Pinneberg
Wedel

Ein Künstler, der die Welt begreifen möchte

Er arbeitet mit Schmelzwasser, Graphit und Ruß: Künstler Jens Rausch bei der Arbeit. Bald stellt er im Reepschlägerhaus in Wedel aus.

Er arbeitet mit Schmelzwasser, Graphit und Ruß: Künstler Jens Rausch bei der Arbeit. Bald stellt er im Reepschlägerhaus in Wedel aus.

Foto: Carina Jirsch

Der Hamburger Jens Rausch stellt seine Werke unter dem Titel „Feldforschung“ vom 21. November bis zum 5. Januar im Reepschlägerhaus in Wedel aus.

Wedel.  Jens Rausch erforscht in seiner Malerei das Wesen der Dinge: das Material, das experimentelle Spiel und den Versuch, damit die Welt zu begreifen. Das Reepschlägerhaus in Wedel zeigt vom 21. November an einen Querschnitt seiner bedeutendsten Werkserien. Die Ausstellung „Feldforschung“ ist bis zum 5. Januar 2020 zu sehen.

Seit vielen Jahren setzt sich Jens Rausch in seiner Kunst mit dem Wald auseinander. Angesichts brennender Wälder am Amazonas oder in Griechenland erhalten seine Arbeiten aktuell noch mehr Gewicht. Dabei sind Werkserien wie die der „Nachtschatten“ bereits 2016 entstanden. Durch Einsatz von Feuer beziehungsweise durch besondere Lichtsituationen inszeniert er einen nächtlichen Wald. Mit forschendem Spiel und subjektiven Erfahrungen von Sozialisationsmustern erzeugt der Künstler in seinen Werken Orte, die den Wald in neuem Licht erscheinen lassen.

In einer anderen Serie – den alchemistischen Mischwäldern – erweitert Jens Rausch diesen Ansatz: Aus Asche oder Ruß, gepaart mit diversen Oxiden, lässt er den Wald auferstehen oder erschafft abstrakte Lichtgebilde, die er „Waldabschnitte“ nennt. Seine Werkserie „Experimentierfelder“ erinnert an Bilder von Ernteausfällen aufgrund von Hitzewellen. Auch seine jüngste Serie „Bergen“ greift subtil das Thema Klimawandel auf: Hier lässt Jens Rausch mit Graphit, Kalk und Eisen, also Stoffen, die selbst einst Berg waren, neue Gebirge entstehen, um sie durch Aufschichtungen und Abtragungen erodieren zu lassen, zu wölben oder aufzufalten. Bei seinen Schmelzwasserarbeiten wiederum verwendet er alte Postkartenmotive als Vorlage und bringt die Motive mit Graphit und Schmelzwasser auf die Leinwand. Die Titel greifen die einst unbeschwert versendeten Grüße auf. „Wir genießen den letzten Schnee. Viele liebe Grüße!“ klingt heute seltsam ironisch.

Dabei zeigt der Künstler, der 1976 in Fulda geboren wurde und heute in Hamburg lebt, keine düsteren Aussichten. Sein Ansinnen ist kein ökopolitisches, sondern ein künstlerisch forschendes: Es geht Jens Rausch darum, die Welt durch das Material zu begreifen und sich selbst wie auch dem Betrachter neue Blickwinkel aufzuzeigen, die unter der Oberfläche der Erscheinungen verborgen liegen.

Rauschs Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt. 2015 wurde er für den Wesselinger Kunstpreis nominiert. Er nahm an „Artist inresidence“ Programmen in Island, Georgien sowie in der Schweiz teil.

Vernissage: Do 21.11., 19.30 Uhr, Laudatio: Kunsthistorikerin Anne Simone Krüger, Begrüßung: Anna Goldmund, Öffnungszeiten: Mi–So 9–18 Uhr, Schauenburgerstraße 4, in Wedel, freier Eintritt