Pinneberg
Uetersen

Neue Streitschlichter wollen Fälle gemeinsam lösen

Die neuen Schiedsmänner in Uetersen: Ex-Schulleiter Peter Rosteck (l.) und Berufssoldat Reiner Just vor dem Rathaus.

Die neuen Schiedsmänner in Uetersen: Ex-Schulleiter Peter Rosteck (l.) und Berufssoldat Reiner Just vor dem Rathaus.

Foto: Burkhard Fuchs

Ein Ex-Schulleiter und ein Berufssoldat sollen künftig Nachbarschaftszoff in Uetersen außergerichtlich klären – und dabei eng zusammen arbeiten.

Uetersen. Streithähne, die heillos mit ihren Nachbarn über Kreuz liegen, haben in Uetersen neue Ansprechpartner. So hat die Ratsversammlung den ehemaligen Schulleiter Peter Rosteck (64) zum neuen Schiedsmann und den Bundeswehroffizier Reiner Just (55) zu dessen Stellvertreter ernannt. Beide haben nun die Aufgabe, Streitigkeiten und Konflikte außergerichtlich zu lösen, sofern die beklagte Person in Uetersen wohnt.

„Wir wollen diese Aufgabe gemeinsam bewältigen und auch die Fälle gemeinsam bearbeiten“, kündigt Rosteck an, der bis vor einem Jahr die Bismarckschule in Elmshorn geleitet hat. Anders als ihre Amtsvorgänger Christiane Frese und Rainer Kersten, die etwa ein Dutzend jährliche Streitfälle einzeln mit den Kontrahenten angegangen seien, versprächen sich die Neuen mit ihrer Strategie nachhaltigeren Erfolg, erklärt Just.

Beide betonen, dass sie aus ihrer langjährigen beruflichen Tätigkeit viel Erfahrung für das Streitschlichten mitbrächten. Rosteck, der oft zwischen Schülern, Eltern und Lehrern habe vermitteln müssen. Und Just, der als Berufssoldat an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg lehrt und sich dort überwiegend mit verbalen Konfliktbewältigungsstrategien beschäftige.

Typischerweise hätten sie es nun mit Streitfällen zwischen Nachbarn zu tun, die sich über zu hohe Hecken oder hinüberwachsende Apfelbäume ärgern. Auch Streitfälle über nicht geleistete Geldzahlungen spielten eine Rolle, ebenso wie Beleidigungen, Ehrverletzungen oder leichte Körperverletzungen, erklärt Rosteck. „Oft liegen die Gründe für diese Streitfälle Jahre zurück.“ Dies mit viel Geschick und Fingerspitzengefühl heraus- und aufzuarbeiten, werde ihre Hauptaufgabe in den nächsten fünf Jahren sein.

Ilona Fitschen bestätigt diese Erwartungshaltung. Die Wedeler Schiedsfrau kennt sich bestens aus. Seit fast 30 Jahren ist sie Vorsitzende der Bezirksvereinigung des Landgerichts Itzehoe, die etwa 120 Schiedsleute in den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen betreut. Im vorigen Jahr hatten sie etwa 600 Streitfälle zu bearbeiten. Zeitweise habe sie auch den Landesverband geleitet, so Fitschen. „Ein Schiedsmann muss Empathie besitzen, sich in die Streitparteien hineinversetzen und zuhören können“, erklärt Fitschen. „Rechtswissen ist dabei nicht notwendig.“

Denn die Schiedsleute sollen nicht Recht sprechen, sondern mit den Kontrahenten eine Lösung ihres Konflikts erarbeiten. „Dafür brauchen sie ein gutes Händchen für Vermittlung“, erklärt die erfahrene Schiedsfrau. In den meisten Fällen reiche es, dass die Streithähne überhaupt mal ihrem Ärger in einem Gespräch Luft machen konnten. „Selbst wenn es nicht zu einer konsensualen Lösung kommt, wirkt es oft schon befriedend, dass die zerstrittenen Parteien überhaupt miteinander geredet haben.“ Zumal dies oft das erste Mal seit vielen Jahren sei.

Für diese Aufgabe würden sie eigens geschult und vom Amtsgericht Elmshorn offiziell bestellt, erläutert Rosteck. Diese Schulungen, die mehrfach im Jahr angeboten werden, organisiere sowohl die Bezirks-Vereinigung als auch der Bundesverband der Schiedsleute. Sinn und Zweck ihrer Arbeit sei auch, Richtern die Streitfälle vor Gericht im Vorwege abzunehmen und die Schlichtung schriftlich festzuhalten, sagt Rosteck.

Für den Antragsteller ist das nicht kostenlos. Er müsse bis zu 75 Euro plus Auslagen für das Anrufen des Schiedsmannes zahlen. Das bemisst sich je nach Aufwand der Fälle. „Wir wollen bei der Streitschlichtung eine möglichst lockere Atmosphäre zwischen den Kontrahenten schaffen und durch eine geschickte Verhandlungsführung für eine Lösung sorgen“, erklärt Schiedsmann Just.

Die beiden Uetersener Schiedsleute werden jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat von 17 bis 18 Uhr eine Sprechstunde im Uetersener Rathaus (Raum 114) anbieten. Davor und danach wollen sie bereits alte Fälle versuchen zu lösen. Auch Terminabsprachen sind möglich und können unter der Rufnummer 04122/714276 oder per Mail: schiedsamt@uetersen.de vereinbart werden.