Pinneberg
Wedel

Schiffsbegrüßungsanlage soll Schadstoff-Infos ansagen

Er wünscht sich nicht nur Lobgesang an der Schiffsbegrüßungsanlage, sondern dem Zeitgeist entsprechend auch kritische Töne zur Umweltbelastung: Manfred Fenn und sein Hund Louis

Er wünscht sich nicht nur Lobgesang an der Schiffsbegrüßungsanlage, sondern dem Zeitgeist entsprechend auch kritische Töne zur Umweltbelastung: Manfred Fenn und sein Hund Louis

Foto: Thomas Pöhlsen

Am Willkomm-Höft sollen künftig nicht nur Hymnen und technische Details aus den Lautsprechern kommen.

Wedel. Den Klimanotstand hat der Rat für die Stadt Wedel ausgerufen. Das findet Manfred Fenn richtig, denn er ist wie die Politiker der Meinung, dass die aktuellen Pläne und Maßnahmen der Bundesregierung nicht ausreichen, die Erderwärmung zu stoppen. Aufklärung ist geboten, steht für ihn fest und dabei hat er eine weltbekannte Institution im Sinn, die nach dem Zweiten Weltkrieg die neue Weltoffenheit der Deutschen spiegeln sollte: die Ansagen der Begrüßungskapitäne des Willkomm Höft.

Fenn meint, die üblichen Texte und Hymnen sollten in Zeiten des prognostizierten Klimawandels auch um kritische Details ergänzt werden. Neben den technischen Daten der Schiffe, die die Elbe bei Schulau passieren, müsste auch über die Schadstoffe aufgeklärt werden, die sie ausstoßen, schlägt Fenn vor.

„Das Augenmerk der Politik ist meiner Ansicht nach zu sehr auf den Straßenverkehr fixiert. Wesentlich mehr Kohlendioxid-Emissionen sowie Schwefeldioxid, Stickoxide und Feinstaub verursacht jedoch der Schiffverkehr“, sagt der Unternehmensberater im Ruhestand. Auf die Idee kam er bei langen Spaziergängen mit seinem Hund Louis an der Elbe. Der liebt das Wasser und deswegen sind die beiden häufig im Bereich Willkomm Höft sowie am Schulauer Fährhaus und dem Wedeler Hafen unterwegs.

Ein langgezogenes „Ooooh“ hört Fenn manchmal von anderen Spaziergängern, wenn der Mischling sein Geschäft verrichtet hat und er es anschließend mit einem schwarzen Tütchen einsammelt. Ein freudiges „Aaaaah“ hört er dagegen, wenn ein Kreuzfahrtschiff an der Wedeler Vorzeigepromenade an der Elbe vorbei schippert. „Das ist doch nachgewiesenermaßen das schmutzigste Gewerbe der Welt“, wundert sich engagierte Mann.

Der 67-Jährige fertigte ein Flugblatt mit Informationen zur Kreuzfahrtindustrie und verteilt es während seiner Spaziergänge. Er argumentiert in dem Flugblatt etwa, dass die 15 weltweit größten Schiffe pro Jahr mehr Schadstoffe ausstoßen als 750 Millionen Autos. Und er kritisiert, dass die Emissionen deutlich gesenkt werden könnten, wenn die Reeder bereit wären, modernste Technik einzubauen. Der Aktivist verweist auf Wissenschaftsartikel renommierter Zeitungen und Zeitschriften sowie auf Websites von Umweltschützern. Große Resonanz hat er bei den Spaziergängern allerdings noch nicht erzielen können, gibt der engagierte Mann zu.

Die Flugblattaktion hatte er bereits 2017 gestartet. Als ein Mensch, der auf den Protestzug der Greta Thunberg und der aktuellen Klimaprotestbewegung aufgesprungen ist, möchte er deswegen nicht wahrgenommen werden. Aus seiner Sympathie für die Fridays-for-future-Demonstrationen macht Fenn allerdings auch keinen Hehl.

Wedeler Rat soll sich mit der Idee auseinandersetzen

Es ist dem Holmer ein Grundbedürfnis, öffentlich seine Meinung zu sagen. Dabei ist er schon mehrfach angeeckt – ein Schicksal, das ihn wohl auch bei seiner neuesten Forderung nach einer Schadstoffinformation an der Schiffsbegrüßungsanlage ereilen wird. Dabei sind es lange Zeit nicht die Umweltthemen, die ihn bewegen. „Krieg ist immer Verbrechen“, umschreibt er seine pazifistische Grundeinstellung. Besonders der von der rot-grünen Bundesregierung beschlossene Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan regt ihn auf. „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte damals der SPD-Verteidigungsminister Peter Struck.

2007 startet Fenn deshalb eine Protestaktion vor der SPD-Landesgeschäftsstelle in Hamburg. Ein von ihm gestalteter Stolperstein für die Opfer des Krieges in Afghanistan wird versenkt. Außerdem hält der engagierte Kriegsgegner eine kurze Rede. Die Staatsanwaltschaft startet daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und der Durchführung einer nicht genehmigten Veranstaltung gegen ihn.

Seine Idee für die Schiffsbegrüßungsanlage hat Fenn in einem Brief formuliert und an den Rat der Stadt Wedel adressiert. Er möchte seine Gedanken als Vorschlag verstanden wissen, nicht als Forderung. Die Vorsitzenden der fünf Ratsfraktionen haben den Brief von ihm erhalten. Er hält es für erfolgversprechender, wenn die Stadt mit dieser Bitte an die Macher der Schiffsbegrüßungsanlage herantritt. Das Gespräch mit dem Betreiber des Schulauer Fährhauses oder mit den Begrüßungskapitänen hat er noch nicht gesucht.

Und was sagen die Begrüßungskapitäne zu der Idee, die sie umzusetzen hätten? Hartmut Hoffmann hält den Vorschlag aus ganz praktischen Gründen für unmöglich. „Wir haben 18.000 Schiffe in unserer Kartei, täglich kommen drei bis fünf hinzu“, erklärt er. Die Menge an neuen Daten könnte gar nicht in die Datei eingepflegt werden. Außerdem bezweifelt er, dass die Reedereien die nötigen Informationen liefern würden. Und die genannten Zahlen zum Schadstoffausstoß sind aus seiner Sicht sowieso nicht auf die Situation in Wedel übertragbar. „Auf der Elbe dürfen die Schiffe höchstens zehn Knoten fahren, stoßen wegen der niedrigeren Geschwindigkeit auch deutlich weniger Schadstoffe aus“, erklärt Hoffmann.

Kapitäne gehen jetzt schon auf den Treibstoff der Schiffe ein

Ganz ist die aktuelle Klimaschutzdiskussion an den Begrüßungskapitänen jedoch auch nicht vorbei gegangen. So wird von ihnen erwähnt, wenn ein mittels Flüssiggas angetriebenes Schiff Schulau passiert. Dieser Energieträger gilt als deutlich umweltfreundlicher, wird jedoch bisher nur bei wenigen Schiffen genutzt.

Im Hamburger Hafen gibt es keine Möglichkeit, Flüssiggas zu bunkern, erklärt der ehemalige Marineoffizier. Das erste Terminal an der Elbe soll in Brunsbüttel gebaut werden. Ein mit Flüssiggas betriebenes Fährschiff lässt die Reederei Cassen Eils zwischen Helgoland und Cuxhaven fahren. Die Fähre wird in Cuxhaven von einem Tankschiff aus mit Kraftstoff versorgt.