Pinneberg
Kreis Pinneberg

Pinneberg braucht neue Ideen für seine Drostei

Da war die Drostei-Welt nur auf dem Bild durcheinandergeraten: Pinnebergs schönstes Haus, wie es der Fotokünstler Hayo Heye im Drostei-Buch kurz vor dem 250. Geburtstag des Gebäudes vor drei Jahren sah.

Da war die Drostei-Welt nur auf dem Bild durcheinandergeraten: Pinnebergs schönstes Haus, wie es der Fotokünstler Hayo Heye im Drostei-Buch kurz vor dem 250. Geburtstag des Gebäudes vor drei Jahren sah.

Foto: Hayo Heye / HA

Es bleibt beim Nein des Kreistages zur Barrierefreiheit. Nun beginnt die Suche nach alternativen Bühnen und Konzepten.

Pinneberg.  Die Landdrostei in Pinneberg wird keinen Aufzug erhalten, der auch gehbehinderten Menschen den Besuch der Kulturveranstaltungen in dem 250 Jahre alten Barockbau ermöglichte. Der Kreistag hat jetzt einmütig beschlossen, „derzeit“ davon abzusehen, weil ein Fahrstuhl aus denkmal- und brandschutztechnischen Gründen nicht realisierbar sei. Der Kreis verlässt sich dabei auf Aussagen und Expertisen der Denkmalbehörden und der Verwaltung und verzichtet auf eine Machbarkeitsstudie.

Damit aber Menschen mit Handicaps nicht dauerhaft vom Kreiskulturzentrum ausgeschlossen bleiben, ist Drostei-Leiterin Stefanie Fricke aufgefordert, „ein Konzept für alternative barrierefreie Kulturveranstaltungen aufzustellen“ und dem Kreis-Kulturausschuss zur Beratung vorzulegen. Zugleich fordert der Kreistag einstimmig das Land auf, „eine adäquate denkmalschutzrechtlich gangbare Lösung im Außenbereich der Drostei aufzuzeigen.“

Für Drostei-Leiterin Fricke, die die Beratung und Entscheidung im Pinneberger Ratssaal mitverfolgte, ist dieser Beschluss „eine gute Übergangslösung“. Zum einen werde damit von politischer Seite deutlich gemacht, dass vielleicht doch irgendwann ein barrierefreier Zugang in die Drostei geschaffen werden könnte. Gut finde sie auch, dass der Kreistag „den Ball zurück an das Land gespielt“ habe. So hatte das Land den Barockbau und Sitz der dänischen Landdrosten von 1767 dem Kreis 1984 überlassen mit der Maßgabe, ihn der Öffentlichkeit als ein Kulturzentrum zur Verfügung zu stellen. Wenn nun am Einspruch der Landeskonservatoren der Denkmalbehörde der Einbau eines Aufzuges scheitere, trage das Land quasi Mitschuld daran, dass der Kreis diese Auflage nicht mehr vollständig erfüllen kann, so der Tenor dieses Dreisatz-Beschlusses. Auch Kulturausschussvorsitzende Kerstin Seyfert (CDU) sieht in diesem Appell an das Land, den die Grünen in den Gesamtantrag eingebracht haben, dass der Kreis „den Ball zurück ans Land“ spiele. „Denn wenn wir in der Drostei keine Kulturveranstaltungen mehr machen können, hätten wir ein leerstehendes Gebäude, und die Drostei fiele zurück an das Land.“

Aber das wolle keiner, betonten die Sprecher aller Fraktionen und erst recht die des Vorstandes des Fördervereins, die an die Kreispolitiker appellierten, „dieses wunderbare Gebäude aufgrund des Denkmalschutzes nicht dem Leerstand preiszugeben“, wie Christine Heide-Hitzinger sagte.

Politiker wollen an der Drostei als solcher festhalten

Sie habe nach dem ersten „Aufschrei“ über das mögliche Ende des Kreiskulturzentrums in der vorigen Woche nach der Abendblatt-Lektüre schon „das Herbstlaub durch die Drostei wehen sehen“, warnte Fördervereinsvorsitzende Sibylle Hallberg. Und Harald Sorgatz erinnerte an den Aufzug, der trotz Bedenken an das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe gebaut werden konnte.

Diese Appelle griff die Politik auf. „Es wird mit der Drostei nicht Schluss sein“, versicherte CDU-Fraktionsvorsitzende Heike Beukelmann. „Wir können dort nur nicht mehr alle Veranstaltungen gewährleisten.“ Denn „ein Kulturzentrum muss für alle Bürger besuchbar sein“, sagte Grünen-Abgeordnete Regina Flesken. Dabei gehe es nicht nur um behinderte, sondern auch um ältere Menschen, die sich gern Kunst und Kultur widmeten, aber die steile Außentreppe nicht allein hochkämen.

Bei der Ausarbeitung der alternativen Kulturveranstaltungen müsse aber ein strenger Qualitätsanspruch angelegt werden, fordert SPD-Fraktionschef Hannes Birke. „Wir dürfen uns nicht mit einem Notbehelf zufrieden geben.“ Die auswärtigen Drostei-Veranstaltungen müssten ein „qualitativ hochwertiges künstlerisches Angebot“ erfüllen.

Drostei-Leiterin Fricke ist sich dieser nicht ganz leichten Aufgabe bewusst. Sie plane, die bislang eher lose Reihe „Drostei unterwegs“ vom zweiten Halbjahr 2020 an als ein festes Programm in die Gestaltung des Kulturkalenders aufzunehmen und auszuweiten. Das neue Jahr starte bereits mit zwei auswärtigen Konzerten der Hamburger Sinfoniker, die am 10. Januar im Forum in Schenefeld und am 11. Januar im Saalbau der Waldorfschule in Elmshorn aufträten. Auch Orgelkonzerte habe es bereits in der Vergangenheit in der Heiligen-Geist-Kirche in Barmstedt und der Christuskirche in Pinneberg gegeben.

Und für die vier im nächsten Jahr geplanten Kunstausstellungen in der Drostei werde sie jetzt mithilfe des Informations-Dienstleisters Dataport eine digitale Version dieser Veranstaltungen erarbeiten lassen, die insbesondere jenen Bürgern, die nicht in die Drostei kommen könnten, „einen virtuellen Rundgang durch die Drostei ermöglichen“, kündigt Stefanie Fricke an.

Für den AfD-Abgeordneten Joachim Schneider ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Drostei mithilfe neuester Technik barrierefrei gemacht werden könne. „In ein paar Jahren gibt es eine nagelneue Technik, die Roboter die Treppen rauf und runter fahren lässt.“