Kreis Pinneberg

Riesiger Widerstand gegen Großlager in Rellingen

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Katja Engler
So voll war das Rellinger Rathaus schon lange nicht mehr: Anwohner, die zur Info-Veranstaltung Kellerstraße am Dienstagabend gekommen sind

So voll war das Rellinger Rathaus schon lange nicht mehr: Anwohner, die zur Info-Veranstaltung Kellerstraße am Dienstagabend gekommen sind

Foto: Katja Engler

Info-Veranstaltung im Rathaus über künftiges Gewerbegebiet Kellerstraße/Hermann-Löns-Weg wurde wegen Überfüllung abgebrochen.

Rellingen.  Die Stimmung ist aufgeladen, das Rellinger Rathaus heiß wie ein Backofen: Rund 350 Menschen sind am Dienstagabend gekommen, um sich über die Pläne für das künftige Gewerbegebiet Kellerstraße/Hermann-Löns-Weg zu informieren, Fragen zu stellen und ihrem Unmut Luft zu machen. Was sich später draußen als Gewitter entlädt, schlägt drinnen bereits Funken, als Bürgermeister Marc Trampe das Publikum und Vertreter aller Fraktionen begrüßt.

Das Mikrofon ist für die anwesenden Menschenmassen, die über zwei Stockwerke bis zur Eingangstür stehen, nicht ausgelegt, Trampe ist schlecht bis gar nicht zu verstehen, und schon geht es los mit Zwischenrufen und Gejohle. Der Bürgermeister, der vorschlägt, eine zweite Veranstaltung mit identischem Inhalt in Krupunder zu machen und die, die deshalb gehen wollen, in Ruhe herauszulassen, sagt schließlich die ganze Veranstaltung ab.

Dem Anwohner Jens-Uwe Mungard war schon vorher unwohl. Er ist sauer: „Wir werden hier vorgeführt. Die Anhörung ist eine Farce, der Plan ist doch schon abgesegnet“, meint er. Er findet, die Riesenansammlung an Menschen ist „eine Abstimmung mit den Füßen“.

Interessant wird es noch, als der Abiturient Neil Lange, SPD-Mitglied, der den Widerstand organisiert hat, das Podium betritt und mehr Ruhe einkehrt. Er sagt, Trampe und dessen Kinder seien beleidigt und bedroht worden, nachdem die Bebauungspläne bekannt geworden seien: „Wir dürfen Herrn Trampe als Person nicht verunglimpfen. Dagegen sollten wir uns verwehren.“ Dem Bürgermeister ist das sichtlich unangenehm, er bleibt ganz sachlich und beschwichtigt die unruhige Menge: „Wir stehen noch ganz am Anfang. Wir werden genau dieselbe Veranstaltung noch mal machen“, sagt Trampe. Am Tag danach setzt er das Ziel, dass die neue Veranstaltung noch vor den Herbstferien stattfindet.

Viele Rellinger haben im Vorfeld Flyer verteilt, um die Bevölkerung zu informieren und Unterschriften zu sammeln. „Wir wollen hören, was der genaue Plan ist“, sagt Neil Lange. „Wenn er auf erbitterten Widerstand stößt, gehen wir eventuell den Weg des Bürgerbegehrens. Aber eine Einigung wäre am besten. Wir schauen, zu was für Zugeständnissen Herr Riess bereit ist.“

Bauherr beschäftigt in Pinneberg 150 Mitarbeiter

Nicolas Riess ist der, der auf dem Gelände bauen will. Er hat in Pinneberg-Waldenau ein Unternehmen für Designermöbel aufgebaut, das schnell so gewachsen ist, dass dort 150 Mitarbeiter beschäftigt sind und der Platz nicht mehr ausreicht.

Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan des 5,34 Hektar großen Grundstücks war im Juni 2016 in öffentlicher Sitzung gefasst worden, das ist im Internet nachlesbar. Die SPD hatte dagegen gestimmt, CDU und Grüne dafür.

Auch Achim Diekmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen, ist am Dienstagabend da: „Der Bürgermeister hat jetzt seine Feuertaufe bestanden. Es war doch eine äußerst brisante Stimmung gegen diese Bebauung“, sagt er.

Diekmann erinnert sich genau, warum seine Fraktion dafür gestimmt hat: Weil klar war, dass mehr Gewerbesteuern her müssen, um die Neubauten an der Caspar-Voght-Schule (20 Millionen Euro) und den Kita-Ausbau (knapp zwei Millionen Euro) bezahlen zu können. „Wir werden bei der Entwurfsplanung auf Bodenversiegelung, den Radverkehr und die Abstände der Hallen zu den Nachbarn achten“, sagt er. Auch auf die Einwände aus dem sowieso schon durch häufige Überschwemmungen gebeutelten Ellerbek müsse „sehr sorgfältig eingegangen werden“.

Die SPD sieht sich heute in ihrer Auffassung von 2016 bestätigt: „Der Aufstellungsbeschluss geht von Parametern aus, die ein Drittel von dem sind, womit Riess heute antritt“, sagt der Fraktionsvorsitzende Christian Zimmermann. „Wir haben schon damals gesagt, dass man das nicht als Gewerbegebiet ausweisen darf, weil das mit der neuen Bebauung nicht zusammenpasst, geschweige denn mit der Kita.“

Die CDU hatte die Gewerbe-Bebauung beschlossen, „weil das Gebiet den kürzesten Weg zur Autobahn hat und der Verkehr eben nicht durch ganz Rellingen durch muss“, sagt der Fraktionsvorsitzende Dieter Beyerle. Hallen seien niemals sexy, es sei aber die Frage, wie viel am Ende davon zu sehen sei.

In dem Konzept des Investors Thorsten Wolfsteller ist bereits vieles ausgearbeitet. Es sieht einen großen Komplex aus mehreren Hallenschiffen mit einer Maximalhöhe von 13 Metern vor. „Dieses Konzept ist aber nur die Grundlage für das weitere Verfahren“, erklärt Trampe. „Beschlossen ist nichts, es wird auf Verträglichkeit geachtet.“

Die neue Veranstaltung soll abends in einer großen Turnhalle stattfinden, um möglichst vielen die Teilnahme zu ermöglichen.

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