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Uwe Graw will nicht mehr kandidieren – aber er muss es tun

Uwe Graw (75) tritt von seiner Kandidatur zurück, darf das aber nicht.

Uwe Graw (75) tritt von seiner Kandidatur zurück, darf das aber nicht.

Foto: Arne Kolarczyk

Am 15. September ist Bürgermeisterwahl in Elmshorn: Warum es für 75 Jahre alten Außenseiter in der Krückaustadt kein Zurück gibt.

Elmshorn.  Und plötzlich sind es nur noch vier. Oder doch nicht? Uwe Graw (75) hat bei einer Diskussionsveranstaltung im Elmshorner Kranhaus erklärt, dass er seine Kandidatur um das Bürgermeisteramt in der größten Stadt im Kreis Pinneberg zurückziehe.

Das Problem bei der Sache: Er darf das nicht. „Ein Rücktritt von der Kandidatur ist nur bis zu dem Zeitpunkt zulässig, zu dem der Gemeindewahlausschuss über die ordnungsgemäßen Wahlvorschläge zur Wahl eines hauptamtlichen Bürgermeisters beschlossen hat“, heißt es in einer Erklärung aus dem Elmshorner Rathaus. Diesen Beschluss habe der Gemeindewahlausschuss in seiner Sitzung am 26. Juli gefasst. „Nach dieser Zulassungsentscheidung ist es keinem Bewerber mehr möglich, seine Kandidatur zurückzuziehen. Daher stehen weiterhin fünf Bewerber zur Wahl.“

Stadtrat und Gemeindewahlleiter Dirk Moritz erklärt, warum das so ist: „Die gesetzliche Regelung hat ihren Sinn. Zwischenzeitlich können die Wähler ihre Stimme mit der Briefwahl für einen der Bewerber abgeben.“ Stand Mittwoch hätten sich 2364 Briefwähler für einen der fünf Kandidaten entschieden. „Das Wahlergebnis für die verbleibenden vier Kandidaten wäre beeinflusst, wenn die für Herrn Graw abgegebenen Stimmenunberücksichtigt bleiben.“ Auch Dirk Moritz sagt: „Es ändert sich also nichts. Es bleibt bei fünf Kandidaten.“

Und was sagt Uwe Graw dazu? „Soll mein Name doch auf dem Stimmzettel bleiben, ist mir egal.“ Er habe während der Diskussion mit seinen vier Mitbewerbern beim Verein Kranhaus gemerkt, dass er rhetorisch mit ihnen nicht mithalten könne. „Das war auch nicht mein Thema, ich fühlte mich überfordert.“ Er sei eher an grünen Themen interessiert – und die Sache sei ihm etwas über den Kopf gewachsen.

Am Donnerstag, 29. August, wenn von 19 Uhr an im Audimax der Nordakademie die Stadt offiziell alle fünf Kandidaten vorstellt, werden nur Amtsinhaber Volker Hatje (58), Tafin Ahsbahs (30, Die Grünen), Thomas Philipp Reiter (50, FDP) und Jonas Stiefel (20, Die Partei) auf dem Podium sitzen. „Ich werde da nicht hingehen“, kündigt der 75-Jährige an. Dazu zwingen könne ihn keiner. „Das Ganze war für mich nicht die allerbeste Erfahrung“, sagt Graw über seine zweite Bürgermeisterkandidatur nach 2001 (damals 2,64 Prozent), für die er 195 Unterstützungsunterschriften gesammelt hatte. Immerhin sei jetzt der Familienfrieden wiederhergestellt. „Nicht alle waren für meine Kandidatur.“