein Bürger aus Ascheberg muss nach Quickborn kommen, um etwas zu regeln.“ Er sei dort aber jederzeit willkommen.

Genau das habe er von Anfang an gespürt, erklärte Bürgermeister Menzel den Grund dafür, dass seine Gemeinde sich von der Stadt Plön verabschiedet hat und auf „Brautschau“ nach Quickborn gegangen ist. Die Zusammenarbeit müsse auf gegenseitigem Vertrauen beruhen. „Die Chemie muss stimmen. In Quickborn haben wir uns sofort willkommen und kompetent beraten gefühlt“, sagte er. Dieser Eindruck hat sich bei ihm nach dem Besuch der Quickborner Delegation Donnerstagabend noch verfestigt. „Da ist schon eine geballte Kompetenz vorhanden. Man hat gemerkt, dass die Quickborner Verwaltung das gut im Griff hat.“

Bürgermeister strebt sogar nach mehr

Und erste engere Kontakte bahnten sich an. Aschebergs Wehrführer Michael Struss freute sich über den Gedankenaustausch mit seinem Quickborner Kollegen Wido Schön, der ihn gleich zum Gegenbesuch nach Quickborn einlud. Für gemeinsame Wehrübungen dürften die Orte zu weit voneinander entfernt sein. Aber bei der Anschaffung der oft sehr teuren Fahrzeuge und Gerätschaften für den Brandschutz ergäben sich mit Sicherheit Synergieeffekte, ist Menzel überzeugt.

„Wenn Quickborn den Einkauf für fünf Kommunen bündelt, kriegen wir bestimmt einen besseren Preis.“ Ascheberg brauche in den nächsten drei Jahren jeweils ein neues Feuerwehrfahrzeug. Und die kleine Gemeinde am See, der im Sommer viele Touristen und Badegäste anzieht, ist solvent. „Wir sind nicht nur schuldenfrei. Wir haben in diesem Jahr 700.000 Euro in die Rücklage gesteckt“, sagte Menzel.

Von der Quickborner Politik begleiteten Bürgervorsteher Henning Meyn (CDU) und SPD-Ratsherr Karl-Heinz Marrek die Delegation nach Ascheberg. Politiker Marrek ist begeistert von dieser Entwicklung: „Das ist ein Meilenstein in der kommunalen Zusammenarbeit über die Kreisgrenzen hinweg.“ Wenn das klappe, woran er angesichts der digitalen Vernetzung keinen Zweifel habe, dann werde das einen Nachahmungseffekt auslösen, der sogar über Ländergrenzen hinweg, „womöglich über die Elbe“ gehen könnte, prophezeit Marrek.

Köppl will die Verwaltungsehen forcieren. 40.000 Bürger verwaltet er künftig mit Ascheberg. Ideal wären 60.000 Bürger, lädt er weitere Partner ein.