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Tierfilmer aus Wedel dreht im Reich der Bären

Tierfilmer Hartmut Thierfelder

Tierfilmer Hartmut Thierfelder

Foto: Michael Althaus

Hartmut Thierfelder hat auf der russischen Halbinsel Kamtschatka Bilder für seinen neuen Film eingefangen. Wo der bald zu sehen ist.

Wedel.  Er hat schon unter einem Elefanten gelegen, hat zugesehen, wie ein Löwe ein Gnu vor seinen Augen gerissen hat, und ist nur knapp dem Angriff eines Eisbären in Kanada entkommen. Zuletzt ist der Hobbyfilmer Hartmut Thierfelder auf der russischen Halbinsel Kamtschatka unterwegs gewesen und hat von dort spektakuläre Bilder von spielenden Braunbären und rauchenden Vulkanen mitgebracht. Das Ergebnis – einen rund 80-minütigen Film – zeigt der Wedeler im Oktober in öffentlichen Vorführungen in seiner Heimatstadt. Seine Vorführungen dort haben mittlerweile Tradition.

Vom Medium Film war der heute 75-Jährige, der zum Fototermin ein graues Safarihemd und Sandalen trägt, schon als Kind begeistert. Der Wedeler sammelte einzelne Bilder aus Kinostreifen, die in „Wundertüten“ verkauft wurden, und organisierte für seine Spielkameraden „Kino im Kinderzimmer“. Als Jugendlicher trat er dem Filmclub der Volkshochschule Wedel bei und drehte seinen ersten eigenen Streifen – als Doppel-Acht-Film.

Heute hat sich nicht nur seine Kameratechnik weiterentwickelt. Auch die Suche nach einzigartigen Motiven führt ihn immer weiter in die Welt hinaus. 2008 hat der Unternehmer sein Rollladen- und Markisengeschäft an seinen Sohn Sascha übergeben. Seither bleiben ihm und seiner Frau Marlies noch mehr Zeit fürs Reisen. Thierfelder ging auf Safari in Botswana und Tansania, besuchte die Gletscher Grönlands und die Pinguine in der Antarktis, erklomm die Anden in Chile und schipperte durch den Amazonas-Regenwald. Schon mehrfach filmte er Eisbären in der Arktis.

Schiff hatte im richtigen Augenblick eine Panne

Diesmal sind es Braunbären. Kamtschatka erkundeten Thierfelder und seine Frau im Sommer 2017 drei Wochen lang mit einem Expeditionsschiff. Die Halbinsel erstreckt sich von Ostsibirien nach Süden bis zur Inselkette der Kurilen in Richtung Japan. Dort besuchten die Wedeler unter anderem das „Tal der Geysire“ und flogen mit dem Helikopter über die teils rauchenden Krater der angrenzenden Vulkane.

Höhepunkt für Thierfelder war jedoch der Besuch der weltweit größten Braunbären-Population am Kurilen-See an der Südspitze Kamtschatkas. Weil das Expeditionsschiff ausgerechnet dort eine Panne hatte, konnte er in der Gegend viel mehr Zeit verbringen, als eigentlich eingeplant gewesen war – für den Hobbyfilmer das reinste Glück. Drei Tage lang ging es jeden Morgen in Begleitung eines bewaffneten Rangers an das Ufer des Sees, wo er gemeinsam mit weiteren Filmern und Fotografen seine Kamera aufbaute und Ausschau hielt.

„Wir haben wirklich drei Tage mitten unter Bären gesessen“, berichtet er. Manchmal seien die bis zu zweieinhalb Meter großen und 600 Kilogramm schweren Exemplare in nur drei Meter Entfernung vorbeigelaufen. „Das war manchmal schon ein komisches Gefühl.“ Doch dank der reichen Lachspopulation des Sees hätten die Tiere genügend Nahrung gehabt und sich gar nicht an den Menschen gestört.

Viele Bärinnen waren in diesen Tagen mit ihrem Nachwuchs unterwegs, was Thierfelder seine absolute Lieblingsszene bescherte: Eine Bärenmutter legte sich direkt vor ihm hin, um ihre beiden Jungen zu säugen. „Das war einfach unbegreiflich schön“, sagt er und kämpft fast mit den Tränen. Bären haben es dem Norddeutschen angetan. „Sie sind einerseits Raubtiere, aber andererseits sind ihre Babys so entzückend“, erklärt er seine Faszination.

Seit 13 Jahren führt Thierfelder seine Filme vor

Mehr als sechs Stunden Filmmaterial hatte der Wedeler am Ende seiner Russlandreise gesammelt, das er in über einjähriger Arbeit zusammengeschnitten und mit Unterstützung seiner Frau als Sprecherin vertont hat. Seit 2006 zeigt Thierfelder seine Reisefilme regelmäßig öffentlich. Die Vorstellungen waren mehrfach ausverkauft. Seinen Tansania-Film präsentierte er deshalb im vergangenen Jahr erstmals an zwei Terminen. Auch „Kamtschatka – Expedition ins Land der Braunbären und Vulkane“ wird zweimal im Ernst-Barlach-Saal zu sehen sein – am Sonnabend, 19., und am Sonntag, 20. Oktober.

Geld verdienen will Hartmut Thierfelder damit nicht. Das Eintrittsgeld kommt, wie schon in den vergangenen Jahren, der Initiative „Wedel für Kinder“ (WeKi) des Deutschen Kinderschutzbunds zu Gute. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dass jedes Kind in der Stadt ein warmes Mittagessen bekommt. Über das Engagement hat Thierfelder ebenfalls bereits einen Film gedreht.

Gibt es eigentlich eine Region auf der Welt, die der Wedeler noch nicht besucht hat? Um einer Antwort auf diese Frage zu geben, muss Hartmut Thierfelder tatsächlich sehr lange überlegen. „Australien und Neuseeland“, sagt er schließlich. Zwar sei er schon mal in Australiens größter Stadt Sydney gewesen. Aber die Natur Ozeaniens würde er gern noch einmal erkunden.

Hier gibt’s Karten

Der Film ist zu sehen am Sonnabend, 19. Oktober, von 17 Uhr an und am Sonntag, 20. Oktober, von 11 Uhr an im Ernst-Barlach-Saal (Tinsdaler Weg 44) in Wedel. Der Eintritt kostet 10 Euro. Das Geld spendet Hartmut Thierfelder an die Initiative „Wedel für Kinder“. Karten gibt es im Vorverkauf im Buchhaus Steyer (Bahnhofstraße 46) und bei der Firma HST Thierfelder (Galgenberg 31). Weitere Informationen über Hartmut Thierfelder gibt es auf seiner Homepage unter www.hartmut-thierfelder-film.de.