Pinneberg
Brande-Hörnerkirchen

Jessica Horn kommt auf Umwegen zum Traumjob

Berufsberaterin Vera Merz (v. l.) , Auszubildende Jessica Horn , pädagogische Mitarbeiterin Maria Drews

Berufsberaterin Vera Merz (v. l.) , Auszubildende Jessica Horn , pädagogische Mitarbeiterin Maria Drews

Foto: Gerold Melson / Agentur für Arbeit Elmshorn

So hat eine 19-Jährige aus Brande-Hörnerkirchen im dritten Anlauf den Ausbildungsplatz gefunden, der zu ihr passt: Anlagenmechanikern.

Brande-Hörnerkirchen.  Nicht immer verläuft ein Weg gradlinig, manchmal ist er auch kurvenreich, oder es tun sich überraschend Abzweigungen auf, die ihn zum Umweg werden lassen. Wenn am Ende trotzdem das Ziel in Reichweite erscheint, wird dennoch alles gut. Diese Erfahrung teilt auch Jessica Horn aus Brande-Hörnerkirchen, die sich auf dem Weg ins Berufsleben ein bisschen verlaufen hat. So etwas kommt vor, und dann hilft ein noch relativ unbekanntes Programm. Assistierte Ausbildung ist das Stichwort. „Kreisweit gibt es zwölf Plätze“, sagt Gerold Melson, Sprecher der Agentur für Arbeit in Elmshorn.

Die 19 Jahre alte Jessica Horn hat auf diese Art und Weise endlich ihren Traumberuf entdeckt: Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Mit der assistierten Ausbildung werden Jugendliche und Betriebe vor oder während der Ausbildung intensiv begleitet“, sagt Gerold Melson. Sowohl das Unternehmen als auch der Azubi erhalten Unterstützung – individuell an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst. „Ausbildungssuchende gibt es nicht von der Stange“, sagt Berufsberaterin Vera Merz von der Agentur für Arbeit Elmshorn. „Die assistierte Ausbildung hilft jungen Menschen, deren Ausbildung unsicher erscheint, und auch Betrieben, die mit Ausbildung in der Vergangenheit Pech hatten oder das erste Mal ausbilden.“

Jessica Horn wollte ursprünglich einen „Beruf mit Tieren oder Pflanzen“ ergreifen – der Traum vieler junger Mädchen. Als dann nach dem Hauptschulabschluss die Entscheidung zur Berufswahl anstand, entschied sie sich allerdings für eine Ausbildung zur Köchin – denn kochen machte ihr auch viel Spaß.

Plötzlich fasziniert von Vaters Fachkenntnissen

Doch der Alltag sah ganz anders aus als in ihren Vorstellungen, sodass sie den Lehrvertrag nach kurzer Zeit auflöste. Der jungen Frau fiel es schwer, neue Berufsideen zu finden. Schließlich versuchte sie, ihr ehrenamtliches Engagement bei der DLRG zum Beruf zu machen, absolvierte ein Praktikum als Fachangestellte für Bäderbetriebe. Und erkannte bald: Auch das passte nicht so richtig.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass sie mehr Unterstützung bei der Berufswahl und Ausbildungsplatzsuche brauchte – zu sprunghaft waren ihre Vorstellungen. Die Berufsberatung beauftragte die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Pinneberg mit der assistierten Ausbildung. Das Team unterstützte Jessica Horn bei der Suche nach der passenden Ausbildung, stellte die notwendige EDV und das Bewerbungsmaterial zur Verfügung, aber vor allem gaben die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr immer wieder den notwendigen Anschub.

Es gibt auch Hilfe beim Berufsschulunterricht

Die Initialzündung kam Jessica Horn, als ihr Vater das Haus zu sanieren begann. Daran mitzuarbeiten machte ihr Spaß, und sie war fasziniert von den Fachkenntnissen ihres Vaters. Wieso sollte sie es nicht in einem handwerklichen Beruf versuchen? Bewerbung, Vorstellungsgespräch, eine Woche überzeugendes Praktikum folgten. Die Firma Hoppaus Heizung & Sanitär GmbH in Elmshorn war so begeistert von ihr, dass sie kurzfristig eine zusätzliche Azubi-Stelle zum August vergangenen Jahres einrichtete. In diesen Tagen ist Jessica Horn in ihr zweites Lehrjahr als Anlagenmechanikerin für- Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gestartet.

Sie fühle sich wohl in ihrem Team, sagt sie, und versteht sich hervorragend mit den überwiegend männlichen Kollegen. Mit klaren Worten kann sie umgehen und sagt selbst, dass es gut gewesen sei, dass man ihr während der assistierten Ausbildung auch mal „Feuer unter dem Hintern“ gemacht hätte. Die Unterstützung durch die FAW und Berufsberatung läuft während ihrer gesamten Ausbildung weiter. Sollte es mal Probleme geben, steht das Team ihr zur Seite, auch Hilfe beim Berufsschulunterricht gibt es.

Wer Jessica Horn fragt, was sie später einmal machen will, sagt sie: „Erst einmal so viel wie möglich über die unterschiedlichen Bereiche lernen.“ Nach Abschluss der Ausbildung würde sie gern im Wartungsservice arbeiten. Ihr bringe die Wartung von Heizungsanlagen besonders viel Spaß, da könne sie anhand von Geräuschen Fehler suchen und Lösungen finden. „Ich will durch Wissen vorwärtskommen und nicht nur durch reine Muskelkraft.“

Kontakt:

Jugendliche und Eltern, die Interesse an dem Programm der assistierten Ausbildung haben, wenden sich am besten an ihren Berufsberater oder melden sich telefonisch unter der gebührenfreien Nummer 0800/455 55 00.

Betriebe finden beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit die richtigen Ansprechpartner. Er ist unter der ebenfalls gebührenfreien Nummer 0800/455 55 20 zu erreichen.