Pinneberg
Quickborn

Wo einst gehandelt, gelogen und betrogen wurde

Bürgermeister Thomas Köppl (l.), Bürgervorsteher Henning Meyn und Irene Lühdorff weihten das neue Schild „Ladestraße“ am Quickborner Bahnhof ein.

Bürgermeister Thomas Köppl (l.), Bürgervorsteher Henning Meyn und Irene Lühdorff weihten das neue Schild „Ladestraße“ am Quickborner Bahnhof ein.

Foto: Burkhard Fuchs

Quickborns Ladestraße heißt jetzt Ladestraße. Einst wurden hier Schweine schwerer gemacht, als sie eigentlich waren.

Quickborn.  Viele Jahrzehnte hieß dieser Bereich unmittelbar bei den Bahngleisen in Quickborn im Volksmund ohnehin schon so, wie vergleichbare Wege auch in anderen Städten genannt werden: Ladestraße. Nun hat die Stadt Quickborn diese Ladestraße am AKN-Bahnhof auch ganz offiziell zur Ladestraße gemacht. Bürgervorsteher Henning Meyn und Bürgermeister Thomas Köppl enthüllten gemeinsam mit Irene Lühdorff von der Geschichtswerkstatt das neue Schild direkt am Bahnhofsforum. „Hier wurden jahrzehntelang die mit Torf oder Schweinen beladenen Fuhrwerke auf die Züge nach Hamburg umgeladen“, erklärt Irene Lühdorff den Hintergrund.

Die Geschichtswerkstatt hatte den Anstoß gegeben, die Straße zu benennen, und der Bildungsausschuss der Ratsversammlung dem Wunsch anschließend entsprochen. Dieser intensiv genutzte Weg zwischen Bahnhofstraße und Harksheider Weg, der direkt an der westlichen Seite der AKN-Bahnstrecke liegt, sei schon immer Ladestraße genannt worden, erklärt Lühdorff. „Das entspricht auch den geschichtlichen Tatsachen.“

Schweine mit Salz gefüttert, damit sie schwerer wurden

So habe es in diesem Bereich auch eine große Fahrzeugwaage gegeben, die vor der Verladung genau prüfen sollte, wie schwer die umgeladenen Torfballen oder die Fuhren der umliegenden Landwirte mit Schweinen, Kühen oder Getreide gewesen seien, weil sich danach ja der Preis für die gelieferten Waren bemessen habe. „Dabei ist auch gelogen und betrogen worden“, weiß die Lokalhistorikerin Lühdorff. Schweinen hätten die Bauern zum Beispiel Salz zu fressen gegeben, was diese schwerer gemacht habe. In dem Torf hätten windige Händler Eisenplatten versteckt, sodass sie mehr Geld für ihr Heizmaterial abrechnen konnten, als ihnen eigentlich zugestanden habe.

Doch auch diese Betrügereien fielen schnell auf, sodass die Tiere immer eine Nacht vor der Verladung am Bahnhof verbringen mussten und die Ladung genauestens untersucht wurde, bevor sie gewogen wurde. Diese Art der Verladung von der Straße auf die AKN-Züge wurde am Quickborner Bahnhof von 1912 an und noch bis in die 70er-Jahre so betrieben.