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Was kann die neue Fluglärm-Chefin bewirken?

Die neue Vorsitzende der Fluglärmschutzkommission, Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder (Mitte) mit  der Fluglärmschutzbesauftragten Gudrun Pieroh-Joußen und dem stellvertretenden Vorsitzenden der Fluglärmschutzkommission, Gebhardt Kraft.

Die neue Vorsitzende der Fluglärmschutzkommission, Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder (Mitte) mit  der Fluglärmschutzbesauftragten Gudrun Pieroh-Joußen und dem stellvertretenden Vorsitzenden der Fluglärmschutzkommission, Gebhardt Kraft.

Foto: Stadt Norderstedt

Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder leitet jetzt die Kommission für Fluglärmschutz. Bürger im Umland hoffen auf weniger Lärm.

Quickborn/Norderstedt/Hasloh.  Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder ist zur neuen Vorsitzenden der Fluglärmschutzkommission (FLSK) des Hamburger Flughafens gewählt worden. Damit sitzt zum ersten Mal eine Vertreterin aus Schleswig-Holstein der FSLK vor. Bisher war dieses Amt ausschließlich dem Hamburger Bezirk Nord vorbehalten. Die Bürgermeister aus Quickborn und Hasloh, Thomas Köppl und Bernhard Brummund, die selbst dem Gremium angehören, begrüßen die Berufung ihrer Amtskollegin. „Das stärkt unsere Position ausgesprochen gut“, sagt Köppl. „Möge es ihr gelingen, dass sich insbesondere der nächtliche Fluglärm reduzieren lässt“, hofft Brummund auf Besserung für die vom Fluglärm geplagten Bewohner im Hamburger Umland.

Es sei ihr ein Anliegen, Norderstedt und seinen Nachbarn in der Fluglärmschutzkommission eine Stimme zu geben, „die möglichst gut gehört wird“, sagt Roeder. Im Sinne ihrer Amtskollegen wolle sie sich zunächst dafür einsetzen, dass die Nachtflugbeschränkungen eingehalten werden und nach 23 Uhr möglichst kein Flugzeug mehr startet oder landet. Allein das dürfte eine Herkules-Aufgabe sein. 2018 landeten 1174 Flieger nach dem eigentlichen Betriebsschluss um 23 Uhr in Fuhlsbüttel. Das waren fast doppelt so viele wie 2015.

Mit einer Verschärfung der Verspätungsregeln will Roeder dieser Entwicklung Einhalt gebieten. Im ersten Halbjahr scheint das bereits etwas gelungen zu sein. Nach 23 Uhr landeten nur noch 263 Flieger in Hamburg, in sechs Monaten so viele wie in sechs Wochen in den Sommermonaten von 2017 und 2018.

Der Flughafen führe regelmäßig Gespräche mit den Fluggesellschaften, um die Zahl der Verspätungen nach 23 Uhr weiter zu reduzieren. So hätten die Airlines im Sommerflugplan 2019 rund 38 Prozent weniger Starts und Landungen in der letzten halben Stunde der regulären Betriebszeit geplant, in der letzten Viertelstunde sogar rund 80 Prozent weniger.

Brummund geht das noch nicht weit genug. „Wir in Hasloh wünschen uns einen Betriebsschluss des Hamburger Flughafens um 22 Uhr. Doch das wollen die Hamburger leider nicht.“ Dies würde zu einer erheblichen Ausweitung der Nachtruhe führen. Wie die Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) ermittelt hat, waren es im Jahr 2018 zwischen 22 Uhr und 6 Uhr 8660 Starts und Landungen – ein neuer Negativ-Allzeitrekord und 68 Prozent mehr als 2011. Den Löwenanteil des Lärms müssen die Menschen in Norderstedt, Hasloh und Quickborn ertragen. Laut Angaben des Flughafens nutzten insgesamt 68.108 oder 43,5 Prozent aller ankommenden oder wegfliegenden Maschinen die nördliche Start und Landebahn. „Wir in Bönningstedt kriegen vom Fluglärm zum Glück nichts ab“, sagt Bürgermeister Rolf Lammert.

Zahl der Flüge wird bis 2035 im Norden erblich steigen

Die neue FLSK-Vorsitzende Roeder spricht von einem permanenten Spannungsfeld, in dem sich die Umlandgemeinden im Norden und der Flughafen befänden. „Zum einen profitieren gerade wir als Anlieger von der Nähe zum Flughafen Fuhlsbüttel, der ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber ist. Zum anderen müssen wir gleichzeitig unbedingt die von Fluglärm betroffenen Bürgerinnen und Bürger und deren Lebensqualität im Blick zu haben.“

Und darum könnten die Bürger in Quickborn, Hasloh und Norderstedt nun heilfroh sein, dass das Oberverwaltungsgericht die Klage zweier Hamburger Bürger aus Niendorf und Blankenese auf strikte Einhaltung der Bahnbenutzungsregeln abgewiesen hat, betont Quickborns Bürgermeister Köppl. Diese besagt, dass grundsätzlich alle Starts in Richtung Norden und zwischen 22 und 7 Uhr auch alle Landungen über die nördliche Landebahn zu erfolgen haben. Wäre das OVG dieser Klage gefolgt, würde sich der Fluglärm für die Schleswig-Holsteiner noch weiter verschlimmern.

Aber das werde er ohnehin tun, mutmaßt Bürgermeister Brummund aus Hasloh. So plane der Flughafen erhebliche Investitionen von mehr als einer halben Milliarde Euro in den nächsten Jahren. Die Zahl der dann abgefertigten Passagiere soll so nach Angaben des Flughafens von 17,2 Millionen Fluggästen in 2018 auf 26 Millionen im Jahr 2035 ansteigen. Die Zahl der Starts und Landungen von Linien- und Touristikfliegern am Hamburger Flughafen könnte so auf bis zu 192.000 Flugbewegungen ansteigen, das wären rund 50.000 mehr als im vergangenen Jahr. Umgerechnet auf die derzeitige Verteilungsquote von 43,5 Prozent würde sich der Zahl der Flüge im nördlichen Umland dann um mehr als ein Drittel erhöhen.