Pinneberg
Kreis Pinneberg

Tote Frau in Tornesch gefunden – Verdächtiger in Haft

Die Frau wurde offenbar Opfer eines Mordes. Der Lebensgefährte wurde festgenommen. Zum Haushalt soll auch ein Kind gehören.

Tornesch. Acht Häuser stehen in dem Abschnitt des Neuendeicher Weges, ein neuntes wird gerade gebaut. Ganz außen, fast schon an der Ecke zur Heimstättenstraße, befindet sich ein weißes, älteres Gebäude mit rotem Spitzdach. Hinter dessen Fenstern hat sich wahrscheinlich ein Beziehungsdrama ereignet. Die 36 Jahre alte Bewohnerin ist tot. Ein 55 Jahre alter Mann, möglicherweise ihr Lebensgefährte, sitzt im Gefängnis. Der Haftbefehl gegen ihn, der am Mittwochnachmittag erlassen wurde, lautet auf Mord aus Heimtücke.

Was genau in dem Haus passiert ist, vor dem noch das Wohnmobil der Familie geparkt ist, müssen jetzt die Ermittler der Mordkommission aus Itzehoe herausfinden. Stundenlang waren am Mittwoch die Experten der Spurensicherung in ihren weißen Schutzanzügen vor Ort, sie trugen mehrere Kisten mit Beweismaterial aus dem Haus. Die Polizei hatte den Bereich um das Gebäude weiträumig abgesperrt, sodass Journalisten und Kameraleute das Geschehen nur aus großer Entfernung mitverfolgen konnten.

Um kurz nach 9 Uhr meldete ein Anrufer der Polizeileitstelle das Verbrechen. Dabei handelt es sich vermutlich um den Täter. Die ersten Beamten, die vor Ort eintrafen, entdeckten die leblose Frau und nahmen den mutmaßlichen Mörder im Gebäude fest. Der 55-Jährige wurde sofort zum Verhör auf die Wache nach Uetersen gebracht. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod der 36-Jährigen feststellen. Ihr Leichnam wurde gegen 13.30 Uhr von einem Uetersener Bestattungsunternehmen abgeholt und in die Hamburger Gerichtsmedizin gebracht. Das Obduktionsergebnis lag bis zum Abend noch nicht vor. Auch der Todeszeitpunkt ist bisher unbekannt.

Polizei will nichts Näheres zum Tatmotiv mitteilen

„Die Frau ist offensichtlich Opfer einer Gewalttat geworden“, bestätigt die Polizeisprecherin Merle Neufeld. Näheres zu den Tatumständen will sie nicht mitteilen. Auch zum möglichen Motiv hüllt sich die Polizeisprecherin in Schweigen. Entsetzen herrscht unter den Anwohnern der Siedlung am Rande der Stadt. Immer wieder bleiben Personen an der Polizeiabsperrung stehen und fragen, was passiert ist.

Das Opfer indes kennt niemand so richtig. Eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, berichtet von einer jüngeren Frau, die gemeinsam mit zwei Männern in dem betroffenen Haus leben soll. Auch ein Kind – etwa zehn bis 15 Jahre alt – soll dort wohnen. Sie habe das Opfer lange nicht mehr gesehen, sagt die Frau und geht weiter.

Wenig später hält ein Wagen direkt vor der Absperrung, eine junge, völlig aufgelöste Frau springt heraus und läuft auf den Polizisten an der Absperrung zu. Das Opfer sei ihre Freundin, sagt sie. Und die habe sie Dienstagabend mehrfach erfolglos zu erreichen versucht. Alle ihre Rückrufe seien fehlgeschlagen. Der Beamte schickt die Frau weiter zur Wache, um dort ihre Aussage zu machen.

Nahezu gleichzeitig wird um 14.30 Uhr der mutmaßliche Täter dem Haftrichter am Amtsgericht Itzehoe vorgeführt. Der Termin dauert nicht einmal eine Stunde, dann erlässt der Richter gegen den 55-jährigen Tornescher einen Haftbefehl wegen Mordes aus Heimtücke. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Tat mit besonderer Brutalität ausgeführt worden sein muss. Im juristischen Sinne ist damit gemeint, dass der Täter die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt hat, also beispielsweise sein Opfer im Schlaf oder überraschend von hinten attackiert hat.

Was genau in dem Haus passiert ist, dazu will die Polizei in den nächsten Tagen weitere Details mitteilen. Am späten Nachmittag bauen die Beamten die Absperrung ab, die Spurensicherer verlassen den Tatort. Vermutlich geht ihre Arbeit am Donnerstag weiter.