Kreis Pinneberg

Fotografie in Elmshorn – Wenn sich der Kreis schließt

Inken Meyn steht vor ihrem Werk ohne Titel. Ein Hemd verbindet zwei Farbfotografien von großformatigen Fotogrammen von 1990.

Inken Meyn steht vor ihrem Werk ohne Titel. Ein Hemd verbindet zwei Farbfotografien von großformatigen Fotogrammen von 1990.

Foto: Anne Dewitz

Die Fotografin und Installationskünstlerin Inken Meyn stellt im Torhaus in Elmshorn unter dem Titel „Mensch und Raum“ 44 Fotografien aus.

Elmshorn.  Die ersten Fotos schoß sie mit einer Minolta XG2. „Die Spiegelreflexkamera war ein Geschenk meiner Eltern“, sagt die gebürtige Elmshornerin Inken Meyn. Damals ist sie 15 Jahre alt und Schülerin der heutigen Erich Kästner Gemeinschaftsschule. Sie schlendert über den Buttermarkt, hält das Treiben auf dem Wochenmarkt in einer Serie mit 20 Schwarz-Weiß-Aufnahmen fest.

Drei Jahre später, 1981, fesselt ein anderes Objekt ihre Aufmerksamkeit – das Geburtshaus ihres Vaters Karl-Wilhelm Meyn in der Königstraße 57. Vielen Elmshornern ist die Adresse als Reformhaus Meyn bekannt. Inken Meyn klettert auf dem Dach umher, fotografiert die Räume innen und außen. „Meine Großmutter Elly Meyn lebte damals noch über dem Geschäft“, sagt die 57-Jährige. Es entstehen 33 Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Die hat Inken Meyn für die aktuelle Ausstellung im Torhaus teilweise neu arrangiert und digital bearbeitet. Unter dem Titel „Mensch und Raum – Arbeiten mit Fotografie“ zeigt der Kunstverein Elmshorn von diesem Sonntag bis Sonntag, 13. Oktober, Arbeiten aus drei Schaffensphasen aus ihrer Zeit in Elmshorn, Wuppertal und dem baden-württembergischen Bietigheim-Bissingen.

Fast 170 Jahre gab es die Firma Meyn in Elmshorn. Zuerst war es eine Grützmühle, später wurde dann ein Brauhaus mit einem großen Destillierapparat zur Spirituosengewinnung errichtet. Außerdem wurde Essig hergestellt. Der Platz des heutigen Reformhauses war früher eine mit Steinen gepflasterte Diele, über die beladene Fuhrwerke rollten. In dem schmalen, umbauten Hof war der Roßgang, mit dem die Grützmühle betrieben wurde. Durch den starken Konkurrenzdruck und den Preisverfall auf dem Spirituosenmarkt konnte das Geschäft nicht mehr weitergeführt werden. Karl Wilhelm Meyn und und seine Frau Lore beschlossen, die Weinhandlung und den Ausschank aufzugeben und sich neu zu orientieren. Durch ihre naturverbundene Lebensart lag es nahe, 1971 ein Reformhaus zu eröffnen.

1984 wurde das Reformhaus zunächst von Günter und Karin Wilding übernommen und ausgebaut. 2003 übernahm Schwiegersohn Karlheinz Wilding das „Meyn Reformhaus in der Königstraße“. Zum Ende des Jahres muss das Geschäft weichen. „Wir haben das Haus an der Königstraße 57 nach dem Tod meiner Mutter vor einem Jahr verkauft“, sagt Inken Meyn. Der Käufer hat eigene Pläne mit dem Haus. Für sie ist die Ausstellung auch Abschluss einer Ära. Vom Fenster des Torhauses blickt sie auf eine weiße Ecke des Hauses, das so eng mit ihrer Familiengeschichte verbunden ist. Auf der anderen Seite des Torhauses liegt der Buttermarkt. „Der Kreis schließt sich für mich an dieser Stelle.“

Inken Meyn studierte Kunstgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, war Gasthörerin an der Muthesiusschule und absolvierte von 1984 bis 1991 ein Kommunikationsdesign-Studium an der Bergischen Universität in Wuppertal. Von 1990 bis 1996 hatte Inken Meyn im Raum Wuppertal eine Reihe von Ausstellungen mit der Künstlergruppe „Klandestin“. 1997 zog sie nach Bietigheim-Bissingen, wo sie heute noch wohnt und an ihren Fotomontagen arbeitet. So hat sie 17 Fotomontagen geschaffen – Menschen mit Tierköpfen auf farbigen Tafeln. Die Mischwesen erinnern an ägyptische Kunst, mit der sich Meyn schon 1992/93 in der Rauminstallation Ägypter auseinandergesetzt hat. Ihre „Tierutopien für Bietigheim-Bissingen“ waren zunächst großformatig für den städtischen Raum geplant und nun auf Postkarten gedruckt. In einer anderen Arbeit setzt Meyn Nordseefotos – auf Föhr macht sie gern Urlaub – in Beziehung zu Erschaffungsbildern des Meister Bertram. Eine neuere Arbeit heißt Teilung der Wolken, eine Montage aus Farbfotos und Zeichnungen.

Insgesamt werden 44 einzelne Fotografien zu sehen sein und drei Objekte. Darunter natürlich: Innen- und Außenansichten der Königstraße 57.

Ausstellungseröffnung: So 22.9, 11 Uhr, Ausstellungsdauer: So 22.9.–So 13.10., geöffnet Di–Fr 10–12 Uhr und 16–18 Uhr, Sa und So 11–13 Uhr, Mo geschlossen, Probstendamm, Eintritt frei