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Wedeler Elbcube: Baubeginn steht kurz bevor

Schönes Arbeiten unmittelbar an der Elbe: Büroraum im Inneren eines Elbcubes.

Schönes Arbeiten unmittelbar an der Elbe: Büroraum im Inneren eines Elbcubes.

Foto: liefländer / HA

Projekt im Wedeler Businesspark wird umgesetzt – infolge einer Einzelfallentscheidung. Es gibt keinen Bebauungsplan.

Wedel.  Durch die verglaste Fassade fällt der Blick nach draußen auf den Strom und weiter auf die Insel Neßsand. Gerade gleitet die „Queen Mary 2“ an der Fensterfront vorbei, doch die Menschen, die hinter den Scheiben in einem sehr nüchternen, sehr eleganten Großraumbüro sehr beschäftigt wirken, würdigen das Kreuzfahrtschiff keines Blickes. Wozu auch? Im Elbcubes-Ensemble im Wedeler Businesspark an der Grenze zu Hamburg sind derlei Anblicke schließlich etwas ganz Alltägliches.

Ein schöner Schein, ein Blick in die Zukunft, entworfen am Computer. Und doch der Realität nicht mehr ganz so fern wie noch vor Kurzem: Der Baubeginn des ersten Bürowürfels in jenem Gewerbegebiet, in das Wedel so große Erwartungen setzt, steht offenbar unmittelbar bevor. „Die Errichtung des ersten Elbcube-Gebäudes hat begonnen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus der Rolandstadt. Und zwischen den Zeilen schwingt Freude darüber mit, dass sich nach langer Hängepartie bald etwas tut.

Denn die Wirklichkeit im Businesspark ist zurzeit noch auf eine andere Weise als auf der Computerzeichnung nüchtern, wenn nicht ernüchternd: Endloses Nichts. Keine Menschenseele in Sicht. Kniehohes Unkraut zwischen den Gehwegplatten entlang der Ringstraße durch das 180.000-Quadratmeter-Areal. Ein Gitterzaun ringsherum. Betreten verboten!

Das hat seinen Grund. Nach der Klage eines Anwohners aus Hamburg-Rissen gegen die für den Businesspark angesetzten Lärmobergrenzen hatte das Oberverwaltungsgericht Schleswig in einem Eilverfahren den für das Gebiet aufgestellten Bebauungsplan 88 außer Kraft gesetzt – und Wedels Prestigeprojekt damit quasi gestoppt. Mehr als zweieinhalb Jahre ist das jetzt her.

Nun steht im äußersten Südwesten des Geländes seit Kurzem ein weißer Bürocontainer. Hier hat Armin Liefländer seine Zelte aufgeschlagen, der mit seiner Firma Umbauter Raum im Auftrag eines Investors als Projektplaner fungiert, um die insgesamt fünf Elbcubes bauen zu lassen. Es ist der Ort, an dem mit einigem Vorstellungsvermögen erste Erdbewegungen zu erkennen sind. Entstanden ist eine Art Rampe für Baufahrzeuge, die noch nicht da sind.

Liefländer spricht im Unterschied zur Stadtverwaltung noch nicht von einem offiziellen Baubeginn am Bürogebäude. Dafür bedürfe es erst einer sogenannten Baubeginnanzeige, einzureichen 14 Tage vor dem Start der Arbeiten. „Der Baubeginn wird noch in diesem Jahr sein“, sagt er. Realistisch erscheint ein Termin Mitte November. Dann wächst am Elbufer das größte der fünf geplanten Gebäude empor, sieben Stockwerke hoch, mit 2800 Quadratmeter Fläche. „Die sechs oberen Etagen sind komplett an verschiedene Firmen vergeben“, sagt der Projektplaner, „ins Parterre zieht Gastronomie ein, die wir suchen.“

Ferner gibt es seinen Worten zufolge schon einen Interessenten für ein komplettes der fünfgeschossigen Elbcube-Gebäude. Dort ist ein Baubeginn aber noch nicht absehbar. Denn das nach dem Schleswiger Richterspruch neu angestoßene Bebauungsplanverfahren läuft noch, für den Businesspark als Ganzes gibt es insofern nach wie vor kein Baurecht. Dass Elbcube Nummer eins nun dennoch in Kürze gebaut wird, liegt daran, dass es die Stadt nach Paragraf 35 Absatz 2 des Baugesetzbuchs als Einzelfall zulässt. Die entsprechende Baugenehmigung hat die Verwaltung bereits im April erteilt. „Das Genehmigungsverfahren ist mit großer Sorgfalt unter Beteiligung der zuständigen Behörden und Institutionen durchgeführt worden, gerade weil wir die berechtigten Interessen von Anwohnern und Naturschutz sowie mögliche Rechtsmittel Dritter im Blick behalten müssen“, sagt Bürgermeister Niels Schmidt. Die reine Möglichkeit, dass Baugenehmigungen beklagt werden können, sollte aber nicht dazu führen, „dass eine Kommune in Tatenlosigkeit erstarrt und wichtige Zukunftsprojekte schon im Vorfeld aufgibt“.

Jörg Amelung, Businesspark-Projektleiter im Rathaus, schätzt unterdessen die Möglichkeit als gering ein, dass dieses konkrete Projekt überhaupt noch juristisch torpediert werden kann: „Hier kann man nur gegen eine Baugenehmigung klagen“, erklärt er, „dafür muss man aber betroffen sein.“ Infrage käme nur Lärm. „Und das ist bei einem Bürogebäude schwer vorstellbar.“

Der Blick aus dem Büro nach draußen auf den Strom und weiter auf die Insel Neßsand – nach den Worten von Projektplaner Liefländer soll er in einem Jahr Realität sein.