Pinneberg
Kreis Pinneberg

Ministerium rät Schulen zu Asbest-Kontrollen

Der Präzedenzfall: Das Schulzentrum Mühlenredder in Reinbek (Kreis Stormarn) wird zurzeit aufwendig vom Asbest befreit.

Der Präzedenzfall: Das Schulzentrum Mühlenredder in Reinbek (Kreis Stormarn) wird zurzeit aufwendig vom Asbest befreit.

Foto: René Soukup

Kasseler Modell kommt auf den Prüfstand. Im Kreis Pinneberg sind mindestens sechs Bauten nach diesem Standard errichtet worden. Was das bedeutet.

Kreis Pinneberg.  Wie viel Asbest steckt in den Schulen des Kreise, belastet dort womöglich die Luft und gefährdet dadurch die Gesundheit von Schülern wie Lehrern? Das herauszufinden hat sich nun das Innenministerium als oberste Bauaufsichtsbehörde in Schleswig-Holstein auf die Fahnen geschrieben. Deshalb bekommen die Schulträger landauf, landab nun Post aus Kiel. Inhalt: die Empfehlung, Schulgebäude eines bestimmten Typus’ zu überprüfen, und ein paar Hinweise, wie das am besten funktioniert.

Betroffen sind vor allem die von Ende der 60er- bis Anfang der 80er-Jahre nach dem sogenannten Kasseler Modell gebauten Schulen – Häuser, bei deren Bau dereinst vor allem eines zählte, nämlich Geschwindigkeit. Sie sind nach einem Baukastensystem zusammengesetzt. Die Wandelemente bestehen aus zwei Asbestzementplatten, die beidseitig auf einen Styroporkern geklebt sind und in einer Aluminiumkonstruktion ähnlich wie in einem Fensterrahmen gehalten werden. Im Schulzentrum Reinbek (Kreis Stormarn), das Mitte der 70er-Jahre nach diesem Verfahren gebaut worden war, wurden im Herbst vergangenen Jahres Asbestfasern in der Raumluft nachgewiesen. Das führte am 4. Dezember zur Schließung der Schule.

Viele Schulen sind schon saniert worden

Im Kreis Pinneberg gibt es nach den Worten von Kreissprecher Oliver Carstens mindestens sechs Schulen, bei denen sich eine Überprüfung anböte. Im Bauamt der Kreisverwaltung bekannt sind die Klaus-Groth-Schule in Tornesch, das Förderzentrum Birkenallee in Uetersen, die Elsa-Brändström-Schule in Elmshorn, die Goetheschule in Quickborn und die Himmelsbargschule in Moorrege. Carstens schließt aber nicht aus, dass noch weitere Bauten existieren, die nun zu ermitteln seien.

Und das ist insofern nicht leicht, da das Kasseler Modell eben ein Bauverfahren, aber keinen Architekturstil beschreibt. Das heißt: Ein Kasseler Modell ist von außen nicht unbedingt sofort als solches zu erkennen. Ebensowenig sei dem Kreis bekannt, ob die genannten Bauwerke in der Vergangenheit womöglich schon saniert worden seien, so Carstens. In vielen Bauten sind die asbesthaltigen Platten bereits durch neue, besser dämmende ersetzt worden. Das Innenministerium empfiehlt den Schulträgern, solche Fragen nun zu klären.

Wobei auch der Umstand allein, dass eine Schule nach dem Kasseler Modell gebaut und noch nicht saniert worden ist, nicht automatisch eine Gesundheitsgefährdung bedeutet. „Nach dem Stand von Wissenschaft und Technik kann festgebundenes Asbest nicht ohne mechanische Belastung zu einer Faserfreisetzung in die Raumluft führen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Innenministerium. Das habe auch das mittlerweile vorliegende Gutachten zum Fall Reinbek noch einmal bestätigt: „Die Gutachter haben festgestellt, dass in Reinbek eine Verkettung zweier außergewöhnlicher Umstände zu der Freisetzung in einem Gebäudeabschnitt geführt hat.“ Und weiter: „In dem belasteten Gebäudeteil haben sich die Klebeverbindungen über die Jahre aufgelöst. Das führte dazu, dass bei Wind die einzelnen Schichten der instabil gewordenen Platten unbemerkt aneinander und an der Rahmenkonstruktion rieben. Diese Reibung hat Asbestfasern gelöst, die zunächst in der Rahmenkonstruktion heruntergerieselt sind. In den Bereichen mit erhöhter Faserbelastung in der Raumluft war darüber hinaus auch die erforderliche Dichtung nicht vorhanden. Dadurch konnten die durch Reibung gelösten Fasern in die Raumluft gelangen.“ Jedes der Phänomene für sich genommen hätte nicht zu einer Erhöhung der gesundheitsgefährdenden Faserkonzentration in der Raumluft geführt.

Insofern rät das Innenministerium nun dazu, kurzfristig alle Asbestzementplatten auf sichtbare Beschädigungen hin zu überprüfen und auch die Dichtungen an den Innenseiten der Wände zu kontrollieren.