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Kreis Pinneberg

Nach Verkehrsunfall: Mord-Anklage gegen Autofahrer

Ein Polizeifahrzeug steht mit Blaulicht auf der Straße (Symbolbild).

Ein Polizeifahrzeug steht mit Blaulicht auf der Straße (Symbolbild).

Foto: Patrick Seeger / picture alliance / dpa

Mann soll absichtlich in den Gegenverkehr gefahren sein. Ein versuchtes Tötungsdelikt. Der 26-Jährige muss sich vor dem Landgericht verantworten.

Hemdingen. Der Nissan Micra eines Autofahrers gerät auf der L 111 in Hemdingen auf die Gegenfahrbahn – und prallt frontal mit einem Renault zusammen. Was am 20. Oktober vorigen Jahres zunächst wie ein normaler Unfall unter Alkoholeinfluss aussieht, entpuppt sich wenig später als Kriminalfall. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft in Itzehoe eine Anklage gegen den inzwischen 26 Jahre alten Unfallverursacher erhoben – wegen versuchten Mordes.

„Wir werfen dem Beschuldigten vor, alkoholisiert ein Fahrzeug geführt und in suizidaler Absicht frontal auf einen entgegenkommenden Wagen gelenkt zu haben“, sagt Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Laut Anklage habe der Verursacher damit den Tod eines Menschen billigend in Kauf genommen, das Mordmerkmal der Heimtücke verwirklicht. „Wir werfen dem Angeklagten tateinheitlich auch eine gefährliche Körperverletzung sowie einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor“, so der Oberstaatsanwalt weiter.

Der Frontalcrash hatte sich gegen 9 Uhr ereignet. Sofort waren Polizei und Rettungsdienst zum Unfallort geeilt. Beide Fahrzeuge waren im Straßengraben zum Stillstand gekommen. Der damals 25 Jahre alte Verursacher kam mit leichten Verletzungen davon, der Unfallgegner (64) kam dagegen mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus. Die Feuerwehr Hemdingen rückte aus, um ausgelaufene Betriebsstoffe der beiden Fahrzeuge aufzunehmen. Beide Wagen wurden sichergestellt und von einem Unfallsachverständigen begutachtet, um eine technische Ursache auszuschließen.

Beim Verursacher stellten die Polizeibeamten Atemalkohol fest, ein freiwilliger Test ergab einen Wert von 1,27 Promille. Daher wurde zunächst vermutet, dass der junge Mann aufgrund des Alkoholeinflusses die Kontrolle über den Kleinwagen verloren haben könnte.

Doch wenig später ergaben sich Hinweise, dass der Nissan-Fahrer in Selbstmordabsicht den Unfall verursacht haben könnte. Zehn Tage nach dem Unfall wurde der damals 25-Jährige, der aus der Nähe von Offenburg in Baden-Württemberg stammt, verhaftet. Er saß bis 19. November in Untersuchungshaft, dann wurde der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Der Prozess findet vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe statt, einen Termin gibt es noch nicht. Dem 26-Jährigen droht eine mehrjährige Haftstrafe. Zentrale Frage des Verfahrens wird sein, ob die Schuldfähigkeit des Mannes zum Unfallzeitpunkt eingeschränkt war.