Pinneberg
Elbvertiefung

Warum der Elbstrand in Wedel verschwindet

Sich sonnen und dabei große Schiffe bestaunen: Der Strand in Wedel ist im Sommer gut besucht.

Sich sonnen und dabei große Schiffe bestaunen: Der Strand in Wedel ist im Sommer gut besucht.

Foto: HA / Jörn Lauterbach

Wissenschaftler zeichnet im Gutachten nach einjähriger Untersuchung ein ernüchterndes Bild. Was die Elbvertiefung für Wedel bedeutet.

Wedel.  Der Wedeler Sandstrand verschwindet, der Schulauer Hafen und der Ponton am Willkomm-Höft verschlicken, und allem Anschein nach lässt sich daran nicht allzu viel ändern. Wissenschaftler können das Phänomen jetzt immerhin erklären. Und die Politiker der Stadt sind ein bisschen ernüchtert.

Das Ganze hat stark mit dem zunehmenden Verkehr auf dem Fluss, mit immer größeren Schiffen und mit der letzten Elbvertiefung im Jahr 1999 zu tun. Aber auch Umbauten am Schulauer Hafen tragen dazu bei: Zu dieser Einschätzung jedenfalls gelangt Professor Peter Fröhle von der Technischen Universität Hamburg (TUHH), der zusammen mit seinem Mitarbeiter Roland Hesse dem Umwelt-, Bau und Feuerwehrausschuss am Donnerstagabend die Ergebnisse ihrer einjährigen Untersuchungen vorgestellt hat.

Dabei zeichneten die Wissenschaftler ein sehr differenziertes Bild. Die drei Bereiche Strandbad, Schulauer Hafen und Willkomm-Höft waren getrennt voneinander und mit unterschiedlichen wissenschaftliche Methoden untersucht worden. Die zunehmenden Strömungen machten die Wissenschaftler für die Erosion des Strandes verantwortlich. Zehn bis 30 Zentimeter Sand sind innerhalb eines Jahres von Teilen des Strandes weggespült worden. An einer Stelle diagnostizierten die Wissenschaftler allerdings eine Anlandung von Sediment.

Hesse äußerte die Vermutung, dass ein Teil des abgetragenen Sandes an dieser Stelle des Strandes wieder angeschwemmt worden ist. Auf Nachfrage aus der Politik machte Fröhle drei Verursacher für die immer stärkere Strömung verantwortlich: zunehmenden Schiffsverkehr, immer größer werdende Schiffe und stärkeren Tidenhub. Die immer kräftigeren Wechsel von Ebbe und Flut sind nach Ansicht von Umweltschützern das Ergebnis der Elbvertiefung 1999.

Zwei Vorschläge zur Verbesserung der Situation hatten die Experten parat. Ein im Wasser vor dem Strand gebauter Wellenschutz könnte die Entwicklung verlangsamen. Dies würde allerdings hohe Kosten verursachen. Für sinnvoller halten die Wissenschaftler es deswegen, den abgetragenen Sand immer wieder aufs Neue zu ersetzen. Dabei plädierte Hesse für massive und großflächigen Aufschüttungen.

Bau der neuen Mole hat die Strömung verändert

Der zunehmende Verschlickung des Schulauer Hafens kamen sie mit dem Vergleich zweier Strömungsmodell von 2006 und 2016 – also ein Jahr nach dem Umbau des Hafens mit der neuen Mole – auf die Spur. Die Strömung hat sich so verändert, dass sich jetzt vor der Hafeneinfahrt Sediment ablagert, das durch die Flut in den Hafen gedrückt wird. Die Wissenschaftler fanden allerdings noch einen zweiten Grund für die zunehmende Verschlickung: Seit 2015 hat die Hamburg Port Authority eine deutlich stärkere Trübung der Elbe gemessen. In dem Wasser ist also grundsätzlich deutlich mehr Sediment unterwegs als früher, das damit auch durch die Tide in den Schulauer Hafen getragen wird.

Zwei Vorschläge machten die Wissenschaftler zur Verbesserung der aktuellen Situation im Stadthafen. Mit dem Bau einer Strömungsleitwand unter Wasser vor der Mole könnte die Verlandung zumindest reduziert werden. Angesichts der zu erwartenden hohen Kosten halten sie jedoch ihren zweiten Vorschlag für sinnvoller: den Hafen immer wieder auszubaggern.

Und die zunehmende Verschlickung rund um Willkomm-Höft ist nicht, wie vielfach vermutet, durch die Vergrößerung des Pontons ausgelöst worden. Das haben Strömungsuntersuchungen ergeben. Auch hier sei der gewachsene Sedimentanteil im Elbwasser verantwortlich. Hesse: „Da muss immer wieder gebaggert werden.“

„Ziemlich ernüchternde Ergebnisse“, kommentierte die Grünen-Ratsfrau Petra Kärgel angesichts der zu erwartenden Kosten.

Professor rät Wedel, künftige Entwicklung zu messen

Von mehreren Politikern wurden die Experten um Schätzung der Kosten gebeten, doch sie wollten darauf keine Antwort geben. CDU-Ratsherr Christoph Matthiessen wollte wissen, ob von der gerade angelaufenen Elbvertiefung und insbesondere dem Bau der Begegnungsbox vor Wedel weitere negative Auswirkungen auf Strand, Hafen und Willkomm-Höft zu erwarten sind. Fröhle wollte sich nicht festlegen und erklärte nur, dass negative Wirkungen möglich seien.

Der Professor riet den Wedeler Politikern allerdings, Messungen im Schulauer Hafen vornehmen zu lassen, um Vergleichswerte zu haben, sollte der Bereich nach der Elbvertiefung stärker verschlicken.