Pinneberg
Social Media

Pinneberg sucht Jugendschützer – auf Instagram

Suchen Personal: Christoph Helms (Jugendamt, v. l.), Volker Behrens (Lebenshilfe), Katja Köhler (Jugendhilfe), Eckbert Jänisch (Perspektive), Thorsten Sielk (Diakonisches Werk), Jörg Matthews (Awo), Denis Urban (AWS Personalmarketing), Martina Goetz (DHB) und Raphael Krause (Familienräume).

Suchen Personal: Christoph Helms (Jugendamt, v. l.), Volker Behrens (Lebenshilfe), Katja Köhler (Jugendhilfe), Eckbert Jänisch (Perspektive), Thorsten Sielk (Diakonisches Werk), Jörg Matthews (Awo), Denis Urban (AWS Personalmarketing), Martina Goetz (DHB) und Raphael Krause (Familienräume).

Foto: Burkhard Fuchs

Die Verwaltung hat eine Social-Media-Kampagne gegen den Fachkräftemangel gestartet. 27 Stellen im Kreisjugendamt sind aktuell vakant.

Kreis Pinneberg.  Die Sozial- und Jugendhilfeträger im Kreis Pinneberg schlagen Alarm: Gut 30 Personalstellen sind zurzeit nicht besetzt. Auch im Kreisjugendamt sind nach Angaben seines Leiters Christoph Helms zurzeit 27 Stellen vakant. Die Aufgabe des Kreises, insbesondere den Jugend- und Familienschutz sicherzustellen, sei angesichts des akuten Fachkräftemangels und einer Fluktuation von jährlich 27 Prozent unter seinen 67 Mitarbeitern gefährdet, warnt der oberste Jugendschützer im Kreis Pinneberg. Wie wichtig die Arbeit ist, hat gerade der Fall eines Abc-Schützen verdeutlicht, der einen Polizeieinsatz in einer Schule ausgelöst hat (wir berichteten).

Um das Problem, nicht mehr genug Fachkräfte zu finden, gemeinsam zu lösen, haben sich jetzt die Kreisverwaltung und 15 freie Jugend- und Sozialhilfeträger zusammengetan, um eine wohl bundesweit einmalige Kampagne zu starten. Zusammen haben sie jetzt eine Werbeaktion in den sozialen Medien (Facebook und Instagram) ins Leben gerufen, mit der sie bundesweit gemeinsam um ausgebildete Sozialpädagogen, Erzieher und sozialpädagogische Assistenten werben. „Wir machen das gemeinsam, weil es uns alle gleichermaßen betrifft und weil es keinem weiterhilft, wenn wir uns gegenseitig Fachkräfte abjagen“, begründet Kreisjugendamtsleiter Helms diesen Schulterschluss. „Es ist ohnehin bekannt, dass hier jeder freie Träger offene Stellen hat“, ergänzt Eckbert Jänisch, der sich mit seinem Team der „Perspektive“ um Kinder kümmert, deren Wohl zu Hause in ihren Familien gefährdet ist, wo sie Gewalt ausgesetzt sind und zu verwahrlosen drohen.

Mithilfe der sozialen Medien könnte die Kampagne gezielt und direkt genau jene 36.000 Frauen und Männer ansprechen, die deutschlandweit in sozialpädagogischen Berufen arbeiten, erläutert Denis Urban von der Firma AWS-Personalmarketing, die mit dieser zunächst für einen Monat angelegten Werbekampagne betraut ist. In allen Kreisen und Bundesländern außerhalb des Kreises Pinneberg werde nun die infrage kommende Zielgruppe direkt angesprochen und umworben, erklärt Urban. Dabei handele es sich vor allem um Menschen im Alter zwischen 20 und 49 Jahren, die bereit sein könnten, von Dortmund, Stuttgart oder München in den Kreis Pinneberg zu ziehen, um hier zu arbeiten.

Kreis wirbt für sich mit Kultur und der Nähe Hamburgs

Allein wegen der guten Jobaussicht machten das sicherlich die wenigsten, ist sich Initiator Helms bewusst. „Wir sind nicht naiv. Aber der Kreis Pinneberg muss sich nicht verstecken.“ So rechne er mit Menschen, die sich der Liebe oder Partnerschaft wegen mit dem Gedanken befassten, in den Norden zu ziehen. Wegen der Nähe zu Hamburg und seiner kulturellen Angeboten sei der Kreis Pinneberg als Wohnort attraktiv. Für die Arbeit im sozialpädagogischen Umfeld des Kreises spreche das vorhandene sehr gute Netzwerk aller beteiligten Institutionen.

„Wir sind bundesweit der einzige Kreis, der seit vielen Jahren ein Präventionskonzept erarbeitet und einen Sozialplan hat“, lobt Helms die einmaligen vorhandenen Strukturen.

Wer im sozialen Bereich arbeite, tue dies ohnehin weniger des Geldes wegen, ist Thorsten Sielk vom Diakonischen Werk Rantzau-Münsterdorf überzeugt. „Diese Menschen machen es in der Regel, weil sie etwas gesellschaftlich Sinnvolles machen und etwas bewirken möchten“, ist seine Erfahrung. Weil sie dann aber vielerorts erlebten, dass sie gegen Wände liefen, die Strukturen ihrer Arbeit schlecht seien oder das Verhältnis zum Jugendamt nicht funktioniere, gäben Sozialpädagogen oft frustriert auf.

Da die Strukturen im Kreis Pinneberg zwischen dem Kreis und den freien Trägern sowie untereinander aber vergleichsweise sehr gut seien, drohe den Bewerbern die Aussicht zu scheitern hier eher nicht. Dies sei das Pfund, mit dem der Kreis Pinneberg nun wuchern möchte und bundesweit nach Sozialpädagogen suchen will.

Die Kampagne koste insgesamt 10.000 Euro sowie rund 3000 Euro für die Klicks im ersten Monat, die aber erst dann berechnet würden, wenn ein Bewerber die 27 Stellenprofile mit rund 60 unbesetzten Stellen an 34 Standorten im Kreis Pinneberg auch tatsächlich online angeschaut hat. „Wenn dieses Pilotvorhaben klappen sollte, könnten wir es auch auf andere Problemfelder ausdehnen, wo auch akuter Personalmangel herrscht“, kündigt Helms an und nennt die rund 150 Kindertagesstätten im Kreis, die ähnlich händeringend nach pädagogischen Betreuungskräften suchten.