Pinneberg
Uetersen

Neue Ausstellung: Das Geheimnis der „Pink Lady“

„Pink Lady“ über den Dächern Lissabons: Dieter Guttau hat genau das fotografiert, dann aber verfremdet.

„Pink Lady“ über den Dächern Lissabons: Dieter Guttau hat genau das fotografiert, dann aber verfremdet.

Foto: Dieter Gurrau / Dieter Guttau

Der Bokeler Künstler Dieter Guttau bietet ungewöhnliche Anblicke. Aber alle seine Werke basieren auf Fotografien, die er digital verfremdet.

Uetersen.  Seine Fotos sollen beim Betrachten zu Irritationen führen, ihm das Gefühl geben, Wirklichkeiten zu sehen, die man so wohl eher nicht kennt. Der Fotokünstler Dieter Guttau nennt das Ergebnis exciting views. Und das gelingt ihm ziemlich gut.

Da ist zum Beispiel die „Pink Lady“. Very exciting! Eher sparsam bekleidet ist sie, hat pinkfarbene Kopfhörer auf, lugt versonnen hinter Ziegeldächern hervor. Das Ergebnis erinnert an Pop Art, ist aber tatsächlich Fotografie. „Die Aufnahme ist in Lissabon entstanden, vom Elevador de Santa Justa aus“, erklärt Guttau. „Es war eine Plane, die auf einer Baustelle eine Hausfassade verhüllte – so groß, dass sie die umliegenden Gebäude überragt hat.“ Die Verfremdung hat der 68-Jährige am Computer vollzogen.

Guttau fotografiert seit den frühen 70er-Jahren

Vom morgigen Dienstag an sind die „Pink Lady“ und etliche weitere Werke des Künstlers bis Anfang 2020 im Uetersener Rathaus zu sehen. Guttau, pensionierter Lehrer für Deutsch und Erdkunde am Gymnasium der Beruflichen Schulen in Elmshorn, hat mehr als 40 Jahre in Uetersen gelebt. Inzwischen ist er seit 15 Jahren in Bokel zu Hause. „Angefangen hat es mit dem Fotografieren am Anfang der 70er-Jahre zu Beginn meines Geografiestudiums in Hamburg“, so Guttau. „Um meine Eindrücke in den verschiedensten Ländern festzuhalten, die ich zunächst als Student, später als Geografielehrer machte, verwendete ich zunächst eine Minolta-Spiegelreflexkamera, machte zuerst Dias, stieg später dann auf Papier um.“ Jahrzehntelang habe er sich dann „durch fremde Länder und Kulturen geknipst“, darunter vor allem Europa, aber auch Nord-, Mittel- und Südamerika, Nord- und Schwarzafrika sowie Asien.

Ab 2010 änderte sich dann vieles, als Guttau auf eine digitale Kompaktkamera umstieg und nach und nach die vielfältigen Möglichkeiten entdeckte, die mit der digitalen Fotografie verbunden sind. Er beschreibt das so: „Von der realistischen Treue des Unplugged-Fotos entwickelte ich mich fotografisch zur befremdlichen Wirklichkeit. Eine Irritation? Ja! Ein möglicher Widerspruch? Auch! Aber ich war zufrieden, überzeugt von dem, was ich tat. Vor dem Hintergrund der Kompaktheit der Kamera, der Makro- und Zoomfunktion sowie den Bearbeitungsmöglichkeiten am PC entstanden Fotos, die mich in fremde Welten zu führen schienen.“

Guttau verändert an seinen Fotos Licht, Kontrast, Farben und Schnitt, legt oft auch mehr oder weniger starke Filter über seine Aufnahmen, die dadurch manchmal surrealistische Züge bekommen. Besonders gern mag er einen sogenannten „digitalen Pinseln“, der Fotomotiven eine gleichförmige Ölgemälde-Oberfläche verleihe. Er verfremde seine Aufnahmen so, „dass aus dem Foto ein Bild entsteht“, hat Dieter Guttau vor ungefähr einem Jahr im Abendblatt-Gespräch erklärt. Seinerzeit stand eine mehrwöchige Bilderschau in der Rellinger Rathaus-Galerie unmittelbar bevor. Auch in Barmstedt und Schleswig hat der Bokeler Fotokünstler kürzlich schon ausgestellt.

Ausstellung: Di 5.11. bis Fr 10.1.2020, Foyer des Rathauses Uetersen, Wassermühlenstraße 7, Mo, Di, Do 8–12.30 Uhr, Do auch 14–18 Uhr, Fr 8–12 Uhr