Die Igel-Oma von Halstenbek bekommt Hilfe

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Handschuhe sind ratsam: Ingeborg Bauermeister hält einen kleinen Igel. 79 Tiere päppelt die Rentnerin aus Halstenbek derzeit auf.

Handschuhe sind ratsam: Ingeborg Bauermeister hält einen kleinen Igel. 79 Tiere päppelt die Rentnerin aus Halstenbek derzeit auf.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

79 Tiere betreut Ingeborg Bauermeister in ihrem Wohnzimmer. Dank Spendern erhält sie ein Gartenhaus, das zur Aufzuchtstation wird.

Halstenbek. Ingeborg Bauermeister ist die Igel-Oma von Halstenbek. Seit 20 Jahren päppelt die Rentnerin die stachligen Gefährten auf und hilft ihnen so zu überleben. Doch jetzt brauchte die 82-Jährige selbst Hilfe – und hat sie dank des selbstlosen Einsatzes mehrerer Halstenbeker auch erhalten. Mithilfe eines gespendeten Gartenhauses, in das die Tiere in Kürze umziehen werden, erhält die 82-Jährige wieder ein Stück weit ihre Lebensqualität zurück.

Noch stehen in ihrem Wohnzimmer dicht gedrängt große Umzugskartons mit den jungen Tieren, die teilweise zu neunt in zwei verbundenen Kartons leben. „Wichtig ist nur, dass der Tisch, die Couch und meine beiden Sessel frei sind“, sagte Ingeborg Bauermeister, für die nur ein enger Weg durch die Kartonberge übrig bleibt. Eine Situation, die sich seit einigen Jahren jeden Herbst wiederholt. Allerdings nicht ganz so krass wie dieses Mal. „Früher standen die Kartons mit den Tieren im Keller, aber inzwischen komme ich die Stufen nicht mehr so leicht runter.“

Und die Treppe musste die Igel-Oma ziemlich häufig hoch und hinab. „Ich fange morgens um 7 Uhr mit Saubermachen an und bin um halb eins fertig. Punkt drei fange ich an zu Füttern, dann bin ich halb sieben mit allem fertig“, sagt sie. Die Tiere erhalten einen von ihr selbst kreierten Brei, bestehend aus Haselnusskrümeln, Haferflocken und Banane.

Die Kleinsten werden mit der Flasche gepäppelt

Alle Tiere, bis auf die Kleinsten. „Ich muss alle vier Stunden die Säuglinge füttern“, sagt die 82-Jährige. Zwei Tiere sind es derzeit, die von ihr mit der Flasche aufgezogen werden. Sie nutzt dafür Babynahrung. „Die sind so klein, die haben noch keine Zähne. Das hab ich noch nie erlebt im Oktober.“ Die Tiere seien in diesem Jahr sehr spät zur Welt gekommen – und es seien mehr als üblich bei ihr abgegeben worden.

Vor mehr als 20 Jahren hatte die Halstenbekerin selbst einen Igel gefunden. „Ich wollte wissen, wie ich dem Tier helfen kann, und habe so lange gesucht, bis ich auf eine Igelstation in Stellingen gestoßen bin.“ Dort bekam sie das nötige Know-how vermittelt – und auch die Liebe zu den Tieren. „Von der Igelstation habe ich dann fünf Babys zur Aufzucht erhalten und bin hängengeblieben.“ Wer bei der Halstenbekerin anruft, wird mit den Worten „Komitee für Igelschutz“ begrüßt – und erhält auf Anfrage viele Tipps.

Die Igel bekommt die gelernte Krankenschwester nicht nur aus der Nachbarschaft. Aus ganz Schleswig-Holstein und aus Hamburg sowie Cuxhaven werden Tiere zu ihr gebracht. 30 Exemplare habe sie in diesem Jahr schon ausgewildert. An diesem Wochenende hat die 82-Jährige drei Igel, die ein Gewicht von 500 Gramm erreicht haben, kurz vor dem Winter in die Freiheit entlassen. „Aber es werden auch ständig neue Tiere bei mir abgegeben.“ 79 Igel („Ich kenne jeden einzelnen davon“) betreut Ingeborg Bauermeister derzeit. Deutlich mehr als sonst – und dank der Aufbewahrung im Wohnzimmer eine sehr große Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Politikerin organisierte Hilfe

Das stellte auch Heidi Mayerhöfer, eine Bekannte der Igel-Oma, bei einem Besuch in dem Haus am Heideweg fest. „Ich habe mich daraufhin an die Gemeinde mit der Bitte um Hilfe gewandt“, so die Halstenbekerin. Sie landete bei Sigrid Kruse von den Grünen, der Vorsitzenden des Umweltausschusses. „Wir als Ausschuss konnten nicht helfen“, so die Kommunalpolitikerin.

Aber privat helfen konnte die Kommunalpolitikerin. Sie ging auf die Suche nach Spenden sowie Sponsoren – und wurde fündig. Letztlich stiftete der Hagebaumarkt Hass + Hatje in Rellingen ein Holz-Gartenhaus und übernahm auch kostenlos den Aufbau im Garten der Halstenbekerin. „Wir werden auch Familienkalender zugunsten der Igel-Oma verkaufen“, kündigt Michael Fust von Hass + Hatje an. Er rechnet mit einem Erlös von 500 Euro, der für Futtermittel verwendet werden könnte.

In das Gartenhaus sollen die Igel aus dem Wohnzimmer übersiedeln. Die nötigen Platten für das Fundament verlegte der Bauhof der Gemeinde. Gestiftet hat sie Heinz Grabert von der Nabu-Gruppe Schenefeld-Halstenbek. Er übernimmt auch die Kosten für die Regalbretter, die das Gartenhaus komplettieren werden – und kümmert sich um ihren Einbau vor Ort. „Das Gartenhaus kann ich gut erreichen und mich dort um die Igel kümmern“, freut sich Ingeborg Bauermeister.

Sie wird nun alles dafür tun, ihre Schützlinge heil und sicher durch den Winter zu bringen. Und wenn dieser Kraftakt überstanden ist und alle im Frühjahr in die weite Welt entlassen worden sind, dann braucht Halstenbeks Igel-Oma vor allem eins: Ruhe und Erholung. „Ich mache dann erst einmal Urlaub und werde nach Namibia reisen“, berichtet die 82-Jährige.

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