Pinneberg
Pinneberg

Waffennarr beleidigt Landrat Oliver Stolz erneut

Ein Teil der Waffen und Munition des Pinnebergers, die 2017 beschlagnahmt wurden.

Ein Teil der Waffen und Munition des Pinnebergers, die 2017 beschlagnahmt wurden.

Foto: Polizeidirektion Bad Segeberg / HA

63-Jähriger verteilt Flugblätter. Kreispolitik will gegen den Mann vorgehen. Ausgangspunkt war Beschlagnahmung von Waffen.

Kreis Pinneberg.  Er kann es nicht lassen. Der Pinneberger Henning von S. hat offenbar erneut Dutzende von Flugblättern in private Briefkästen im Kreis Pinneberg geworfen, auf denen er Landrat Oliver Stolz beleidigt. Die Mitglieder des Hauptausschusses des Kreistages, die als Dienstvorgesetzte des Landrates in diesem Zusammenhang bereits vier Strafanzeigen gestellt haben, werden bei ihrer nächsten Sitzung am heutigen Mittwoch erneut aktiv.

Diesmal sollen die Kommunalpolitiker die Einleitung zivilrechtlicher Schritte beschließen. Das heißt: Es wird auf Unterlassung geklagt, um bei weiteren Zuwiderhandlungen rechtliche Schritte erzwingen zu können – beispielsweise Ordnungsgeld oder auch Ordnungshaft.

Kreissprecher Oliver Carstens will sich nicht zu Details des nichtöffentlichen Tagesordnungspunktes äußern. „Ich kann aber zumindest bestätigen, dass es sich um wiederholte und schwere Beleidigungen gegenüber dem Landrat handelt“, so Carstens.

114 Gewehre beschlagnahmt: Damit fing 2017 alles an

Henning von S. macht Oliver Stolz in dessen Funktion als Chef der Kreisverwaltung für die Beschlagnahmung von 114 Gewehren, Faustfeuerwaffen und 71.000 Schuss Munition verantwortlich. Am 16. Februar 2017 durchsuchte ein Großaufgebot der Polizei das Wohnhaus des Pinnebergers, nachdem ihm die Kreisverwaltung zuvor alle waffenrechtlichen Erlaubnisse entzogen hatte, weil die zuständigen Mitarbeiter an der notwendigen Zuverlässigkeit des 63-Jährigen zweifelten. Der legte zunächst erfolglos Widerspruch ein. Am 15. August 2016 wurde die Entziehung dann rechtskräftig, von S. verweigerte jedoch die Herausgabe.

Im November 2018 kam es vor dem Amtsgericht Pinneberg zu einem Strafprozess, an dessen Ende von S. wegen unerlaubten Waffenbesitzes, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung des Landrats zu einer Haftstrafe von 19 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt wurde. Der 63-Jährige hat Berufung eingelegt, sodass dieses Urteil nicht rechtskräftig ist. Einen Termin für die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Itzehoe gibt es noch nicht.

Pinneberger hat auch Theorien über alternative Krebsheilung

Seitdem hat Henning von S. kontinuierlich seine Pamphlete verteilt, er war dabei nahezu im gesamten Kreisgebiet aktiv. Auf der einen Seite des Papiers wird eine obskure Theorie der alternativen Krebsheilung verbreitet, auf der Rückseite der Landrat unter anderem als Gesetzesbrecher bezeichnet. Auch eine Internetseite, auf der von S. weiteres Material hochgeladen hat, ist aufgeführt. Auch am Zaun seines Wohnhauses hängen nach wie vor Plakate, auf denen der Pinneberger die Kreisverwaltung und deren Chef angreift.