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Modelwettbewerb – Wedelerin will „Fräulein Kurvig“ werden

Alexa Fresch (27) aus Wedel ist stolz auf ihre Figur. Zum Fototermin ist sie auf die Stadthausbrücke über den Bleichenfleet nahe ihrem Arbeitsplatz in der Hamburger Neustadt gekommen.

Alexa Fresch (27) aus Wedel ist stolz auf ihre Figur. Zum Fototermin ist sie auf die Stadthausbrücke über den Bleichenfleet nahe ihrem Arbeitsplatz in der Hamburger Neustadt gekommen.

Foto: Katja Engler

Studentin Alexa Fresch nimmt an dem Contest für starke Frauen teil. Bei 2350 Bewerberinnen hat sie es unter die Top 16 geschafft.

Wedel.  Alexa Fresch war schon immer etwas anders als die meisten. Mit einer guten Portion Selbstbewusstsein trägt die 27-jährige Wedelerin Konfektionsgröße 48 und ein natürliches Lächeln im Gesicht, sie mag Zahlen und ist, seit sie denken kann, eine regelrechte Sportskanone. Jetzt hat sie sich zur „Fräulein-Kurvig“-Wahl gestellt und es von 2350 Bewerbern unter die 16 letzten geschafft, hinzu kommen drei männliche Finalisten mit XXL-Bauchumfang.

Die große Gala geht am 14. Dezember im Zelt des Krefelder Zirkus Probst über die Bühne. Initiatorin Melanie Hauptmanns führt dann gemeinsam mit Mister Big 2017 durch ein „Fräulein-Kurvig“-Musicalprogramm, jederzeit zusätzlich aufgeheitert vom Star-Clown Antonio Casselly. Als erster Preis winkt die Aufnahme in die Modelagentur Plus Size – und womöglich der Start als Kurven-Model.

Nebenjob: Steuerberaterin

Zum Interview erscheint Alexa Fresch in einer femininen, flammend roten Bluse. Sie trägt die Fingernägel grün lackiert. Model will sie nicht werden, und wenn, dann höchstens nebenbei. Als Wismarer Studentin des Wirtschaftsrechts arbeitet sie nebenbei in einer Hamburger Kanzlei für internationale Steuerberatung und ist damit wahrlich ausgelastet. Trotzdem hat sich Alexa Fresch in den Fräulein-Kurvig-Wettbewerb begeben – „um nette Leute kennenzulernen und, um letzten Endes zu signalisieren: Jeder kann schaffen, was er will, so wie er ist“, sagt sie.

Die Initiatorin des Wettbewerbs „Fräulein Kurvig“ ist selbst füllig, heißt Melanie Hauptmanns und schreibt auf ihrer Website www.fraeulein-kurvig.com: „Entgegen der medial vermittelten Meinung wollen die meisten Menschen keine Perfektion, sie wollen das Leben sehen. Und genau darum geht es bei meiner Veranstaltung. Echte Frauen aus dem realen Leben zeigen sich und zeigen anderen, welche fantastischen Möglichkeiten es gibt, sich selbst nicht nur zu akzeptieren, sondern sich zu lieben.“

„Es geht um den Charakter“

Alexa Fresch sieht das etwas pragmatischer und philosophischer: „Jeder Mensch gehört so akzeptiert, wie er ist. Es geht um den Charakter eines Menschen, nicht darum, auf Äußerlichkeiten reduziert zu werden.“

Das hat sie selbst nicht anders erfahren, weder von ihren Eltern (Normalfigur), noch von ihren Geschwistern (schmal und schlank), noch von Freunden oder Bekannten. „Ich fall’ da ein bisschen raus. Aber die haben mich immer so genommen, wie ich bin.“ Hinzu komme, dass sie selbstbewusst auftrete, „da macht man sich nicht so angreifbar“, sagt sie dazu. Nein, sie habe nie blöde Kommentare entgegennehmen müssen wegen ihrer Figur, und sie hat auch überhaupt kein Problem mit ihrem Körper. Warum sollte sie auch?

Dass so ein Wettbewerb für die Akzeptanz jenseits enger, standardisierter Körpernormen auch eine politische Dimension hat, darüber denkt sie nicht so viel nach. Aber sie verfolgt zum Beispiel die Diversity Fashion Week, die sie sehr mag. Mit ihrer Wettbewerbs-Teilnahme will sie die Initiative „Fräulein Kurvig“ unterstützen: „So eine Sache müssen wir vorantreiben. Von sich aus wird sich nämlich nichts ändern.“ Wer einen Stein werfe, der könne zusammen mit anderen irgendwann eine Welle verursachen für mehr Toleranz, glaubt sie.

Die Hobbysportlerin findet es gut, dass Popstars wie Lady Gaga Statements setzen, wenn sie den eigenen Körper mit Fleischlappen behängen, um auf die Fetisch-Dimension weiblicher Körper im Showbusiness aufmerksam zu machen.

Kleidung kauft sie hauptsächlich online

Eine Diät hat sie nie in ihrem Leben gemacht: „Ich ernähre mich relativ gesund, aber ich esse auch mal Süßigkeiten.“ Neben den vielen sportlichen Aktivitäten -- sonntags geht sie auch noch mit ihrem Freund joggen in der Wedeler Au – bleibt kaum noch Zeit für andere Hobbys. Sie trifft sich gern abends mit Freunden, und mit ihrem Liebsten hat sie kürzlich einen Tanzkursus gemacht, „jetzt können wir die Grundschritte“.

Ihr Leben lang war Alexa Fresch in Bewegung. Sie hat immer viel Sport getrieben: Basketball (Norddeutsche Meisterschaften), Leichtathletik, Trampolin, Schwimmen, Tennis - und nun seit zwei Jahren Triathlon. Im Wedeler Sportverein leitet sie mit viel Spaß die Triathlon-Abteilung. „Ich würde das jedem empfehlen, weil es solchen Spaß macht. Erst mal klein anfangen, dann dranbleiben. „Beim Laufen bin ich die Langsamste. Aber ich komme an. Das zählt für mich“, sagt sie ehrlich.

Die Blondine ist eine attraktive Frau. Und eine mit Ideen. Vielleicht hat sie es beim Wettbewerb so weit geschafft, weil sie zur Selbst-Präsentation alle Arten von Klamotten nach dem Zwiebelprinzip übereinander angezogen und sich dann so lange entblättert hat, bis sie im Ausgehkleid vor der Jury stand.

Sie trainiert für den Triathlon

So ähnlich sieht es auch in ihrem Kleiderschrank aus: Dort hängen viele sportliche Sachen, weil sie sechsmal die Woche für Triathlon trainiert, weite Shirts, aber auch elegante Blusen, Kleider, Schuhe mit hohen Absätzen. „Ich mag Mode, und ich betone gern meine Taille“, sagt sie, „aber hauptsächlich kaufe ich online ein. Obwohl ich es schöner finde, in ein Geschäft zu gehen. Früher war es ganz schwierig, etwas Schönes zum Anziehen in meiner Größe zu finden. Aber langsam wird das besser und die Vielfalt größer.“

Jetzt freut sich Alexa Fresch erst mal auf die große Gala in Krefeld. Mit 16 netten Mädels und drei Jungs. „Da werde ich hoffentlich das Team intensiver kennenlernen, denn wir kennen die ja bisher nur von Instagram. Ich möchte gucken, was für Menschen dahinterstehen. Persönlich ist das einfach schöner.“