Pinneberg
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Mister Westumgehung hat sein Ziel erreicht

Bernd Stachowski (70), Mitbegründer der Bürgerinitiative "Westumgehung, jetzt!".

Bernd Stachowski (70), Mitbegründer der Bürgerinitiative "Westumgehung, jetzt!".

Foto: Katja Engler

Drei Woche vor Eröffnung von Pinnebergs Millionen-Projekt zieht Bernd Stachowski von „Westumgehung jetzt!“ Bilanz.

Pinneberg.  Bernd Stachowski (70) steht im Garten seines Hauses an der Hermanstraße und schaut in Richtung der unüberhörbaren Hans-Hermann-Kath-Brücke: „Bald wird das hier wohl leiser werden“, sagt er zuversichtlich. Bald – damit meint er den 28. September, wenn das letzte Stück der Pinneberger Westumgehung freigegeben, die von ihm so lange ersehnte Straße endgültig eröffnet wird. Die Straße, die es ohne Stachowski und seine vielen Mitstreiter vielleicht gar nicht gäbe. Die Straße, von der schon in den 1930er-Jahren die Rede war. Sagt der Mann, der mit der Materie vertraut ist, aber auf keinen Fall im Mittelpunkt stehen möchte.

Der Pinneberger Immobilienberater, der vor 38 Jahren in die Wupperman-Siedlung neben der Brücke gezogen war, gründete vor neuneinhalb Jahren gemeinsam mit Gerhard Appelbaum und Dieter Göllner, die beide in seiner Straße wohnten, eine Bürgerinitiative. Ziel: „Westumgehung – jetzt!“ Einen Packen leicht vergilbter, runder Aufkleber mit dieser griffigen Parole hat er noch in einem Ständer auf dem Tisch stehen. „Die haben damals zu Tausenden in Pinneberg geklebt“, erinnert er sich.

Seit Jahrzehnten donnern Autoschlangen und reihenweise 40-Tonner hinter seinem Garten über die Brücke. Sie fahren weiter über die Elmshorner und die Mühlenstraße, den Wedeler und den Thesdorfer Weg. Sie verpesten die Luft, gefährden die Sicherheit insbesondere von Schulkindern, älteren Menschen und Radfahrern, und schmälern die Lebensqualität. Mit der Westumgehung soll das nun endlich besser werden, darauf freut sich Stachowski.

„Wir haben das damals gemacht, weil wir betroffen waren“, sagt er. Und: „Die Verlogenheit in der Politik, die hat mich sehr gestört. Von 1950 bis 2010 hat hier jeder gegen jeden gekämpft, die Politiker haben sich nur bekriegt.“ In diese Zeit fallen die endlosen Diskussionen um die Westumgehung.

Dann wurden die drei Gründer aktiv. Sie gingen durch die Nachbarschaft, durchkämmten die Innenstadt und gewannen die ersten Mitstreiter. „In dieser Zeit haben wir 7000 Unterschriften für die Westumgehung gesammelt. Wir haben in der Innenstadt Stände aufgebaut, die immer mit zwei Leuten besetzt waren“, erinnert sich Stachowski. Noch heute gratulierten ihm die Leute: „Bernd, das hast du gut gemacht, sagen sie zu mir.“ Es sei richtig, dass es nun bald vorbei sei mit dem extremen Lärm, der in den Häusern an den überlasteten Hauptverkehrsadern die Tassen im Schrank klirren lässt.

Zu den ersten Veranstaltungen kamen 100 Menschen

In Hochzeiten waren im Verein „Westumgehung - jetzt!“ 40 Menschen aktiv. Demnächst wird er aufgelöst, weil sein Zweck sich erübrigt hat. „Wir waren eine schlagkräftige Truppe“, sagt Stachowski. Immer mal wieder bekommt er Anrufe aus anderen Gemeinden, wo Bürger zu ähnlichen Mitteln greifen wollen und von ihm Tipps brauchen, wie man so was macht. Sogar aus Süddeutschland. Stachowski hat kein Geheimrezept in der Tasche: „Im Prinzip gehört nichts dazu. Außer Ehrlichkeit und der Bereitschaft zur Knochenarbeit.“

Als die Pinneberger Bürger damals ihren Willen bekundet hatten, habe sich die damalige Bürgermeisterin Kristin Alheit „reingehängt“, der Bauamtsleiter und der des Fachbereichs Verkehr auch. Auch von den Medien und aus der Politik (abgesehen von den Grünen) hätten sie viel Unterstützung bekommen. Allen voran von dem Landtagsabgeordneten Bernd Schröder (SPD), „der hat unser Interesse nach Kiel getragen“.

Zu der ersten Veranstaltung 2010 seien gleich 100 Teilnehmer gekommen, „das ist dann explodiert. Über die Veranstaltungen haben wir unsere Idee verbreitet.“ Um Spenden einwerben zu können, wurde im August des Gründerjahres aus der Bürgerinitiative ein Verein. „Wir als Bürger litten unter der Situation“, sagt Stachowski immer mal wieder.

Über die Grünen, die das Projekt erbittert bekämpft hätten, ärgert er sich noch heute: „Ein Naturschutzverein hatte uns eingeladen, um uns zu zeigen, was durch den Bau einer Straße alles an Arten verloren gehe. Wir wiesen auf die ökologischen Ausgleichsflächen hin und luden im Gegenzug dazu ein, sich die Verkehrsbelastung mal von Nahem anzusehen und über die Emissionen nachzudenken, die durch Stau verursacht werden.“ Genützt habe der Austausch nichts, die Fronten blieben, wie sie waren.

Sobald die Initiative genügend engagierte Mitstreiter hatte, zog Stachowski sich sachte zurück: „Ich wollte keinen Vorsitz. Damit es nicht heißt: Der Stachowski will nur sein Süppchen kochen.“ Neuneinhalb Jahre hat der Verein gekämpft, Prozesse für und gegen die Straße wurden geführt, in denen die Leute vom Verein mit T-Shirts im Gerichtssaal saßen, auf denen stand: „Westumgehung – jetzt!“

Dass die Straße nun eröffnet wird, findet er toll, selbst wenn er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mit dem Auto darüber fahren kann: „Das ist für mich der Beweis, dass der Bürger, wenn er ein berechtigtes Anliegen hat, seine Interessen auch durchsetzen kann.“