Pinneberg
Kreis Pinneberg

Heede stoppt den Ausbau des Schießstandes

Heedes Bürgermeister Reimer Offermann im Gemeinderat.

Heedes Bürgermeister Reimer Offermann im Gemeinderat.

Foto: Burkhard Fuchs

Der Gemeinderat in Heede erlässt einstimmig eine Veränderungssperre und erteilt den Bauanträgen der Kreisjägerschaft eine klare Absage.

Heede.  Der Heeder Gemeinderat hat einstimmig eine Veränderungssperre für das Gebiet des Schießstandes der Kreisjägerschaft in den Heeder Tannen erlassen. Sie gilt für zunächst zwei Jahre. Zudem versagt das politische Entscheidungsgremium des 730-Einwohner-Ortes das gemeindliche Einvernehmen für die Bauanträge der Kreisjägerschaft, den Schießstand auszubauen.

„Wir müssen als Gemeinde das Heft des Handelns in der Hand und vor allem die Planungshoheit behalten, um den Interessen der Bewohner und Nachbarn Luft zu verschaffen“, begründet Bürgermeister Reimer Offermann (Freie Wählergemeinschaft Heede) diese „weitreichenden“ Beschlüsse. Die Gemeinde habe sich bei einer Hamburger Anwaltskanzlei rechtlich beraten lassen, die ihr zu diesem Schritt geraten habe. „Es ist für uns entscheidend, dass wir rechtssicher handeln und dass auf dem Gelände des Schießplatzes zunächst nichts weiter entstehen kann und am Ist-Zustand des Schießstandes nichts verändert werden darf.“

Aus Sicht der Gemeinde Heede war Eile geboten. Denn sie war von der Kreisbauaufsicht aufgefordert worden, sich bis Anfang Oktober zu mehreren Bauanträgen der Kreisjägerschaft zu äußern. Die plant, ein Schießkino auf simulierte Ziele, einen Schulungsraum und mehrere Schießstände zu errichten. So war es auch in dem B-Plan-Entwurf vorgesehen, den ein Elmshorner Ingenieurbüro im Auftrag der Gemeinde für den Schießstand Heede eigens für die Erweiterung erstellt hatte. Diese Vorgehensweise sei vor zwei Jahren mit der Landesplanung so abgesprochen worden, sagt Offermann. Doch nun stellte die Kreisjägerschaft ihre Bauanträge nach den jetzigen Rechtsvorschriften. Die Gemeinde Heede sah dadurch ihre Einflussmöglichkeiten auf das Bauvorhaben schwinden. „Wie das Kaninchen vor der Schlange“ drohte die Gemeinde handlungsunfähig zu werden, beschreibt Offermann die Ausgangslage. Würde die Gemeinde sich nicht zu den Bauanträgen äußern, würde dies von der Kreisbauaufsicht wie eine Zustimmung gewertet. Und selbst wenn sie es ablehnte, würde womöglich das Bauvorhaben doch genehmigt werden.

Darum nun die Veränderungssperre, die Konsequenzen hat, wie Kreissprecher Oliver Carstens sagt. Zwar könne er sich zu konkreten Baugenehmigungsverfahren nicht äußern. „Ich kann aber bestätigen, dass den Kreis Pinneberg inzwischen die Information erreicht hat, dass die Gemeinde eine Veränderungssperre zum B-Plan beschlossen hat. Sobald die rechtswirksam wird, müssen alle laufenden Bauanträge im betroffenen Gebiet durch den Kreis Pinneberg versagt werden. Da haben wir keine Wahl.“ Zwar gebe es für den Schießplatz keinen gültigen B-Plan. Aber der bereits aufgestellte B-Plan, der bis Februar öffentlich auslag, habe inzwischen einen rechtlichen Stand erreicht, der eine Veränderungssperre zulässig mache.

„Wir wünschen uns ein vorhabenbezogenes, ordentliches B-Plan-Verfahren“, sagt Offermann. Dann würden die Einwände und Anregungen aller Beteiligten gehört werden können, wozu er neben den Anwohnern insbesondere die Nachbargemeinde Lutzhorn zählt, über deren Gebiet der Verkehr zum Schießplatz läuft. Es lägen bereits etliche Einwände gegen die Erweiterung vor, die vor allem den Verkehrslärm beträfen. Die gelte es abzuwägen.

„Selbstverständlich hat die Kreisjägerschaft Anspruch darauf, weiterhin hier Jäger auszubilden“, sagt Offermann. Das mache sie seit 1981 in Heede, und das erwarte er auch für die Zukunft. Doch die Gemeinde habe wenig Verständnis dafür, wenn Jäger-fremde Gruppen wie die Polizei oder auswärtige Freizeit-Besucher künftig den Schießplatz nutzen sollten. Die Jägerschaft wisse über diese Haltung Bescheid. „Ich habe der Kreisjägerschaft angeboten, erneut ins Gespräch zu kommen, wie es jetzt weitergehen soll“, sagt Offermann.

Gemeinde hat auch Fragen zur Tontaubenschießanlage

Aufklärung fordert der Heeder Gemeinderat zudem von den Kreis- und Landesbehörden darüber, ob bereits jetzt die Tontaubenschießanlage am Schießstand erweitert worden sei. So sei die Gemeinde aufgefordert worden, sich dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) gegenüber dazu zu äußern, wobei von einer Vermehrfachung des Schussaufkommens die Rede gewesen sei, erklärt Offermann. „Eine Erhöhung um zehn bis 20 Prozent ist ja nachvollziehbar, aber doch nicht um den Faktor sechs“, sagt der Bürgermeister. Er hat mit dem Amt Rantzau eine Stellungnahme für die Landesbehörde erstellt. Bei der Recherche im Internet sei er auf die dort veröffentlichte Einweihung eines „Olympia-Grabens“ zu Himmelfahrt am Schießplatz Heede gestoßen, wo sechs Schützen gleichzeitig auf Tontauben schießen könnten. „So würde sich der Faktor sechs erklären“, sagt Offermann. „Wir wollen jetzt wissen, ob und wer das genehmigt hat, und fordern einen Rückbau, sollte es nicht genehmigt sein.“

Ein Sprecher des LLUR sagt dazu auf Anfrage des Abendblatts: „Den Vorgang gibt es. Aber er ist zurzeit in rechtlicher Prüfung.“ Deshalb könne er im Moment keine Auskunft darüber geben.

Die Kreisjägerschaft teilt auf Nachfrage mit: „Der Tontauben-Schießstand wurde nicht erweitert. Seit jeher besitzt er vier Schießbereiche, aus denen heraus aber nur eine Person zur Zeit schießen kann. Es können sich zwar sechs Personen auf dem Stand aufhalten und warten – schießen dürfen sie allerdings nur nacheinander.“

Die KJS werde „mit der Gemeinde die Bauleitplanung weiter betreiben“, heißt es weiter. Sie wolle den Gemeinderatsbeschluss nicht kommentieren, halte aber ihre Bauanträge durch die „existierende F-Plan-Struktur gedeckt“, so die Kreisjägerschaft. Zudem seien darin Forderungen nach „verstärktem Schallschutz“ bereits berücksichtigt, indem zum Beispiel die alte, offene Kurzwaffenbahn durch eine eingehauste Anlage ersetzt werden solle, „wodurch Schallemissionen komplett vermieden werden könnten.“ Die 100-Meter-Anlage solle durch vier ebenfalls eingehauste 100-Meter-Bahnen erweitert werden. Auf die ursprünglich geplante 300-Meter-Anlage sollte verzichtet werden, da sie nicht durch die bestehenden Pläne gedeckt sei.