Pinneberg
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Warum Pinnebergs neuer Busbahnhof Löcher im Dach hat

Koch-Azubi Jack Barvels aus Hetlingen ruht sich auf der überdachten Bank von der Arbeit aus

Koch-Azubi Jack Barvels aus Hetlingen ruht sich auf der überdachten Bank von der Arbeit aus

Foto: Katja EngleR

Angesichts der Aussparungen über den Sitzinseln stellt sich die Frage: Fehlplanung oder Absicht? Das Abendblatt hat Passanten und Stadt gefragt

Pinneberg. Blitzende Glasdächer, schicke Beleuchtung, farbig umfasste Fahrplantafeln und bunte, umlaufende Streifenbänder in der Höhe: Der neue, kürzlich eröffnete Pinneberger Busbahnhof kann sich sehen lassen. Aber ist er auch funktional?

Im Regen soll am Fahlt-Saum jedenfalls niemand mehr stehen. Und dass die Wege von der Bahn weiter sind als vorher, wird von den Nutzern offenbar klaglos in Kauf genommen. Da gibt es nur ein bauliches Detail, das bei einigen Verwunderung auslöst: Über den hölzernen Sitzinseln, die jeweils einen oder zwei Ginkgobäume umgeben, sind Löcher im Dach der neuen Anlage, so dass nicht nur die Bäume oben herausragen, sondern die oft grauen Wolken ihren Regen auch direkt auf den Bänke abwerfen können. Die Sitzgelegenheiten triefen dann vom Wasser und sind nicht benutzbar. Gesessen werden kann dann nur auf den Bänken in den Windschutzkabinen. Ein Problem?

Noch fehlen am Busbahnhof die Aschenbecher

Eyad Isper, der in Syrien Lehrer war und zurzeit in Pinneberg eine Ausbildung zum kaufmännischen Büromanager macht, fährt nicht so oft mit dem Bus, aber der neue Busbahnhof gefällt ihm, und dass manche Bänke nass werden, findet er in Ordnung. Auch Judith Bley, Verkäuferin in einer Rellinger Weinhandlung, stört das überhaupt nicht: „Die Pinneberger sind Optimisten. Die hoffen auf schönes Wetter“, sagt sie lachend. Sie fährt täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, muss am Busbahnhof meist nur zehn Minuten warten. „Was hier aber fehlt, sind Aschenbecher“, stellt sie fest.

Das ist auch der Rentnerin Gisela Frank aufgefallen. Sie ist mit ihrem Mann unterwegs und kommt aus Ellerhoop. „Das sieht ja schon jetzt unmöglich aus mit all den Zigarettenkippen“, sagt sie. In der Tat liegen mindestens hundert auf dem Pflaster. Aber sonst gefällt Gisela Frank der neue Busbahnhof: „Ich finde es ganz gut, dass die hier ein paar Bäume und damit ein bisschen Grün angepflanzt haben. Fast die Hälfte der Bänke ist ja überdacht. Und im Sommer benutzt man die übrigen Bänke eben auch.“ Normalerweise, sagt die Ellerhooperin, müssten die Fahrgäste sowieso nicht lange auf Anschluss warten.

In der Sonne unter freiem Himmel zu warten - das hat was

Jack Barvels aus Hetlingen, der zur Zeit in Haseldorf eine Ausbildung als Koch macht, schaut auf die triefenden Bänke. So richtig durchdacht sei das wohl nicht, sagt er. „Aber andererseits: Wenn die Sonne scheint und man sich da hinsetzen kann, dann hat das ja auch was. Wenn man aber fertig ist nach einem langen Arbeitstag, dann möchte man sich schon ausruhen. Auch bei schlechtem Wetter.“

Lehrer Carsten Benthien hat den Kragen hochgeschlagen. Er findet den neuen Busbahnhof sehr ansprechend, „und unter dem Glasdach werde ich nicht nass. Es gibt mehr Komfort, das ist eine deutliche Verbesserung. Und durch die Auslassungen in der Decke wird es hier einfach heller. Im Sommer kann man da sicher schön sitzen.“

Stadtsprecherin Maren Uschkurat erklärt auf Anfrage, dass die Planer der Berliner Agentur Bahnstadt/Stationova sich erst im Laufe des kreativen Prozesses entschieden hatten, die Bäume nicht mit öden Betonmauern einzurahmen, sondern mit hölzernen Bänken: „So kann man da im Sommer auch sitzen, das ist also ein zusätzliches Angebot.“ Im Übrigen sei der Busbahnhof nicht als Aufenthaltsort gedacht, sondern vor allem zum kurzfristigen Umsteigen.