Kreis Pinneberg

Wie die Polizei vor Einbrechern warnt

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Arne Kolarczyk
Carsten Wegner (l.) und Jörg Mangelmann, Präventionsberater der Polizei.

Carsten Wegner (l.) und Jörg Mangelmann, Präventionsberater der Polizei.

Foto: HA

Die Einbruchszahlen im Kreis Pinneberg sind rückläufig. Trotzdem mahnt die Polizei zur Obacht – und strukturiert sich um.

Kreis Pinneberg.  Ein Einbruch in die eigenen vier Wände ist für viele Menschen ein großer Schock. Der Kreis Pinneberg gilt landesweit wegen seiner Lage nahe Hamburg als Hochburg für Einbrecher. Die Polizei steuert gegen – mit einer veränderten internen Struktur und dem Tag des Einbruchschutzes an diesem Sonntag, der den Fokus stärker auf eine bessere Sicherung der Häuser und Wohnungen lenken soll.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres kam es laut Daten des Landespolizeiamtes zu 327 Einbrüchen im Kreis Pinneberg. Im selben Zeitraum des Vorjahres wurden noch 443 Taten registriert. Macht einen Rückgang von 26 Prozent. Allerdings handelt es sich nicht um Daten aus der offiziellen polizeilichen Kriminalstatistik, sondern um aktuelle Lagedaten.

Polizei erkennt positiven Trend

„Die aktuellen Zahlen lassen trotzdem einen positiven Trend erkennen“, sagt Sebastian Schodrowski, der Leiter der Kriminalpolizei in Pinneberg. Die Strukturveränderungen innerhalb der Polizei, zu denen auch die Einrichtung der Soko „Wohnung“ gehörte, „scheinen gegriffen zu haben und eine längerfristige Wirkung zu zeigen“, so der Kripo-Chef weiter. Die Polizei wolle diesen positiven Trend fortsetzen und sehe diesen Deliktbereich weiterhin als Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Dazu passend sei die interne Struktur nochmals geändert worden. Es gebe jetzt ein eigenes Sachgebiet für Wohnungseinbruchsdiebstähle, in das die 2017 gegründete Soko „Wohnung“ überführt worden sei. Schodrowski: „Das Sachgebiet besteht derzeit aus elf Beamten der Kriminalpolizei sowie sieben Beamten der Schutzpolizei, die zur Unterstützung der Ermittlungen aus unterschiedlichen Polizeirevieren kommen.“ Hinzu komme eine Angestellte.

Der Zuständigkeitsbereich erstrecke sich wie bisher auf die Kreise Pinneberg und Segeberg. „Die Zentralisierung der Ermittlungen hat dazu geführt, dass Tatzusammenhänge schneller erkannt und somit die Ermittlungsmaßnahmen koordinierter und zielgerichteter erfolgen konnten“, so der Kripo-Chef weiter. Kontakte zu anderen Dienststellen seien intensiviert worden, was ebenfalls bereits zu gemeinsamen Ermittlungserfolgen geführt habe.

2015 war das schlimmste Jahr

775 Einbrüche gab es 2018 kreisweit, dabei stieg die Aufklärungsquote der Polizei von 8,3 Prozent in 2017 auf 11,1 Prozent im vorigen Jahr an. Die Höchstwerte, was die Zahl der Einbrüche angeht, registrierte die Polizei in den Jahren 2015 (976 Fälle) und 2016 (950 Fälle). Einbruch-Schwerpunkte sind die Monate November, Dezember, Januar und Februar. In diesen vier Monaten ereignet sich meist mehr als die Hälfte der Einbruchstaten.

„Jeder Arbeitstag unserer Ermittler beginnt mit einer Lagebesprechung, in der sämtliche Taten im eigenen sowie in den angrenzenden Zuständigkeitsbereichen besprochen werden. Weiterhin werden die Ermittlungsfortschritte in den bereits laufenden Verfahren dargestellt“, erläutert Schodrowski. Die Kollegen würden mit den neuesten Ermittlungs- und Auswertungsmöglichkeiten arbeiten, aufwendige Observationen von möglichen Tätern seien nun dank der Zentralisierung aller Ermittler möglich.

