Pinneberg
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Nach Morddrohung – Erntedank-Chef gibt sein Amt auf

Der Umzug zum Erntedankfest in Waldenau-Datum ist allseits beliebt. Die Organisatoren erhielten nach dem letzten Mal allerdings Drohbriefe wegen der Zeltdico am Vorabend. Anne Dewitz

Der Umzug zum Erntedankfest in Waldenau-Datum ist allseits beliebt. Die Organisatoren erhielten nach dem letzten Mal allerdings Drohbriefe wegen der Zeltdico am Vorabend. Anne Dewitz

Foto: HA

Die Organisatoren erhielten Drohbriefe. Polizei ermittelte, stellte das Verfahren aber ein. Jetzt zieht Volker Brammer Konsequenzen.

Pinneberg. Das Jahr hat Spuren hinterlassen. Der psychische Druck war enorm. Nun zieht Volker Brammer die Konsequenzen. Der Cheforganisator des Pinneberger Erntedankfestes in Waldenau-Datum hört auf. Grund sind Morddrohungen, die Brammer und zwei weitere Organisatoren erhalten haben. Seinen Entschluss verkündete der 62-Jährige bei der Vorstellung des diesjährigen Programms zum Erntedank (Text rechts): „Ich werde meinen Posten als Cheforganisator abgeben, 2020 ist Schluss“.

In den anonym verfassten Drohbriefen beschwert sich der Autor vor allem über die Lärmbelästigung durch die Zeltdisco am Vortag des Umzugs. Neben Brammer erhielten auch Jürgen Hilbers, Vorsitzender des Bürgervereins Waldenau-Datum, sowie DJ Mandrake, der bei der Zeltdisco auflegte, die „Ankündigung“.

„Faire Ankündigung Ihres garantierten Ablebens“

Denn der Verfasser schreibt: „Ist dies eine Morddrohung? Nein, keinesfalls. Dies ist eine faire Ankündigung Ihres garantierten Ablebens, sofern Sie erneut meinen, aus dieser Umgebung ein nächtlich donnerndes Berlin-Kreuzberg machen zu müssen.“ Und weiter: „Wir verfügen über zwei höchst geeignete, nicht mehr registrierte Waffen für Ferndistanzen. Und wir werden hiervon in fast lautloser, aber sehr wirksamer Weise Ihnen gegenüber Gebrauch machen.“

Brammer hielt das zunächst für einen miesen Scherz: „Ich dachte, so etwas passiert nur im Fernsehen, ich bin hier aufgewachsen und kenne jeden“. Deswegen habe er auch keinen konkreten Verdacht. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft liefen ebenfalls ins Leere, wie die Polizei auf Abendblatt-Anfrage bestätigt: „Nach dem Erntedankfest im vergangenen Jahr wurden drei Anzeigen erstattet und die dazugehörigen Schreiben als Beweismittel gesichert“, sagt eine Sprecherin.

Die darin formulierten Drohungen seien von den Ermittlern als „ernstzunehmend“ eingestuft worden. Kriminaltechnisch untersucht wurden die Briefe nicht. Ein politischer Hintergrund wird auch nicht vermutet, vielmehr richtete sich der Verdacht auf die Nachbarschaft des Festes. Im April wurde das Verfahren allerdings von der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil auch nach Befragungen kein Täter ermittelt werden konnte. „Sollten sich neue Ermittlungsansätze ergeben oder neue Drohbriefe eingehen, wird das Verfahren wieder aufgenommen“, sagt die Polizei-Sprecherin. Mehr sei im Moment nicht möglich.

„Ich habe Angst, was als nächstes kommt.“

Für Volker Brammer ist es wiederum unmöglich, weiterzumachen wie bisher. Das Ehrenamt sei etwas Tolles. „Aber jetzt ist eine Linie überschritten, und ich habe Angst, was als Nächstes kommt. Mit der Entscheidung, im kommenden Jahr aufzuhören, schütze ich mich und meine Familie.“ Seit der Morddrohung ist er wegen Angstzuständen krankgeschrieben. Mit der Morddrohung brach eine Welt für ihn zusammen.

Seit 1985 hilft er bei der Vorbereitung des Erntedankfests mit, seit 2009 als ehrenamtlicher Cheforganisator. „In den vorherigen Jahren hatte ich noch nie etwas Derartiges erlebt“, sagt der 62-Jährige. Zumal es um eine vermeintliche Lappalie wie Ruhestörung geht. Laut Brammer kann man sich während der Feier „im Zelt unterhalten, bei ungünstigem Wind kann man die Musik aber auch mal in Thesdorf oder Schenefeld hören“. Trotzdem seien vorbeifahrende Autos lauter, das hätten Messungen belegt.

Nachfolger ist schon gefunden

Die Planungen für dieses Erntedankfest seien abgeschlossen, das nächste Jahr schon in Arbeit. „Das führe ich auch noch zu Ende“, sagt Brammer auf die Frage, warum er nach der Morddrohung noch zwei weitere Feste organisiert. Er könne seinem Nachfolger nicht eine problematische Situation hinterlassen, da sehe er sich in der Verantwortung. Der Nachfolger steht auch schon fest: Vom kommenden Jahr an wird Daniel Ramcke übernehmen. Ein Mann aus dem Dorf, der das Erntedankfest von klein auf kennt. Bis dahin ist Brammer „gespannt“, ob ihn nach dem diesjährigen Erntedankfest eine weitere Morddrohung erwartet.