Pinneberg
Verkehr

Die Radwege im Kreis Pinneberg sind miserabel

Die Radfahrer im Kreis Pinneberg sind mit der Qualität der Radwege nicht zufrieden (Symbolbild).

Die Radfahrer im Kreis Pinneberg sind mit der Qualität der Radwege nicht zufrieden (Symbolbild).

Foto: McPHOTO/C. Ohde / picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/C. Ohde

Mehr als 4500 Hinweise gingen beim Online-Voting zum Zustand der Strecken ein. Was der Kreis nun machen will.

Kreis Pinneberg. Radfahrer im Kreis – und das sind inzwischen sehr viele – sehen auf den ihren Wegen meistens Rot. Die dominierende Farbe bei einer großen Online-Umfrage zum Zustand der Radwege zeigt jedenfalls Signalwirkung. Und das heißt nichts Gutes. Denn der überwiegende Teil der vorhandenen Strecken erhielt schlechte Noten, also rote Punkte (siehe Karte). Von insgesamt 4514 eingegangenen Hinweisen bezogen sich 4000 auf miserable Routenabschnitte. Demgegenüber wurden nur 500 Positivbeispiele genannt.

Ob zwischen Tornesch und Prisdorf oder zwischen Barmstedt und Brande-Hörnekirchen oder auch im Wedeler Stadtgebiet – es holpert und rumpelt an vielen Radwegen. Im September und Oktober waren alle Zweiradfahrer im Kreis aufgerufen, bei dem Online-Voting der Verwaltung den Zustand der Wege zu beurteilen. Hintergrund ist, dass der Kreis für sein neues Radverkehrskonzept eine valide Bestandsaufnahme haben wollte.

Ernüchternde Bilanz: Ein Großteil der Befragten stellt der Substanz kein gutes Zeugnis aus, und zwar sowohl entlang der Kreisstraßen als auch an den Landesstraßen. Die meisten Hinweise bezogen sich dabei auf „schadhafte Oberflächen“, „zu geringe Breite“ oder gleich das komplette Fehlen von Radwegen.

Zahl der Radfahrer ist in zehn Jahren 60 Prozent gestiegen

Große Probleme zeigen sich demnach sowohl entlang der Landesstraßen als auch auf dem kreiseigenen Hoheitsgebiet. Etwa an der Kreisstraße 21 zwischen der Landesstraße 76 und der Überführung der A 23 in Pinneberg, an der Achse Nienhöfener Straße bis zur Datumer Chaussee in Waldenau sowie im Umfeld der Bahnhöfe Pinneberg und Tornesch. Bei den Strecken, für die das Land zuständig ist, gab es laut Umfrage die größten Probleme an den Landesstraßen zwischen Tornesch und Pinneberg, Haseldorf und Hetlingen sowie Barmstedt und Brande-Hörnerkirchen.

Die Erwartungen an eine schnelle Beseitigung der Mängel seien nun immens groß, weiß Kreissprecher Oliver Carstens. „Hier müssen sich alle Beteiligten aber in Geduld üben.“ Die Daten der Online-Befragung sollen ausgewertet werden und in das neue, noch zu erstellende Radverkehrskonzept einfließen. Ende Februar soll der Plan fertig sein und öffentlich vorgestellt werden.

Bekanntlich will der Kreis den Radverkehr vom kommenden Jahr an verstärkt fördern, eine Million Euro pro Jahr stellt er den Städten und Gemeinden dafür zur Verfügung. Zudem sollen auch die Kreisradwege saniert werden. Bei den Mängeln an den Landesstraßen könne der Kreis nur bedingt Einfluss nehmen, sagt Birgit Schucht, die für das Projekt Radverkehrskonzept im Kreis Pinneberg verantwortlich ist. Denn die Beseitigung der Kritikpunkte an den Landesstraßen falle in die Zuständigkeit des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein. Für den Kreis gehe es nach der niederschmetternden Diagnose nun darum, das Land auf die Schäden aufmerksam zu machen und auf eine Beseitigung hinzuwirken. „Es wird viel Überzeugungsarbeit beim Land zu leisten sein“, so Schucht.

Das desaströse Ergebnis überrascht Ulf Brüggmann, Sprecher der Pinneberger ADFC-Gruppe, wenig: „Es entspricht unseren Beobachtungen und spiegelt die an uns herangetragenen Beschwerden vieler Radfahrer.“ Die Politik habe „hier oder dort“ zwar begonnen, Geld zur Verfügung zu stellen, um die Defizite der vergangenen Jahrzehnte zu beheben. „Nun sind vor allem die Verwaltungen gefragt“, so Brüggmann.

Brennpunkte, meint der Radverkehrsexperte, müssen aber umgehend angegangen werden. Dafür habe der Kreis nun eine umfassende Übersicht. Und viele kleine Verbesserungen – etwa widersprüchliche Beschilderungen – könnten spontan erledigt werden. „Die Bürger erwarten – zu Recht – schnelle Entscheidungen und dass sich im Straßenbild einiges verändert.“

Laut Modal-Split, der die Nutzung von unterschiedlichen Verkehrmitteln aufzeigt, habe der Radverkehr trotz dieser „miserablen Verkehrsbedingungen“ in den vergangenen zehn Jahren um 60 Prozent zugelegt. Für Brüggmann ist es nun an der Zeit, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen und eine entsprechende Infrastruktur für sicheres und komfortables Radfahren zur Verfügung zu stellen.

Zumal die Beteiligung an der Online-Umfrage deutlich mache, dass neben den Gefahrenpunkten vor allem das Radfahren selbst ein wachsendes Thema in der Bevölkerung ist. Der ADFC-Pinneberg freue sich jedenfalls, dass so viele Menschen die Bürgerbeteiligung genutzt haben. Der ADFC werde die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept ab 2020 kritisch begleiten. Dabei müsse aber auch der Landesbetrieb Verkehr (LBV) seine „bisherige Blockadehaltung“ zur Verbesserung der Radinfrastruktur aufgeben.

Der Kreis selbst zeigte sich ebenfalls „überrascht“ und „erfreut“ über die große Beteiligung. „Damit haben selbst die größten Optimisten nicht gerechnet“, sagt Kreissprecher Carstens. Birgit Schucht: „Damit wird einmal mehr deutlich, wie groß das Interesse am Radfahren mittlerweile geworden ist.“