Auf diese Weise sei es etwa gelungen, eine Tätergruppe zu überführen, die norddeutschlandweit unter wechselnder Beteiligung Wohnungseinbrüche verübte. Schodrowski: „Insgesamt konnten 22 Taten in Hamburg, Niedersachsen sowie dem südlichen Schleswig-Holstein aufgeklärt werden. Zwei Täter wurden zu Freiheitsstrafen ohne Bewährung verurteilt, ein Täter zu einer Freiheitsstrafe mit Bewährung. Die Ermittlungen in diesem Verfahren dauerten mehrere Monate und konnten nur durch die Bündelung der Kräfte erfolgreich zum Ende gebracht werden.“

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit rechnet der Kripo-Chef wieder verstärkt mit Einbrüchen. Er gehe aber davon aus, „dass sich die Erfolge der Soko ,Wohnung‘ rumgesprochen haben“ und die Kreise Pinneberg und Segeberg seltener als Tatorte ausgewählt werden.

Fenster nicht offen lassen

Um Einbrechern die Tatbegehung so schwer wie möglich zu machen, sollten sich die Eigentümer auf die Erdgeschossbereiche konzentrieren, rät Polizeihauptkommissar Jörg Mangelmann, einer von drei Präventionsexperten der Polizei für den Kreis Pinneberg. Fenster- sowie Türrahmen sollten unbedingt über Pilzkopfverriegelungen verfügen. Auch mehrfach verglaste Scheiben, weitere leicht nachrüstbare Verriegelungsmechanismen sowie eine spezielle Folie in der Scheibe böten mehr Sicherheit.

Mangelmann empfiehlt auch, Rollläden zu installieren und diese gerade in uneinsehbaren Bereichen beim Verlassen des Hauses zu verschließen. „Rollläden bieten einen guten Schutz, weil das Hochdrücken Kraft kostet und Lärm verursacht.“ Auch die sogenannte Smart-Home-Technik könne Einbrecher abschrecken. „Wer über ein WLAN verfügt, kann dort Überwachungskameras einbinden“, so der Experte. Die Bilder, die weltweit abrufbar seien, könnten einerseits dazu dienen, die Haus- und Wohnungseigentümer zu überzeugen, dass zu Hause alles in Ordnung ist. „Andererseits können sie uns im Falle eines Einbruchs helfen, die Täter zu ermitteln“, so Mangelmann. Den Ermittlern würden immer häufiger die Bilder aus privaten Überwachungskameras übergeben.

Es sollten Kameras gewählt werden, die eine Datenaufzeichnung auf eine Speicherkarte oder über eine Cloud ermöglichen. „Außerdem muss beachtet werden, dass die Kameras nur auf das eigene Grundstück gerichtet sind und nicht öffentliche Bereiche überwachen“, so der Hauptkommissar. Außerdem sollte per Schild auf die Existenz der Überwachung hingewiesen werden. „Allein das schreckt schon manche Täter ab“, so Mangelmann weiter.

Gerade Besitzern von älteren Häusern oder Wohnungen empfiehlt Mangelmann, sich über eine Nachrüstung Gedanken zu machen. Eine Beratung dazu bietet die Polizei nicht mehr an, diese Aufgabe übernehmen zertifizierte Privatunternehmen. Mitarbeiter der Firmen besuchen die Ratsuchenden, um eine Schwachstellenanalyse ihres Hauses oder ihrer Wohnung vorzunehmen. Die Erstberatung ist kostenlos.

Wer sich zu Umbauten entschließt, kann dafür unter bestimmten Bedingungen auch Bundes- oder Landeszuschüsse bekommen. Doch trotz aller möglichen Aufrüstung und dem Einsatz neuester Technik: Besonders wichtig ist laut Mangelmann eine intakte Nachbarschaft, in der einer auf den anderen und dessen Eigentum aufpasst und beim geringsten Verdacht unter 110 die Polizei ruft.

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