Pinneberg
Mordverdacht

Wurde Leiche 300 Kilometer weit nach Appen gefahren?

In der Nähe des Appener Karpfenteiches war die Leiche der 68-Jährigen am Freitag entdeckt worden. Der Tatort lag in Münster, die Tote wurde danach in den Norden gefahren.

In der Nähe des Appener Karpfenteiches war die Leiche der 68-Jährigen am Freitag entdeckt worden. Der Tatort lag in Münster, die Tote wurde danach in den Norden gefahren.

Foto: Alexander Sulanke

Ermittler gehen davon aus, dass 52-Jähriger seine 68 Jahre alte Tante in Münster getötet hat. Richter erlies Heftbefehl gegen ihn.

Appen. Nach dem Leichenfund in Appen und der Festnahme des dringend tatverdächtigen 52 Jahre alten Neffen des Opfers hat ein Richter am Donnerstag Haftbefehl gegen den Mann aus dem Kreis Pinneberg erlassen. Vom Gericht wurde sofortige Untersuchungshaft wegen des Verdachts des Mordes angeordnet. Der mutmaßliche Täter, dessen Identität dem Abendblatt bekannt ist, machte weiterhin keine Angaben.

Seit Mittwoch wird dem Wirtschaftsinformatiker aus einem Dorf nahe dem Fundort der Leiche von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, seine Tante, die 68 Jahre alte Agnes Elisabeth M., bei einem Streit um einen geliehenen fünfstelligen Geldbetrag ermordet zu haben. Der mutmaßliche Täter, ein Familienvater mit Frau und Kind, soll dafür schon Anfang August nach Münster gefahren sein – dem Wohnort der Frau – und seine Tante mit „massiver Gewalt gegen den Hals“ umgebracht haben. Danach sei er mit der Leiche im Auto 300 Kilometer Richtung Norden gefahren, um sie am Fundort, dem sogenannten Karpfenteich unweit des Schäferhofs in Appen, abzulegen. Das hat nach Angaben der federführenden Staatsanwaltschaft Münster die Obduktion der Leiche ergeben.

Opfer wurde seit dem 2. August vermisst

Zum Streit kam es offenbar, weil die Tante ihr geliehenes Geld von ihrem Neffen zurückgefordert hatte. „In dessen Verlauf hat der Beschuldigte seine Tante wohl getötet“, sagt Julika Böhlendorf, die stellvertretende Leiterin der Mordkommission in Münster. Das Opfer war dort seit dem 2. August vermisst gemeldet. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hatte auch mit der Unterstützung eines Hubschraubers nach der Frau aus dem Stadtteil Münster-Kinderhaus gesucht. Noch zwei Wochen nach ihrem Verschwinden machten Angehörige per Aushängen auf die vermisste „Mutter und Oma“ Agnes Elisabeth M. aufmerksam. Doch da war die Frau, auch das lege das Obduktionsergebnis nahe, schon mehr als 14 Tage tot.

Erst am vergangenen Freitag, einen Monat nach der Tat, fand eine Spaziergängerin die Leiche in dem „unzugänglichen Gelände“ nahe dem Appener Karpfenteich. Fünf Tage später, nach intensiver Ermittlungsarbeit der Polizei, nahm eine Spezialeinheit den Tatverdächtigen unweit des Fundorts in seiner Doppelhaushälfte fest. In der beschaulichen Sackgasse mit Zweifamilienhäusern und mehrstöckigen Wohngebäuden berichten Nachbarn von dem morgendlichen Polizeieinsatz. Die acht Mann starke Sondereinheit der Polizei habe nicht lange gebraucht, um den Mann abzuführen. Er wurde noch am Mittwoch nach Münster gebracht, um dort verhört zu werden.

Sondereinheit nimmt den Mann fest

Einen Tag nach der Festnahme wollte sich die Frau des Tatverdächtigen nicht äußern und reagierte an der Haustür unwirsch auf Presseanfragen. Ein Nachbar sagt, er habe wenig Kontakt mit dem Tatverdächtigen gehabt, dieser habe auf der Straße im Gegensatz zu seiner Familie selten bis gar nicht gegrüßt und immer etwas „komisch“ gewirkt. Der Tatverdächtige ist sportlich, hat im Verein auch Trainingseinheiten gegeben, offenbar hatte sich die Polizei deshalb entschieden, eine Sondereinheit zur Festnahme zu schicken.

Zuvor war tagelang über die Identität der Toten gerätselt worden. Erst bei der am Dienstag in der Hamburger Rechtsmedizin durchgeführten Obduktion sei zweifelsfrei festgestellt worden, dass es sich um die vermisste 68-Jährige aus Münster handelt. „Als Todesursache konnte eine massive Gewalteinwirkung gegen den Hals festgestellt werden“, sagte Martin Botzenhardt, der leitende Oberstaatsanwalt in Münster. Nach seinen Angaben lag der Tatort in Münster. Über die exakte Tatzeit konnte allerdings auch die Obduktion keine Aufschlüsse geben.

Bei den Ermittlungen war der Neffe immer mehr ins Visier der Mordkommission geraten. „Es gibt Hinweise, dass die 68-Jährige dem 52-Jährigen einen fünfstelligen Geldbetrag geliehen hat“, so Julika Böhlendorf.