Pinneberg
Quickborn

Konzert erinnert an Reichspogromnacht 1938

Die Jazzsängerin Dotschy Reinhardt tritt in Quickborn auf.

Die Jazzsängerin Dotschy Reinhardt tritt in Quickborn auf.

Foto: Proton

Beim Konzertabend mit Dotschy Reinhardt wird an die bunte Kultur und Musik von Sinti und Roma und ihr schwieriges Leben erinnert.

Quickborn.  Um die bunte Kultur, Musik und Folklore von Sinti und Roma und ihr schwieriges Leben in Deutschland geht es beim Konzertabend mit Dotschy Reinhardt in Quickborn. Der Förderverein für das Henri-Goldstein-Haus im Quickborner Himmelmoor hat vor einigen Jahren eine politische Konzertreihe zum 9. November aufgelegt.

Sie soll an die Reichspogromnacht an jenem Tag im Jahre 1938 erinnern, als der Nazi-Terror mit der systematischen Verfolgung von Juden mit der Zerstörung ihrer Häuser und Geschäfte seinen Lauf nahm. „Es waren aber nicht nur die Juden, die verfolgt, in Konzentrationslager gesteckt und getötet wurden, sondern auch viele weitere Gruppen, so auch die Sinti und Roma“, sagt Veranstalter Lens-Olaf Nuckel. Obwohl sie seit 600 Jahren in Deutschland lebten, seien sie bis heute als „Zigeuner“ verschrien und Vorurteilen ausgesetzt.

Urgrossvater war ein Geigenhändler, der auch auf dem Instrument spielte

Sängerin Michaela „Dotschy“ Reinhardt (43) weiß das aus eigener Erfahrung und aus ihrer bewegten Familiengeschichte. So sagt die entfernte Verwandte des berühmten Jazz-Gitarristen aus der 30er- und 40er-Jahren, Dschango Reinhardt: „Viele Menschen glauben nach wie vor, dass Zigeuner einen angeborenen Freiheitstrieb haben und Tagediebe, wenn nicht gar kriminell sind.“ Dagegen will sie mit ihren Liedern, vorgetragen in Deutsch, Englisch und Romanes, der Sprache von sechs Millionen Roma, angehen. In einem Song heißt es da: „Du glaubst daran, was die anderen sagen. Du verleugnest dein Leben als Sinto. Du lebst ihr Leben, trägst ihren Namen, verlierst deine Identität.“ Die Kultur und Musik der Roma und Sinti sei ihre eigene, sagt die deutsche Sinteza. „Sie ist Teil meiner Identität, die ich selbstverständlich lebe und ausdrücke.“

Ihr Urgroßvater Bernhard Heinrich Pfisterer war ein Geigenhändler, der selbst sehr gut auf diesem Instrument spielen konnte. Das hat ihm das Leben gerettet. Er überlebte die Zwangsarbeit und Misshandlungen in mehreren Konzentrationslagern und wäre in einem Nebenlager des KZ Mauthausen beinahe in der Gaskammer umgekommen. Kurz bevor das Gas einströmte, hätten die Nazi-Schergen unter den Totgeweihten einen Musiker für eine Nazi-Feier gesucht, was Pfisterer vor dem Tod bewahrte. „Eine perfide und grausame Situation“, beschreibt Dotschy Reinhardt diese Episode in ihrem Buch „Gipsy“.

Konzert: Sa 9.11., Artur-Grenz-Saal, Am Freibad 7, Quickborn; Karten: Theophil (Am Freibad 4a), 10 (erm.) 5 Euro und an der Abendkasse