Pinneberg
Kreis Pinneberg

Anklage gegen Uetersener wegen Totschlag

Hinter dieser Tür in Uetersen hat sich die Beziehungstat ereignet. Die Wohnung war als Tatort von der Polizei versiegelt worden.

Hinter dieser Tür in Uetersen hat sich die Beziehungstat ereignet. Die Wohnung war als Tatort von der Polizei versiegelt worden.

Foto: Nico Binde / HA

Der 48 Jahre alte Mann soll am 8. Mai in einem Mehrfamilienhaus in Uetersen auf seine Ex-Frau eingeprügelt und diese schließlich erwürgt haben.

Uetersen.  Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat Anklage gegen einen Mann aus Uetersen erhoben. Dem 48-Jährigen wird vorgeworfen, am 8. Mai seine Ex-Frau (44) umgebracht zu haben. Tatort war die einstmals gemeinsame Wohnung der Eheleute am Tornescher Weg.

„Wir werfen dem Angeklagten vor, seine Ex-Frau erwürgt zu haben“, sagt Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Außerdem soll der 48-Jährige „vielfältige körperliche Gewalt gegen das Opfer ausgeübt“ haben, so Müller-Rakow weiter. Dennoch werte die Anklagebehörde das Tatgeschehen vom juristischen Standpunkt aus gesehen nicht als Mord. Müller-Rakow: „Die Anklage lautet auf Totschlag.“ Die mögliche Höchststrafe liege damit bei 15 Jahren Haft.

Das Verbrechen hatte in Uetersen Entsetzen ausgelöst. Nachbarn berichteten, dass es zwischen dem Ex-Paar immer wieder Streit gegeben habe. Warum am Abend des 8. Mai die Streitigkeiten dermaßen eskalierten, wird wohl erst vor Gericht offenbar. „Zum Motiv kann ich nichts sagen“, so der Oberstaatsanwalt. Er bestätigte aber, was andere Nachbarn berichtet hatten. Immer wieder soll bei den Auseinandersetzungen Alkohol im Spiel gewesen sein.

Angeklagter stand zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss

„Der Beschuldigte war zum Tatzeitpunkt alkoholisiert“, so Müller-Rakow weiter. Wie betrunken der 48-Jährige genau war, gibt der Anklagevertreter nicht preis. „Wir gehen aber von einer vollständigen Schuldfähigkeit des Angeklagten aus“, so Müller-Rakow weiter. Eine eingeschränkte Schuldfähigkeit in Folge übermäßigen Alkoholgenusses, die dann zu einer Strafmilderung führen würde, schließe die Staatsanwaltschaft aus.

Der Beschuldigte hatte direkt nach der Tat, gegen 19.30 Uhr, selbst die Polizei gerufen. Wenige Minuten später konnten die herbeigerufenen Beamten nur noch den Tod der leblos in der kleinen Wohnung liegenden Frau feststellen. Erste Hinweise deuteten schnell auf ein Gewaltverbrechen hin. Die Mordkommission der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe übernahm die Ermittlungen. Stundenlang stellten Spurensicherer in weißen Overalls die Wohnung auf den Kopf, um den Hergang rekonstruieren zu können.

Der 48-Jährige wurde von den ersten Polizeikräften noch am Tatort festgenommen. Nach dem Eintreffen der Polizei habe der Mann aufgelöst und stark angetrunken im Treppenhaus gekauert und gewirkt, als könne er nicht fassen, was er gerade getan hat, berichteten andere Nachbarn. Er wurde einen Tag später dem Haftrichter am Amtsgericht Itzehoe vorgeführt. Der erließ gegen den deutschen Staatsangehörigen, der auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion geboren worden ist, einen Haftbefehl wegen Totschlags. „Der Angeklagte sitzt weiterhin in Untersuchungshaft“, so der Oberstaatsanwalt weiter.

Die Anklage ist inzwischen bei der zuständigen Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe eingegangen. Das bestätigte Gerichtssprecher Nils Meppen auf Abendblatt-Anfrage. Laut seinen Angaben haben sich inzwischen auch die Töchter der Getöteten dem Verfahren als Nebenklägerinnen angeschlossen. „Es gibt bisher noch keine festgelegten Verhandlungstermine“, so der Gerichtssprecher weiter.

Prozessauftakt könnte Anfang November stattfinden

Er rechne jedoch mit einem Prozessauftakt Anfang November. Sollte die Kammer bis zum 8. November das Gerichtsverfahren nicht beginnen, müsste das Oberlandesgericht in Schleswig über die Fortdauer der Untersuchungshaft für den Angeklagten entscheiden. Laut dem Paragrafen 121 der Strafprozessordnung ist in Deutschland ein Vollzug der Untersuchungshaft wegen derselben Tat über einen Zeitraum von sechs Monaten hinaus nur in Ausnahmefällen möglich.