Pinneberg
Städtebau

Der Zoll verlässt Pinneberg – und was kommt dann?

Der Zoll zieht wahrscheinlich Anfang kommenden Jahrs aus dem 65 Jahre alten Backsteinbau mit der Adresse Am Drosteipark 1 aus.

Der Zoll zieht wahrscheinlich Anfang kommenden Jahrs aus dem 65 Jahre alten Backsteinbau mit der Adresse Am Drosteipark 1 aus.

Foto: Alexander Sulanke

Pinneberg muss über Kauf des denkmalgeschützten Amts in Innenstadtlage entscheiden. Flüchtlingsunterkunft und Kulturzentrum im Gespräch.

Pinneberg.  Direkt am Pinneberger Drosteipark werden demnächst in schönster Innenstadtlage ein paar Zimmer frei: Es handelt sich um das Zollamtsgebäude, das im Jahr 1954 mit einer Backsteinfassade und einem Satteldach errichtet wurde und heute aus geschichtlichen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz steht.

Noch befindet sich die Zollverwaltung darin, „aller Voraussicht nach wird sie die Dienststelle aber zu Beginn des Jahres 2020 in ein neues Quartier verlagern“, sagt Hartwig Hardell von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. „Danach wäre die Liegenschaft, wenn kein weiterer Bundesbedarf erkennbar ist, für eine Verwertung im Weg der Veräußerung vorgesehen.“

Die Stadt Pinneberg hat deshalb ihr vorläufiges Interesse an der Immobilie angemeldet, die Politik hat bislang aber keine Entscheidung über die Zukunft des Gebäudes getroffen. Deshalb, bestätigt Stadtsprecherin Maren Uschkurat, hat die Verwaltung die Frist für eine Kaufentscheidung nochmals verlängert. Sie gilt nun bis Anfang November dieses Jahres.

Es gibt nämlich diverse Einschränkungen für die künftige Nutzung des Hauses. Zum einen steht es komplett unter Denkmalschutz, zum anderen schreibt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben klare Bedingungen vor: Den Direktverkauf von entbehrlichen Grundstücken unterstützt sie, „wenn der Erwerb dauerhaft der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe dient“, heißt es in einem Schreiben vom Februar an die Stadt.

Zudem habe der Bundestag die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen, an Gebietskörperschaften, privatrechtliche Gesellschaften oder Unternehmen, Stiftungen oder Anstalten, an denen die Kommunen beteiligt seien, die Grundstücke „auch verbilligt unterhalb des gutachterlich ermittelten Verkehrswertes zu veräußern“, heißt es in dem Schreiben der Bundesanstalt an die Stadt. Angesichts des Gebäudezustandes plant die Stadt zunächst eine temporäre Unterbringung von Geflüchteten und Asylbewerbern. Nach einer Prüfung stellte die Verwaltung fest: Der Keller ist feucht, das Dach muss repariert werden, beim Brandschutz müsste nachgerüstet werden. Die Sanierung koste schon damit etwa eine Million Euro, sagt Maren Uschkurat.

Würden dort Geflüchtete untergebracht, gebe es von der Bundesanstalt den besonders großen Nachlass von 500.000 Euro. Der Kaufpreis ist noch nicht bekannt. Und: Es gibt zurzeit keinen Bedarf für solche Unterkünfte. „Momentan kriegen wir alle Geflüchteten untergebracht, das aber in angemieteten Räumen“, so Uschkurat.

Dieter Tietz (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses, hat darüber noch nicht mit seiner Fraktion beraten. Seine persönliche Meinung: „Es ist positiv zu sehen, dass dort geflüchtete Familien untergebracht werden sollen. Bisher werden Räume dafür angemietet. Ob sich das allerdings rechnet, bezweifle ich.“ Der Ausschuss wird am 10. September darüber beraten. Werner Mende (FDP) sieht darin „eine reine Rechenaufgabe“. Er fragt sich: „Woher sollen die Sanierungsgelder und der Kaufpreis kommen? Ich bin da skeptisch. Das Geld dafür ist nicht da, der Haushalt gibt das nicht her.“

Bis Anfang November muss die Politik entschieden haben

Die CDU sieht in den Auflagen des Denkmalschutzes das größte Problem: „Brächte man dort eine Kita unter, müsste das Gebäude im Kern verändert werden. Dies ist nicht erlaubt. Würde das Haus zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden, bedeutet das noch viel mehr Veränderungen“, stellt Carl-Eric Pudor (CDU) fest.

Weiter sagt er: „Wir hätten das Gebäude schon gern für die Stadt. Es ist ein sehr wichtiger Standort, ist aber für soziale Zwecke nicht wirklich geeignet.“ Klappe es aber mit dem Umbau der Ernst-Paasch-Halle zum Kulturzentrum nicht, könne vielleicht stattdessen das Zollgebäude zum Bürgerhaus umgebaut werden. „Aber auch dafür müsste es entkernt werden“, sagt Pudor. Ihm gefällt die Idee, aus Museum, Drostei und Zollgebäude eine neue Pinneberger Kulturachse entstehen zu lassen. „Wir müssen jetzt abwägen, was wir damit machen wollen und dann mit der Denkmalschutzbehörde reden. Ich hoffe, dass einer Einzellösung zugestimmt wird. Sonst kommt am Ende so etwas heraus wie mit der Bauernmühle.“ Die war auch denkmalgeschützt und marode, sie wurde 2005 abgerissen, ein Investor stand parat. 2011 wurde die heutige Seniorenwohnanlage eingeweiht.

Joachim Dreher, Fraktionsvorsitzender der Grünen/Unabhängigen, lehnt wie Pudor die von der Verwaltung favorisierte Zwischenlösung ab: „Das geht nicht, weil das Gebäude für Wohnungen nicht geeignet ist.“ Um eine wirklich gute Entscheidung zu treffen, wünscht er sich eine Einwohnerversammlung oder eine Diskussionsveranstaltung.

Aber er hat auch schon konkrete Vorstellungen, was mit dem Haus passieren soll: „Eine Begegnungsstätte für mehrere Generationen wäre, glaube ich, eine gute Lösung.“ Nur mit solchen Ideen könnten Innenstädte am Leben erhalten werden. Dreher: „Ich glaube, dafür könnte man eine Mehrheit finden. Das Ganze steht und fällt aber damit, dass die Stadt dafür dann auch Personal bereitstellt.“ Bis Anfang November muss die Politik darüber entschieden haben.