Pinneberg
Kurioses

Polizei muss Postbank in Pinneberg räumen

Am Sonnabend warteten viele Kunden im Schalterraum und im Vorraum der Postfiliale in Pinneberg, als diese plötzlich vorzeitig geschlossen werden sollte.

Am Sonnabend warteten viele Kunden im Schalterraum und im Vorraum der Postfiliale in Pinneberg, als diese plötzlich vorzeitig geschlossen werden sollte.

Foto: Michael Rauhe

Filiale an der Friedrich-Ebert-Allee sollte vorzeitig schließen, doch Kunden wollten nicht gehen. Dann mussten Polizisten anrücken.

Pinneberg.  Am Montag ist alles wie immer. Die Türen der Postfiliale an der Friedrich.-Ebert-Straße sind offen, vor den Schaltern warten Kunden. Nichts deutet mehr auf das hin, was sich am Sonnabendvormittag in den Räumen abgespielt hat. Da war bei der Post in Pinneberg alles anders. Die Kunden warteten vergeblich – und waren so verärgert, das letztlich die Polizei zur Räumung der Filiale gerufen werden musste.

„Ich wollte bei der Post einen Brief abgeben und noch Briefmarken kaufen“, erzählt Dieter Hoffmann. Um kurz nach 10 Uhr sei er dort angekommen, zweieinhalb Stunden vor dem Ende der regulären Öffnungszeit am Sonnabend. „Die Menschen standen schon am Ende des Vorraums Schlange“, so der Pinneberger. Und er sagt weiter: „Eine Schlange in dieser Länge habe ich noch nie bei der Post gesehen.“

Vor der Tür zum eigentlichen Schalterraum habe ein Mann gestanden, offenbar ein Postmitarbeiter. „Er sagte, es sei jetzt geschlossen. Dann kam noch eine Angestellte der Post und sagte uns, wir sollten am Montag wiederkommen.“ Er habe dann noch mehreren Kunden, die per Auto da waren, die Empfehlung gegeben, lieber die Partnerfiliale an der Saarlandstraße im Stadtteil Quellental aufzusuchen, weil diese deutlich zuverlässig geöffnet sei, so Hoffmann.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich David Scott schon im Schalterraum. „Dort warteten etwa zehn Personen, überwiegend ältere Leute, die einen Paketabholschein in der Hand hatten“, so der Pinneberger. Er selbst habe auch ein Paket abholen wollen. „Plötzlich sagte der Mitarbeiter am Schalter, dass er jetzt die letzte Kundin bedient hat. Er stellte ein Schild auf und war dann weg.“

Eine zweite Mitarbeiterin, laut Scott offenbar die Filialleiterin, habe dann die wartenden Kunden aufgefordert, die Filiale zu verlassen. Dem sei jedoch niemand nachgekommen. „Statt sich hinter den Schalter zu stellen und mit zu bedienen, hat die Frau das Diskutieren angefangen.“ Das habe sich dann hochgeschaukelt. „Dann sagte die Frau, sie habe die Polizei gerufen. Die würde in 10 bis 15 Minuten da sein.“

Die Beamten seien dann auch gekommen. „Die Mitarbeiterin hat den Polizisten gesagt, wir Kunden hätten uns aggressiv verhalten. Das stimmt nicht“, sagt der Pinneberger. Es sei diskutiert worden, mehr nicht. Die Beamten hätten dann das Hausrecht der Post durchgesetzt. „Die Leute sind letztlich auch freiwillig gegangen“, sagt Scott.

Der Pinneberger kritisiert, dass die Post seit Jahren in den Filialen der Stadt willkürlich ihre Öffnungszeiten ändere, weil nicht genügend Personal zur Verfügung stehe. „Wann kriegt man das endlich mal in den Griff“?

Laut Postbank hat sich die Situation schon verbessert

„Es ist besser geworden“, sagt Hartmut Schlegel, der bei der Postbank in Bonn für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Filiale in Pinneberg ist ein so genanntes Finanzcenter der Postbank, die dort die Verantwortung trägt und die Postleistungen mit anbietet. Postbank-Sprecher Schlegel bestätigt, dass es in der Vergangenheit immer wieder zu personellen Engpässen in Pinneberg gekommen ist und damit auch Öffnungszeiten ausgedünnt wurden.

Zuletzt sei dort meistens jedoch alles nach Plan verlaufen. Schlegel: „Wir setzen alles daran, Schließungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Personalausfälle können oft durch Maßnahmen in der Personalplanung aufgefangen werden.“ Dazu zählten der Einsatz von „Springern“ oder aushilfsweise durch Kollegen aus anderen Filialen. „Dies gelingt nicht immer, daher kann es in Einzelfällen auch zu längeren Wartezeiten für die Kunden oder einer temporären Schließung der Filiale kommen“, so der Postbanksprecher weiter.

Laut Schlegel müsse sein Unternehmen aus Sicherheitsgründen immer ein Vier-Augen-Prinzip im Bereich der Kasse sowie der Paketverwahrung gewährleisten können. Dies sei in Pinneberg jedoch am Sonnabend nicht mehr möglich gewesen, da sich ein Mitarbeiter während des Dienstes plötzlich unwohl gefühlt habe und nicht mehr arbeitsfähig gewesen sei. Aufgrund des unerwarteten Personalausfalls habe die Filiale vorzeitig geschlossen werden müssen.

Schlegel: „Das war für uns nicht voraussehbar und daher konnten wir es auch nicht vorher ankündigen. Wir möchten uns bei unseren Kunden für die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen.“ Der Postbanksprecher bestätigt auch, dass letztlich die Polizei in der Pinneberger Filiale schlichtend eingreifen und die Kunden zum Verlassen der Räumlichkeiten auffordern musste. Genauere Angaben dazu wolle er jedoch nicht machen. Erst vor ein paar Tagen erwirkten Mitarbeiter der Bank nach großflächigen Streiks bessere Arbeitsbedingungen (siehe Infotext). Der Pinneberger Einzelfall hatte damit aber offenbar nichts zu tun.