Pinneberg
Schenefeld

Kraftvolle Farben und sanfte Linienschwünge

Galeristin Anja Es (r.) eröffnete die Vernissage des Schenefelder Kunstkreises im Rathaus. Zu sehen sind Werke der Malerin Annette Brasch (l.).

Galeristin Anja Es (r.) eröffnete die Vernissage des Schenefelder Kunstkreises im Rathaus. Zu sehen sind Werke der Malerin Annette Brasch (l.).

Foto: Anne Dewitz

Künstlerin Annette Brasch stellt unter dem Titel „Denkende Hände“ in Schenefeld im Rathaus und in der Kunstkreis-Galerie im Stadtzentrum aus.

Schenefeld.  „Kunst ist wie die Liebe nicht unbedingt überlebenswichtig, aber ohne sie bleibt das Leben arm“: Mit diesen Worten hat die Galeristin Anja Es am Sonntagvormittag im Schenefelder Rathaus die Ausstellung „Denkende Hände“ eröffnet. Die Hamburger Künstlerin Annette Brasch zeigt einen Querschnitt ihrer zwei- und dreidimensionalen Arbeiten auf zwei Ausstellungsbühnen zugleich – im Rathaus und im Galerieraum im Stadtzentrum Schenefeld. Zu sehen sind insgesamt 70 Malereien und zehn Objekte und Skulpturen. Die Werke sind dort bis zum Sonnabend, 2. November, zu sehen. Obwohl Annette Brasch unter anderem Mitglied im Kunstverein Schenefeld ist, ist dies ihre erste Einzelausstellung in der Stadt.

Mit kraftvollen Farben und leisen Linienschwüngen bannt Annette Brasch Themen wie Natur, Identität und Familie sowie Gesellschaft auf Leinwand und Holz. „Bevorzugt benutze ich die Eitempera, also wasserverdünntes Eigelb als Bindemittel und ein Pigment, die ich oft mit zusätzlichem Dammarharz herstelle“, sagt die Künstlerin. Daneben favorisiert sie die Wachstempera. Sie geben den Bildern einen satinierten Glanz.

Brasch stellt ihre eigenen Farben her. „Das braucht Zeit, die ich nutze, um ins Bild zu finden.“ Sie schätzt die Qualität dieser Farben, die in alten Rezepturen niedergeschrieben und die alterungsbeständigsten Farben sind. Während Ölfarben im Malprozess fast genau so aussehen wie im getrockneten Zustand, ändert sich Tempera stark. „Nach dem Verdunsten des Wassers wirken die Farben kräftiger, magere Tempera erscheint pudrig, pastellig. Entsprechend meinem Thema wähle ich Eitempera, Wachstempera und Acryl als Untermalung“, erläutert sie. „Die Oberfläche meiner Bildträger werden geschichtet.“

Brasch malt mit Pinseln, ihren Hände und Gegenständen

Das heißt, sie trägt Schichten auf und ab und neue wieder auf – nach dem Vorbild von Mark Rothko. Dabei benutzt sie außer Pinseln ihre Hände, spitze und stumpfe Gegenstände. „Der stetige Wechsel von Kontrolle und Improvisation im Malprozess hält mich fest“, sagt sie. Ihre Kunst bewege sich auf den Schnittpunkten von Zeichnung und Malerei bis hin zur Dreidimensionalität im Wechsel konkreter und abstrakter Formen. Verschiedene Themen begleiten sie über Jahre, werden wieder aufgenommen, Ideen weiter gesponnen. So taucht auch Siegesgöttin Nike immer wieder in Braschs Arbeiten auf. Andere Bilder beschäftigen sich mit der Zeit, die niemand festhalten kann. Mit Wischtechniken wird aus Konkretem Verschwommenes.

Annette Brasch, geboren in Waltrop (Nordrhein-Westfalen), studierte zunächst Ästhetik und Kommunikation in Münster, später Malerei an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg sowie Kunst und Psychotherapie an der HIGW Hamburg. In den Jahren 1998 bis 2004 war sie jedes Jahr bis zu sechs Monate in Italien, um dort Steinbildhauerei zu lernen, unter anderem in den berühmten Marmorsteinbrüchen von Carrara. Sie bekam Lehraufträge in Malerei und Zeichnung an der internationalen Sommerakademie Italien und unterrichtete 2004 in den Vereinten Arabischen Emiraten. Wieder zurück in ihrer Wahlheimat, gründete sie die Kunstschule in einem ehemaligen Druckerhaus im Hamburger Stadtteil Eilbek. Dort gibt Annette Brasch Kunstseminare im eigenen Atelier, kooperiert mit Museen, Firmen und Bildungsinstituten.

Die Kunstmalerin gibt ihre Fachkenntnisse an Erfahrene und Einsteiger, Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiter. Für ihre Mal- und Kunstkurse hauptsächlich in Akt- und Porträtmalerei findet sie ungewöhnliche Orte im In- und Ausland – in Griechenland, München, Buchholz in der Nordheide und natürlich in Hamburg, in einer Gewächshausgalerie, im Steinbruch, auf dem Wasser, aber auch zwischen Wiesen und Wäldern.

Ausstellung: bis Sa 2.11., Rathaus Schenefeld, Holstenplatz 3-5, geöffnet Mo, Di, Do, Fr, Sa 15-17 Uhr, So 11-13 Uhr, Do auch 10-12 Uhr, Mi geschlossen, parallel zur Rathausausstellung in der Galerie im Stadtzentrum, freier Eintritt