Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wie von Boetticher die CDU wieder einen will

Noch ein Schulterblick auf Herausforderer Nicolas Sölter (der als Erster gratuliert hatte), dann wendet sich der wiedergewählte CDU-Kreischef Christian von Boetticher der Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier zu. Schatzmeister Daniel Kölbl klatscht. Hinten auf dem Podium von Boettichers Vorgänger Ole Schröder als Versammlungsleiter.

Noch ein Schulterblick auf Herausforderer Nicolas Sölter (der als Erster gratuliert hatte), dann wendet sich der wiedergewählte CDU-Kreischef Christian von Boetticher der Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier zu. Schatzmeister Daniel Kölbl klatscht. Hinten auf dem Podium von Boettichers Vorgänger Ole Schröder als Versammlungsleiter.

Foto: Burkhard Fuchs

Nach CDU-Parteitag: Kreisvorsitzender und unterlegener Herausforderer vereinbaren klärendes Gespräch. Ortsverbände sollen mehr Gehör finden.

Kreis Pinneberg.  In der Kreis-CDU gibt es einiges aufzuarbeiten nach dem Machtkampf um den Kreisvorsitz, den Christian von Boetticher (48) mit 210 zu 169 Stimmen gegen Nicolas Sölter (31) für sich entschieden hat. Der Riss unter den gut 380 Mitgliedern, die zum Kreisparteitag am vergangenen Freitag in Hemdingen gekommen waren (wir berichteten), ging quer durch alle Ortsverbände. Denen will von Boetticher jetzt mehr Gehör schenken.

Herausforderer Sölter gehört dem Kreisvorstand nicht mehr an. Dafür konnte er mit Birte Glißmann aus Elmshorn, die ihn in Hemdingen als Kreisvorsitzenden vorgeschlagen hatte, und Lars Kuhlmann aus Tangstedt zwei Unterstützer neu in den Kreisvorstand wählen lassen. Das geschah auf Kosten von Natalina di Racca, die nach 15 Jahren dem Kreisvorstand nicht mehr angehört.

Darüber sei sie natürlich enttäuscht, sagt Pinnebergs Stadtverbandsvorsitzende und Bürgervorsteherin. Noch mehr aber über die Art und Weise, wie der Elmshorner Parteichef Sölter seine Gegenkandidatur inszeniert habe. „Dieser ganze Prozess hat die Partei gespalten“, sagt sie. „Das ist nicht sauber und ordentlich gelaufen.“ Sie hätte sich gewünscht, Sölter wäre „mit offenem Visier“ angetreten und hätte nicht „monatelang hinter dem Rücken der Partei“ für sich Stimmung gemacht. „Dieser interne Umgang ist nicht mein Politikstil“, sagt sie. Gegenkandidaturen seien gut, werteten eine Wahl auf und gehörten zur Demokratie. „Aber so, wie das gelaufen ist, hat das die Dinge erschwert“, meint di Racca. Sie sei aber überzeugt davon, dass es „von Boetticher gelingen wird, wieder Ruhe und Gelassenheit in den Kreisverband zu bringen. Dafür spricht seine persönliche und angenehme Art, mit Menschen umzugehen.“

Peter Lehnert war das Zünglein an der Waage

Der alte und neue Kreisvorsitzende von Boetticher ist sich dieser Herausforderung bewusst. „Das ist Aufgabe des Kreisvorstandes, jetzt die Gräben wieder zuzuschütten.“ Dies sei ja auch vor drei Jahren gut gelungen, als die Entscheidung um die Bundestagskandidatur noch viel knapper ausgefallen war als jetzt – mit nur acht Stimmen Vorsprung für den später gewählten Abgeordneten Michael von Abercron gegen Dagmar Steiner aus Hasloh. Von Boetticher sieht in dem Parteitag, der ihn den Kreisvorsitz hätte kosten können, „ein hohes Fest der Demokratie“, weil noch nie so viele Mitglieder zum Parteitag gekommen seien. Tatsächlich haben die beiden Kontrahenten verabredet, sich „in den nächsten Wochen“ zu einem klärenden Gespräch zu treffen, wie Sölter ankündigt. „Ein Termin ist vereinbart.“ Der Jurist meint: „Meine Kandidatur hat dem Kreisverband gutgetan.“ Aber auch Sölter gibt zu, „dass einige Entwicklungen im Wahlkampf bedauerlich“ gewesen seien. Was genau er damit meint, möchte er nicht öffentlich sagen, um nicht neues Öl ins Feuer zu gießen. „Wir hatten unsere Differenzen. Aus meiner Sicht steht einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem neuen Kreisvorstand aber nichts im Wege“, sagt Sölter.

Er widerspricht entschieden, Unterstützern Wahlkreise für mögliche Landtagskandidaturen versprochen zu haben, wie in der Partei kolportiert worden war. „Das ist völliger Quatsch.“ Aber das Zünglein an der Waage, das womöglich den Ausschlag für die Wahl von Boettichers gegeben habe, sei der Auftritt des Landtagsabgeordneten Peter Lehnert gewesen, meint Sölter. Der Bürgermeister aus Bilsen habe lange ein Votum für oder gegen den Herausforderer zurückgehalten. Das bestätigt Lehnert. „Ich habe mir das erst eine ganze Zeit angeschaut“, sagt er auf Nachfrage. Letztlich habe er sich dann aber dafür entschieden, sich für von Boetticher auszusprechen, „weil wir gerade sehr gut, eng und vertrauensvoll im Kreisvorstand mit ihm zusammenarbeiten. Da halte ich es für sinnvoll, auf Stabilität zu setzen.“ Lehnert hatte auf dem Parteitag dann sogar zur Überraschung mancher Parteifreunde von Boetticher zur Wiederwahl vorgeschlagen. Er gehe davon aus, dass es nicht zu einer dauerhaften Lagerbildung im CDU-Kreisverband komme, so Lehnert.

Kreisvorsitzender von Boetticher hat insbesondere zwei Baustellen erkannt, um die sich der Kreisvorstand verstärkt kümmern müsse. Zum einen seien dies die Probleme der Landwirte, jahrzehntelang eine der Kernwählerschaften der CDU. So werde er noch in diesem Jahr zusammen mit Michael von Abercron, der dem Agrarausschuss des Bundestages angehört, zu einer Info-Veranstaltung in den Dörfern im Norden des Kreises einladen, kündigt von Boetticher an. Zudem wolle er einen engeren Draht zu den Ortsverbänden suchen und deren Vorstände öfter zum Dialog einladen – „ohne Block und Bleistift“, um zu erfahren, „wo der Schuh drückt“. An diesem Versprechen werde sich der neue Kreisvorstand messen lassen müssen, sagt Ex-Kreispräsident Burkhard E. Tiemann. „Wenn dieses Versprechen eingehalten wird, kann der Parteitag Auftrieb für die CDU geben.“

Nicolas Sölter will sich jetzt erst einmal politisch um seinen Stadtverband in Elmshorn und den Bundesvorstand der Jungen Union kümmern. Ob er in einem Jahr Michael von Abercron die Kandidatur für den Bundestag streitig machen wird, lässt er allerdings offen.