Pinneberg
Ausstellung in Elmshorn

Zwei Seiten des 9. November

Auto kaputt, Hilfsbereitschaft groß, Laune bestes: Am 11. November 1989 ist dieser Trabi auf der A 23 im Kreis Pinneberg liegen geblieben. Die Zündkerzen brauchen etwas Pflege.

Auto kaputt, Hilfsbereitschaft groß, Laune bestes: Am 11. November 1989 ist dieser Trabi auf der A 23 im Kreis Pinneberg liegen geblieben. Die Zündkerzen brauchen etwas Pflege.

Foto: Cornelia Wolber

1989 fällt die Berliner Mauer. Die ersten Bürger der DDR erreichen den Kreis Pinneberg. Und ein Elmshorner wird inspiriert.

Elmshorn.  Etwa 200 Menschen, so berichtet diese Zeitung, stehen vor dem Pinneberger Rathaus und warten auf ihr Begrüßungsgeld. 100 D-Mark stehen jedem DDR-Bürger zu. Es ist der 11. November 1989, ein Sonnabend, die Stadtverwaltung ist eigentlich geschlossen. Und doch finden die Bediensteten einen Weg, den Wartenden das Geld auszuzahlen. Ein ähnliches Bild in Wedel, in Elmshorn, in anderen Städten. Der Fall der Berliner Mauer ist gerade zwei Tage her, da haben die ersten Bürger aus dem anderen Teil des damals getrennten Deutschland ihren Weg bis in den Kreis Pinneberg gefunden. Sofern der Trabi mitspielt. Für einige ist die Fahrt auf der A 23 zu Ende. Es sind bewegende Tage, die nun bald 30 Jahre zurückliegen.

Auch für Gerhard Schaller, der zu Hause in Elmshorn vor dem Fernseher sitzt und alles verfolgt. „Es war einfach nur gewaltig, diese Bilder zu sehen“, sagt er. So gewaltig, dass er sich am nächsten Tag auf den Weg nach Berlin macht. „Als die ersten Mitbürger der DDR durch Mauer und Grenze drangen, gab es für mich kein Halten mehr.“

Gerhard Schaller setzte sich mit Malerin Hilde Bruns zusammen

Menschen tanzen und lachen auf der Mauer, fallen einander in die Arme und feiern gemeinsam. Doch es ist ein ganz anderer Augenblick, der Schaller bewegt und inspiriert: Personen, die von einem Lichtkegel eines westlichen Filmteams erfasst und deren Schatten meterhoch auf das Brandenburger Tor geworfen werden. „Diese schiere Größe der Menschen und des Augenblickes machten mir klar, was hier gerade Großes geschah. Für mich ist das Bild bis heute ein Symbol der Befreiung“, sagt Schaller. Er hat Kunst daraus gemacht.

Der 70-Jährige, 1949 in Halstenbek geboren und bis vor Kurzem Chef seiner eigenen Handwerksfirma, setzt sich im Jahr 2017 mit der Malerin Hilde Bruns aus Hamburg-Bergedorf zusammen, um das Motiv der Schatten auf dem Brandenburger Tor mit fotografischen Elementen zu modifizieren. So entsteht eine kleine Serie von drei Bildern in Acryl auf Leinwand. „Drei Schritte zur Freiheit“ lautet der Titel der Bilderserie. Zu sehen sind Menschen, die für ihre Freiheit demonstrieren, die Mauer durchdringen und schließlich beginnen, auf der Mauer zu tanzen. „Eine bloße Fotografie wäre diesem Thema nicht angemessen genug. Aus diesem Grund entschied ich mich, aus einer Fotografie gleich drei Bilder zu machen“, sagt Schaller.

Er arbeitet eng mit Bruns zusammen und tauscht sich regelmäßig mit ihr über neue Ideen und Konzepte aus. „Vieles war oft einfach nur für die Tonne. Aber so ist das eben, wenn man kreativ sein will“, sagt Schaller. Die Bilder sind zurzeit in der Sparkasse Elmshorn ausgestellt, können noch bis Mitte November angesehen werden. „Auch die Sparkassen wollen ihren Beitrag zum 30. Jahrestag des Mauerfalls leisten“, sagt Olaf Seiler, Pressesprecher der Sparkasse Elmshorn.

Schaller hat ein eigenes Buch herausgegeben

Neben den Bildern hat Schaller in diesem Jahr ein Buch mit dem Titel „Neunter November – Der Tag, an dem Menschen durch die Mauer gingen“ herausgegeben. In dem Werk berichten Menschen von ihren persönlichen Geschichten während ihrer Zeit in der DDR und wie sie den Mauerfall erlebt haben. „Die Menschen werden immer älter, und mir war es wichtig, deren Geschichten festzuhalten und die Euphorie über den Fall der Berliner Mauer zu konservieren“, sagt Schaller. Das Buch ist an der Information in der Sparkasse Elmshorn für einen Betrag von 20 Euro zu erwerben.

Gerhard Schaller wird nicht müde zu betonen, wie selbstverständlich es heute ist, dass Menschen vor dem Brandenburger Tor unbeschwert spazieren können. Und wie unmöglich es gewesen ist, damals, in den Jahren vor jenen Tagen, als die Menschen in Pinneberg für ihr Begrüßungsgeld anstanden oder auf der A 23 auf den ADAC warteten.

Ausstellung: bis 15.11., Sparkasse Elmshorn, Königstraße 21