Pinneberg
Diversity

Homosexueller HSV-Fan wirbt für Vielfalt in Pinneberg

Mit Regenbogen-Flagge: HSV-Fan Jens Kuzel (l.), Bürgermeisterin Urte Steinberg und Danny Clausen-Holm vom Lesben- und Schwulenverband.

Mit Regenbogen-Flagge: HSV-Fan Jens Kuzel (l.), Bürgermeisterin Urte Steinberg und Danny Clausen-Holm vom Lesben- und Schwulenverband.

Foto: Laura Wilken / HA

Pinneberg tritt Bündnis für Akzeptanz und Respekt bei. Einwohner Jens Kuzel vom Fanclub „Volksparkjunxx“ erklärt, worum es geht.

Pinneberg.  „An meinem 23. Geburtstag musste ich meiner Mutti dann sagen, dass das mit den Enkelkindern nichts wird“. Heute ist Jens Kuzel 42 Jahre alt und seit 2015 mit seinem Ehemann Dennis verheiratet. Vor rund zehn Jahren gründete er den HSV-Fanclub „Volksparkjunxx“, der einzige HSV-Fanclub für Schwule und Lesben. Mittlerweile kommt der Fanclub auf eine Mitgliederzahl von 14. „Da ist aber noch eine Menge Luft nach oben“, sagt Kuzel.

Gemeinsam mit seinem Mann lebt Kuzel in Pinneberg. Am Freitag hat er die Feier zum Beitritt der Stadt Pinneberg zur Lübecker Erklärung für Akzeptanz und Respekt besucht. Im März hatte die Ratsversammlung auf Antrag der SPD-Fraktion einstimmig beschlossen, dass die Stadt Pinneberg beitritt. 2014 hatte das Bündnis für Akzeptanz und Respekt Schleswig-Holstein die Lübecker Erklärung ins Leben gerufen. Das Bündnis hat es sich zum Ziel gemacht, „gesellschaftlich relevante Gruppen, Unternehmen oder Vereine für eine gleichberechtigte Gesellschaft“ mit ins Boot zu holen.

„Wir leben in einer modernen, vielfältigen Welt. Eigentlich sollte es nicht nötig sein, die Gleichberechtigung von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten gesondert zu fordern“ sagt Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg. Doch die Realität sehe anders aus. Menschen würden diskriminiert, ausgrenzt oder erführen körperliche Gewalt.

„Der Wind wird rauer“, beobachtet Kuzel

„Man merkt, dass der Wind rauer wird. Wir müssen aufzeigen, dass so was hier kein Platz hat, nicht mit uns“, sagt Kuzel. Auch Danny Clausen-Holm, Mitglied im Vorstand des Lesben- und Schwulenverbandes Schleswig-Holstein, stimmt dem zu. „Die Gegenstimmen werden immer lauter“, sagt er, „dabei war es ein langer Kampf, die Ehe für alle zu legalisieren.“

Die Stadt Pinneberg hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, als Vorbild für „kleinere“ Städte voranzugehen. Denn auch außerhalb der Großstädte wie Hamburg und Berlin müsse es normal sein, dass alle Menschen als „gleich“ angesehen werden.

Im Bereich des Männerfußballs ist das Thema der Homosexualität kaum vertreten. „Im Sport, speziell im Männer-Fußall, gibt es scheinbar – wirklich scheinbar, nicht anscheinend – keine Homosexualität“, sagt Urte Steinberg. Sowohl unter den Spielern als auch unter den Fans gebe es Homosexualität, doch kaum jemand spreche darüber. Jenz Kuzel hingegen schon. „Unsere Fankurve ist ein Querschnitt der Gesellschaft. Da ist alles vertreten.“

Ein anderer Fan entschuldigte sich

Bisher hat er kaum Probleme mit Feindlichkeiten gegen seine Homosexualität im Volksparkstadion gehabt. Einmal habe ein Fan den Schiedsrichter, den Ball, ja eigentlich alles, als schwul beschimpft. Als Kuzel den Fan darauf zur Rede stellte, wurde er gefragt, ob er etwa schwul sei. „Ich habe nur darauf geantwortet, dass ich es bin und ob das etwas zur Sache tue.“ Nur kurze Zeit später reichte der HSV-Fan Kuzel ein Bier und entschuldigte sich.

Im Zusammenhang mit dem Beitritt zur Lübecker Erklärung für Akzeptanz und Respekt zeigt die Stadtverwaltung Pinneberg die Wanderausstellung „Mensch ist Mensch“. Der Fotograf Cedric Witolla aus Flensburg möchte mit seiner Ausstellung verdeutlichen, dass alle Menschen gleich sind. Zu sehen sind Menschen, allein, zu zweit, als Paar oder als Familie.

Die Wanderausstellung ist noch bis zum 14. November im Rathaus an der Bismarckstraße zu sehen.