Pinneberg
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Anneke Kim Sarnau mit Drosteipreis ausgezeichnet

Elke Schreiber, Erste Stellvertretende Kreispräsidentin, verleiht der Schauspielerin Anneke Kim Sarnau (r.) den Drosteipreis 2019.

Elke Schreiber, Erste Stellvertretende Kreispräsidentin, verleiht der Schauspielerin Anneke Kim Sarnau (r.) den Drosteipreis 2019.

Foto: Katja Engler

Die TV-Schauspielerin aus Klein Offenseth-Sparrieshoop erhielt den Hauptpreis. Der Förderpreis geht an denn Halstenbeker Geiger Pascal Stierl.

Pinneberg.  Die berühmte russische Komponistin Sofia Gubaidulina hat ihn bekommen, der Schauspieler Manfred Steffen und der international engagierte Bass Yorck Felix Speer, der diesmal eine der beiden Laudationes hielt: Am Sonntag ist in Anwesenheit von viel Lokalprominenz, Freunden und Wegbegleitern der Drosteipreis 2019 verliehen worden: Die Schauspielerin Anneke Kim Sarnau ist die Haupt-Preisträgerin, den Jugendförderpreis bekam der junge Halstenbeker Geiger Pascal Stierl.

Die liedhaft tänzerische Bach-Sonate, die Stierl am Anfang mit zeittypisch rauem Saitenklang lebendig macht, ist der passende Auftakt für eine gute Stunde voller kurzweiliger Reden und herzlichen Applaudierens. Später lässt er dann mit seinem Geiger-Freund Oybek Alimov im Duo den Schmelz des Fin de siècle und der dazu gehörigen Salonmusik in einem eher unbekannten Stück von Josef Suk hören. Der Drosteipreis diene nicht zuletzt dazu, auch in breiteren Bevölkerungsschichten das Interesse für Kunst und Kultur zu wecken, sagt die Erste stellvertretende Kreispräsidentin Elke Schreiber bei der Begrüßung. Die ausgezeichneten Künstler seien herausragende Botschafter aus dem Kreis.

Eine süße Kindheitserinnerung erweckt Stefanie Fricke, künstlerische Leiterin der Drostei, zum Leben. Sie ruft eines ihrer liebsten Bilderbücher in Erinnerung, um mit der darin enthaltenen Parabel auf die Essenz dessen aufmerksam zu machen, weshalb Menschen aus ihrer künstlerischen Neigung einen Beruf machen. Das kluge, einfach und treffend gezeichnete Kinderbuch „Frederick“ von Leo Lionni erzählt nämlich von einer Familie schwatzhafter Feldmäuse, deren Mitglieder unablässig Vorräte anhäufen oder anderweitig arbeiten. Bis auf einen. Frederick. Der träumt, sammelt Sonnenstrahlen, denkt über Worte nach und kriegt dafür ständig Ärger, weil die anderen ihn als Schmarotzer betrachten. Als dann die Winterkälte zubeißt und alle frieren und hungern, wärmt und erheitert Frederick sie mit seinen schönen Worten. Ein Dichter ist er. „Wie sähe ein Leben ohne jeden kulturellen Beitrag aus?“ fragt Stefanie Fricke, als sie geendet hat und ergänzt: „Wir müssen unseren Künstlern gemeinsam ein Umfeld schaffen, in dem sie arbeiten können.“

Beide Preisträger haben für ihren Erfolg und die neuerliche Auszeichnung hart gearbeitet, und beide kommen aus dem Kreis Pinneberg. Anneke Kim Sarnau wurde 1972 in Elmshorn geboren und wuchs in Klein Offenseth-Sparrieshoop auf, der gebürtige Hamburger Pascal Stierl (30) lebt in Halstenbek.

Sarnau wurde schnell bekannt. Noch während ihrer Schauspielausbildung in Stuttgart engagierte das Wiener Burgtheater sie, und von diesem Theater-Olymp stieg sie dann relativ schnell weiter, spielte nur noch wenig Theater und drehte umso mehr Filme. Neben Hannelore Elsner spielte sie in „Ende der Saison“ und bekam dafür den begehrten Adolf-Grimme-Preis, den sie dann, in Gold, gleich noch mal erhielt, weil sie neben Uwe Prahl in „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ brillierte.

Seit fast zehn Jahren spielen Charly Hübner und sie für den NDR das Ermittler-Duo Katrin König und Alexander Bukow in der TV-Reihe „Polizeiruf 110“. Zur Preisverleihung serviert Sarnau dem geneigten Publikum eine kleine Wortspielerei rund um den soeben erhaltenen „Pokal“, der in Wahrheit eine Urkunde ist, und reißt diese dann laut lachend in die Höhe.

Leiser und sanfter nimmt der Geiger Pascal Stierl die Auszeichnung entgegen. Er geht auf den Begriff der Wertschätzung ein und sagt: „Ich schätze den Preis und das Vertrauen sehr wert“. Dann nutzt er die Gelegenheit, seinem langjährigen Lehrer Christo Draganov (Geiger beim NDR Elbphilharmonie Orchester) und seiner Mutter, einer Lehrerin für traditionelle koranische Musik, die beide im Publikum sitzen, ausdrücklich zu danken für die Leidenschaft für die Musik, die sie in ihm entfacht haben.

Zwei Glücksfälle sind die beiden Laudatoren, die launige, intelligente Beiträge liefern: Der Bildhauer Jochen Hiltmann erzählt allerlei über den künstlerischen Werdegang Pascal Stierls, der mit fünf Jahren begann, Klavier und Geige zu spielen, und den seine Mutter allerlei Instrumenten hat ausprobieren lassen. Er erinnert sich daran, wie Stierl mit seinen beiden Brüdern sechshändig Klavier gespielt hat, und verrät, dass sein unaufgeräumtes Zimmer ein Sinnbild für das künstlerische Chaos sei, aus dem der junge Geiger seine Kreativität schöpfe.

Auch macht Hiltmann darauf aufmerksam, dass „die Provinzen die Habitate der Künstler“ seien, in denen „die feinen Dispositive in Gang gesetzt werden“, die ein Künstler brauche.

Der zweite Laudator war Preisträger von 2018. Yorck Felix Speer erntet wegen seiner vielen lustigen Geschichten noch mehr Lacher, lässt es aber auch an intelligenten Bemerkungen nicht fehlen.

In der Bismarckschule spielten sie gemeinsam Theater, Aristophanes oder Shakespeares „Sturm“, in dem Anneke Kim Sarnau den Prospero nicht nur spielte, sondern verkörperte. Dann erzählt Speer vom pannenreichen Paddelurlaub mit Freunden an der Loire und davon, wie die Noch-nicht-Schauspielerin ihren Häagen-Dazs-Gutschein mit sieben Freunden so ausschöpft, dass der Durchschnitt erst bei 18 Eiskugeln schlappmacht. Sechs Wochen, nachdem Anneke das Lehrerstudium begonnen habe, habe sie es wieder hingeschmissen, um die Fragen „Was will ich von meinem Leben, wofür brenne ich? Reicht mein Potenzial, Wunsch und Wirklichkeit in Deckung zu bringen?“ mit einer neuen Antwort zu versehen: Schauspielerin. Speer: Bei Sarnau „gibt es keinen Stau in der Ego-Gasse. Sie wertet auch in Nebenrollen die Leistungen der Hauptfiguren deutlich auf.“