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Kreis Pinneberg

Ein Wedeler ist der ewige Mahner von Brokdorf

Seit mehr als 30 Jahren organisiert der ehemalige Pastor Hans-Günter Werner die Mahnwache vor dem Kernkraftwerk.

Seit mehr als 30 Jahren organisiert der ehemalige Pastor Hans-Günter Werner die Mahnwache vor dem Kernkraftwerk.

Foto: Mirjam Rüscher / epd/Mirjam Rüscher

1986 schworen sie einander, jede Woche gegen Atomkraft zu demonstrieren. Nur Pastor Hans-Günter Werner hielt durch – bis heute 400-mal.

Brokdorf/Wedel.  Seit mehr als 30 Jahren organisiert Hans-Günter Werner (72) die Mahnwache vor dem Kernkraftwerk in Brokdorf. Am morgigen Mittwoch wird er zum 400. Mal gegen das AKW demonstrieren. Früher seien sie wie Terroristen behandelt worden, sagt der ehemalige Wedeler Pastor. Heute sei es ein Miteinander. Die Polizei kommt schon lange nicht mehr.

Es ist kurz vor 14 Uhr. Am großen Metalltor vor dem Atomkraftwerk Brokdorf hat sich eine kleine Gruppe von Menschen versammelt. Sie hängen bunte Banner auf, breiten eine Decke auf dem Boden aus, stellen darauf eine Kerze. Die Wachleute schauen ihnen gelassen zu. Sie kennen das schon. Einige der Demonstranten begrüßen sie wie alte Freunde.

Auch Hans-Günter Werner begrüßt seine Mitstreiter zur Mahnwache. Seit 33 Jahren kommt der Wedeler an jedem 6. eines Monats an diesen Ort, um ein Zeichen für die weltweite Abrüstung und für den Ausstieg aus der Atomenergie zu setzen. Morgen nun eben zum 400. Mal.

Der Ablauf ist immer der gleiche: Erst wird gesungen, meist zwei oder drei Lieder. Bei der anschließenden Vorstellungsrunde darf jeder sagen, was ihn gerade beschäftigt. Werner: „Auch wenn wir nur wenige sind, ist es wichtig, dass wir uns treffen.“ Gesungen werde aber erst ab drei Leuten, sagt er und lacht. Einen Monat vor dem Jubiläum sind Teilnehmer aus Brunsbüttel, Itzehoe, Elmshorn und Wedel sowie von der Basisgemeinde Wulfshagen dabei.

Die Mahnwache ist nicht nur Demonstration, sondern auch Andacht. Sie verstünden sich als Christen in der Nachfolge Jesu, so Werner. Er liest aus der Bergpredigt. Nach weiteren zwei Liedern macht sich die Gruppe auf den Weg vom Haupttor zum Gedenkstein.

Früher wurden sie von der Polizei weggetragen

Er wolle keine Feindschaft aufbauen, betont Werner. „Wir haben deutlich gemacht, dass wir nicht gegen die Leute hier kämpfen, sondern für das Leben.“ Anfangs seien die Demonstranten von der Polizei weggetragen und verhaftet worden.

Hans-Günter Werner gehörte zu den Pastoren, die die Mahnwache 1986 nach der AKW-Katastrophe in Tschernobyl ins Leben gerufen haben. Die Inbetriebnahme des AKW Brokdorf war für Oktober 1986 geplant, der Protest begann bereits am 6. August, dem Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Es seien ein paar Tausend Leute dabei gewesen. Werner: „Wir haben damals unterschrieben, so lange weiterzumachen, bis das Kraftwerk abgeschaltet ist. Ich bin der Einzige, der sich dran gehalten hat.“ Viele hätten früher den Protest unterstützt, auch die heutige Bischöfin Kirsten Fehrs sei dabei gewesen, erinnert sich Werner.

Er selbst sei schon immer politisch gewesen. Das habe ihm auch immer Ärger mit der Kirchenleitung eingebracht. Mittlerweile ist er schon seit 30 Jahren im Ruhestand. Als Pastor sei er damals für die Arbeitswelt zuständig gewesen, bis zum heutigen Tag kümmert er sich um Arbeitslose.

Am Gedenkstein angekommen, tritt die Gruppe im Halbkreis zusammen. Es wird der Toten und Kranken von Tschernobyl gedacht. Ein Gedicht wird vorgetragen, das Vaterunser gebetet und noch einmal gesungen. Die Elbe liegt den Demonstranten zu Füßen. Hinter ihnen ist die markante weiße Kuppel des Atomkraftwerks zu sehen. In zwei Jahren muss das AKW spätestens abgeschaltet werden. Bis dahin wird Hans-Günter Werner weiterhin hierher fahren, an jedem 6. eines Monats.