Pinneberg
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Mitarbeiterin veruntreut Einnahmen in Stadtbücherei

Die Stadtbücherei in Pinneberg (Symbolbild).

Die Stadtbücherei in Pinneberg (Symbolbild).

Foto: Katja Engler

Die Pinneberger Verwaltung bestätigt den Fall. Im Jahr 2018 fehlte ein fünfstelliger Betrag in der Kasse.

Pinneberg. In der Pinneberger Stadtbibliothek ist durch eine Mitarbeiterin über einen längeren Zeitraum Geld veruntreut worden. Nach Abendblatt-Informationen soll es sich um einen fünfstelligen Betrag handeln. Der Griff in die Kasse sei aus einer finanziellen Zwangslage der Angestellten heraus geschehen, heißt es aus dem Rathausumfeld. Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) hat den Vorgang bestätigt.

Nach der Abendblatt-Anfrage an die Verwaltung sah sich Steinberg zudem gezwungen, die Mitglieder des Hauptausschusses und die Ratsversammlung zu informieren: „Mit Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass es in der Stadtbücherei Unregelmäßigkeiten gegeben hat“, heißt es in ihrem Schreiben an die Politiker. Und weiter: „Wir sind dabei, alle Informationen zusammenzutragen und die Fakten entsprechend zu bewerten, um geeignete Maßnahmen abzuleiten und gegebenenfalls rechtliche Konsequenzen zu ziehen.“ Sobald die interne Prüfung abgeschlossen sei, wolle sie die Politik in geeigneter Weise über die Ergebnisse informieren. „Ich bitte Sie daher noch um etwas Geduld hinsichtlich der Details“, so die Bürgermeisterin.

Der Vorfall soll mehr als ein Jahr zurück liegen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, hat die betreffende Person sich seinerzeit selbst offenbart und arbeitet nicht mehr in der Bibliothek. Die Stelle ist wieder besetzt worden, die Ausschreibung erfolgte offenbar im August 2018.

Bei dem fehlenden Geld soll es sich um eine fünfstellige Summe handeln. Eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft ist nach Abendblatt-Informationen noch nicht gestellt worden. Dies soll möglicherweise später erfolgen, wenn die verwaltungsinterne Prüfung abgeschlossen ist. Möglich ist allerdings auch, dass die Ermittlungsbehörde nun von sich aus tätig wird, nach dem der Vorgang öffentlich geworden ist.

Die Rede ist von kleineren Summen über längere Zeit

Über die Bestätigung hinaus waren wegen des Datenschutzes keine weiteren Details aus der Verwaltung zu erfahren. Auch in der Politik der Stadt hatte bisher offenbar niemand Kenntnis von dem Fall. Auf welche Weise in der Bücherei eine fünfstellige Summe abgezweigt werden konnte – gerade vor dem Hintergrund, dass dort nicht viel Geld über den Tresen geht – ist ebenfalls unklar.

Nach Abendblatt-Informationen seien es aber kleinere Summen über längere Zeit gewesen, die sich die Mitarbeiterin verschaffte. Ob sie Geld aus der Kasse nahm und dies verschleierte oder Überweisungen umleitete, ist unbekannt.

Die Gebühren in der Pinneberger Stadtbücherei sind moderat. Erwachsene zahlen dort einen Jahresbeitrag von 20 Euro, Kinder ab 14 Jahren nur noch neun Euro jährlich, Familien 30 Euro. Ausleihen sind dann kostenlos, es fallen lediglich Verspätungszuschläge an.

Eine schriftliche Mahnung schlägt dabei mit 2,50 Euro zu Buche. 222.000 Entleihen von Medien – also Bücher, CDs, DVDs und Zeitschriften – wurden 2018 registriert. Dafür sorgten insbesondere die 5445 aktiven Leser der Hauptzielgruppe. Für sie wurden zuletzt neue Möbel angeschafft, die Beleuchtung erneuert und gemütliche Sitzsäcke für die Kinderbücherei bereitgestellt.

Eine Veruntreuung wird laut Paragraf 266 des Strafgesetzbuchs mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet. Bei der Höhe einer möglichen Strafe wird jedoch immer der konkrete Fall zugrunde gelegt. Sollte der Griff in die Kasse tatsächlich aus einer Zwangslage heraus geschehen und bereits eine Rückzahlung der veruntreuten Summe in die Wege geleitet worden sein, wäre auch eine Geldstrafe in geringer Höhe denkbar sei. Parallel dazu werden in der Regel arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen. Dies ist hier bereits erfolgt, da die betreffende Person ihr Arbeitsverhältnis mit der Stadt inzwischen beendet hat.

Wie man trotz Veruntreuung einer fünfstelligen Summe straffrei davonkommet, zeigt ein Fall aus der Pinneberger Vergangenheit. Bis 2010 veruntreute die Kassenwartin des Tierschutzvereins 63.000 Euro. Dies wurde nicht angezeigt, weil sich der Vorstand mit ihr auf eine Rückzahlung in Raten einigte. Erst 2016 stellte ein neues Vorstandsmitglied Strafanzeige. Zu diesem Zeitpunkt waren die Taten bereits verjährt, die Frist beträgt fünf Jahre. Auch der damals amtierende Vorstand wurde nicht belangt.